„Endlich reich“ mit den Federnelken

Die Federnelken stellen sich mit einer gelungenen EP vor: mit einem Sound und Texten, die gut in unsere Stadt passen
| Dominik Petzold
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Auch die Musik der Federnelken ist voller Vorwärtsdrang. V.l.: Bassist Markus Gruetzner, Sängerin Vroni Gast, Gitarrist Pizo Bothanik und Schlagzeuger Alfons Hefter.
Band Auch die Musik der Federnelken ist voller Vorwärtsdrang. V.l.: Bassist Markus Gruetzner, Sängerin Vroni Gast, Gitarrist Pizo Bothanik und Schlagzeuger Alfons Hefter.

So also klingt „Populärmusik zwischen Hirschbachstüberl und Mittlerem Ring“. Die meisten Bands tun sich ja schwer damit, ihre eigene Musik einzuordnen. Auch die Federnelken offenbar, auf Ihrer Website erklären sie knapp: „Musikstil unbekannt“. Und weil sie sich nicht selbst in eine Sound-Schublade stecken wollen, verorten sie sich eben geografisch: zwischen dem Lenggrieser Hirschbachstüberl und dem Mittleren Ring eben, also in München und dem erweiterten Umland.

Und das bringt tatsächlich besser auf den Punkt, was die Federnelken ausmacht, als die üblichen musikalischen Schlagwörter. Zum einen pflegt die in Lenggries aufgewachsene Sängerin Vroni Gast nämlich ein moderates Bairisch, so moderat, dass es perfekt zu München passt: Den Alteingesessenen, die das Aussterben des Dialekts bedauern, wird es da heimelig warm ums Herz. Und die Zuagroasten, die München ja auch ausmachen, können dennoch problemlos folgen.

Sie passen in unsere Stadt

Zum anderen passen die Federnelken-Lieder auch inhaltlich wunderbar in unsere Stadt. Denn wo anders als in München könnte man besser ironisch den „Konsum“ besingen, wie die Federnelken im Auftaktsong ihrer Debüt-EP? „Ich fahr Cayenne und Du nur Polo / I ess Hummer und Du Spaghetti olio“, heißt es da, und solche Sprüche der Oberin in Richtung Unter hat Vroni Gast zahlreich parat: Der arme Depp, der am Hyperkonsum mangels Geld nicht teilhaben kann, trinke auf seine „kleine Rente mit am billigen Augustiner“. Sie dagegen kriege für ihre „Botox Refreshments“ eine Menge Komplimente und wisse das Geld auch sonst gut unters Volk zu bringen. „Konsum, Konsum, as Geld bringt mi ned um“, singt Vroni Gast im Refrain, und wie will man da widersprechen?

Im Milieu des zweiten Songs kann man sich die Federnelken dann freilich in der Realität besser vorstellen: In „Trink & Tanz“ besingen sie das Nachtleben, und in dem sehr gelungenen Video kann man zwischen schnellen Schnitten wunderbar raten, an welchen Münchner Orten die Band da ist und in welcher Boazn schließlich getrunken und getanzt wird. Sicher ist jedenfalls: Die Erzählerin aus dem „Konsum“-Lied feiert hier nicht mit den Federnelken. Und ebenso sicher ist: Da entgeht ihr was.

In „Marianne Koch“ geht es nicht nur um die Radio-Ärztin, die seit Jahrzehnten auf Sendung ist, sondern auch um den Wahn der Selbstoptimierung, im nächsten Song um die Trägheit von uns allen, die wir doch wissen, was in der Welt alles schief läuft, und doch fatalistisch im alten Trott weitermachen. Das bequeme Mantra dafür laute: „Ko Ma Nix Macha“ – so ist auch der Titel des Liedes.

Jede Menge Hooks, die sich festsetzen

Zu all dem rocken die Federnelken mit viel Energie: Vroni Gast, die auch Gitarre spielt, Gitarrist Pizo Bothanik, Bassist Markus Gruetzner und Schlagzeuger Alfons Hefter, der von den Isarpunks Ramonas bekannt ist. Und das Tolle ist: In allen Songs stecken jede Menge Hooks, die sich festsetzen, Akkorde, die auch mal über das Rockig-Übliche hinausgehen, und einprägsame Melodien. Die singt mit Vroni Gast mit leicht görigem Gesang und mit individuellen Klangfarben und Phrasierungen.

Dazu haben die Federnelken alles knackig und kompetent gespielt und aufgenommen. Und auch für den witzigen Titel muss man ein Kompliment machen: „Endlich reich“. Das passt doch zu München, wo man ohne Reichtum kaum noch eine neue Wohnung anmieten kann.

Und für alle, bei denen sich trotz des unaufhaltsamen Münchner Wirtschaftsbooms noch immer kein Reichtum eingestellt hat, für alle, die nicht an dem beschworenen Konsum teilhaben können, bleibt als Trost die abschließende Ballade „Regenbogen“: „Der Regenbogen, der g’hert mir“, singt Vorni Gast da. Und das zumindest gilt doch für alle Münchner.

Die EP „Endlich reich“ von den Federnelken kann auf der Website der Band bestellt werden: www.federnelken.de Live spielt die Band am 26. Juni bei Tollwood, Hacker-Pschorr-Brettl, 20 Uhr

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