Frisches Geld aus dem Rathaus?

SPD und CSU im Rathaus wollen dem Münchener Bach-Chor finanziell unter die Arme greifen
| Robert Braunmüller
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Der Münchener Bach-Chor mit seinem Leiter Hansjörg Albrecht.
Johannes Rodach Der Münchener Bach-Chor mit seinem Leiter Hansjörg Albrecht.

SPD und CSU im Rathaus wollen dem Münchener Bach-Chor finanziell unter die Arme greifen

Schon seit einiger Zeit kriselt es beim Münchener Bach-Chor. Vor zwei Jahren machte ein Brandbrief die Runde, der die Mitglieder vor einer finanziellen Schieflage warnte. Damals war vor allem von wegbrechenden Auslandstourneen die Rede.

Nun wollen die Stadtratsfraktionen von CSU und SPD den Chor finanziell unterstützen. „Das Kulturreferat wird gebeten zu prüfen, wie die Tätigkeit des Traditionsensembles gestützt und dauerhaft gesichert werden kann“, heißt es in dem Antrag.

Laut dem SPD-Kultursprecher Klaus-Peter Rupp sind sowohl die Summe als auch die Art der Förderung offen. Rupp betont, dass die Stadt auch andere Chöre unterstütze. Der CSU-Kultursprecher Richard Quaas spricht von „Hilfe zur Selbsthilfe“, die dem Chor aus der Krise helfen soll. Kulturreferent Hans-Georg Küppers hält allerdings eine dauerhafte Förderung wie beim Münchener Kammerorchester für denkbar.

Von großen Zeiten reden

Worin die Krise beim Bach-Chor im Moment konkret besteht, darüber war bis Redaktionsschluss am Dienstag trotz mehrfacher Nachfrage bei einer Sprecherin nichts zu erfahren. Dem Vernehmen nach soll ein Sponsor abgesprungen sein. Der finanzielle Aufwand beim Bach-Chor gilt als vergleichsweise gering. 60 000 Euro wurden vor zwei Jahren als Grundbetrag angegeben. Damit werden die Verwaltungskosten, der Stimmbildungsunterricht und die Bezahlung des Chorleiters Hansjörg Albrecht abgedeckt, der seit zehn Jahren im Amt ist.

„Der Chor gehört zu den Aushängeschildern der Musikmetropole München“, heißt es in dem Antrag von SPD und CSU. Der Ruhm des als Verein organisierten Ensembles beruht vor allem auf seiner glanzvollen Tradition unter dem 2001 verstorbenen Karl Richter.

Nach einer künstlerisch unentschiedenen Phase unter Hanns-Martin Schneidt übernahm der Organist und Chorleiter Hansjörg Albrecht 2005 das Ensemble. Er verschlankte den Klang und versuchte einen Spagat zwischen der Richter-Tradition und dem heute beherrschenden Stil der historischen Aufführungspraxis.

Nichts gegen Projektförderung

Als Bach- und Barock-Stadt ist München ein weißer Fleck auf der Musiklandkarte. Niederländische und britische Ensembles beherrschen den internationalen Markt. Der Bach-Chor hat eine primär lokale Bedeutung: durch seine Traditionsaufführungen der „Matthäuspassion“ am Karfreitag und des „Weihnachtsoratorium“ am vierten Advent. Albrechts Ausflüge in die Romantik wirkten weniger überzeugend.

In den letzten Jahren wechselten zahlreiche Mitglieder zu den Arcis-Vokalisten und dem von der Evangelischen Landeskirche unterstützten Motettenchor. Jüngere Leute engagieren sich eher in kurzfristigen und zeitlich effizient arbeitenden Projektchören wie der Audi-Jugendchorakademie

Der Freistaat Bayern unterstützt den Bach-Chor mit 13 000 Euro jährlich – zweckgebunden für die Stimmbildung. Künstlerisch ambitionierte Laienchöre sind eine wichtige Basis des Musiklebens. Nichts spricht gegen eine Projektförderung bei der Alten Musik. Beim Bach-Chor sollten der Stadtrat und das Kulturreferat darauf achten, durch frisches Geld nicht verkrustete Strukturen zu betonieren.

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