Geiger Szeps-Znaider im Nationaltheater: Stämmiges unter Hochspannung

Dirigent Fabio Luisi und der Geiger Nikolaj Szeps-Znaider in der Musikalischen Akademie des Staatsorchesters.
| Michael Bastian Weiß
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Fabio Luisi und der Geiger Nikolaj Szeps-Znaider im Nationaltheater.
Fabio Luisi und der Geiger Nikolaj Szeps-Znaider im Nationaltheater. © Wilfried Hösl

München - Eine ausgreifende Körpersprache war Nikolaj Szeps-Znaider schon immer zu eigen. Darüber hinaus ist der dänische Geiger, der bis vor ein paar Jahren bloß den Nachnamen Znaider führte, mittlerweile aber wieder seinen vollständigen Geburtsnamen angenommen hat, von imposanter Statur. 

Nikolaj Szeps-Znaider: Zu robustes Spiel für lebendige Poesie

Wenn er die Muskeln spielen lässt, braucht man sich um seine akustische Durchsetzungsfähigkeit keine Sorgen zu machen, höchstens ein bisschen um die Belastbarkeit seines Instruments, der Guarneri "del Gesù" von 1741: Wenn die Erinnerung nicht täuscht, war sein Ton denn auch früher feiner.

Für massive Werke der Moderne kann diese Robustheit ein Vorteil sein. Weniger jedoch für das Violinkonzert Nr. 1 von Max Bruch, das bei aller Außenwirkung die Herkunft aus der poetischen Welt Robert Schumanns nicht verleugnen kann. Noch im Piano drückt Szeps-Znaider Kantilenen ganz nach vorn, gleichsam an den Rand der imaginären Bühne, anstatt sie auch einmal nach Innen zu wenden.

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Fabio Luisi gestaltet eine vielfältig abgestufte Begleitkulisse

Die durchgängige Stämmigkeit seines Spiels steht einer flexiblen Artikulation im Weg. Manchmal wirkt er wie ein Schauspieler, der für sein überbordendes Ausdrucksbedürfnis zu viele unbeholfene Gesten einsetzt.

Szeps-Znaider ist während des letzten Jahrzehnts auch als Dirigent immer erfolgreicher geworden; mittlerweile ist er Musikdirektor des Orchestre National de Lyon. Er dreht sich immer wieder zum Bayerischen Staatsorchester um, als wolle er auch da mitgestalten. Allerdings macht Fabio Luisi das auch ohne Assistenten sehr gut, er gestaltet eine vielfältig abgestufte Begleitkulisse, die sich mehr an den Solisten anschmiegt als umgekehrt.

Fabio Luisi sorgt für filigranen und federnden Gesamtklang

Sogar mit der Symphonie Nr. 2 von Anton Bruckner kann Luisi bemerkenswert viel anfangen. Nicht nur kriegt er mit dem aufmerksamen Staatsorchester einen ungeahnt filigranen und federnden Gesamtklang hin, für den er die Trockenheit des Nationaltheaters hellhörig ausnutzt.

Luisi kann die vielen berüchtigten Pausen unter Hochspannung versetzen, ohne sie je zu verkürzen. Und zu allem Überfluss macht es auch noch Freude, Luisi zuzusehen, wie er mit der rechten Hand nonchalant den Takt schlägt und mit der völlig unabhängigen Linken den Musikern alle möglichen Anregungen gibt.

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