Der neue Gasteig als Chance für beide Orchester

Die Münchner Philharmoniker melden sich in der Debatte um den Konzertsaal zu Wort
| Robert Braunmüller
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Staat und Stadt wollen die Philharmonie am Gasteig zu einem erstklassigen Konzertsaal umbauen.
dpa Staat und Stadt wollen die Philharmonie am Gasteig zu einem erstklassigen Konzertsaal umbauen.

In der zuletzt von eher schrillen Dissonanzen geprägten Debatte über einen möglichen neuen Konzertsaal in Bayerns Landeshauptstadt haben die Münchner Philharmoniker lange geschwiegen. Nun wendet sich das Orchester der Stadt in einem Brief an seine Abonnenten.

„Jetzt eröffnet sich die Chance, die Philharmonie für das Publikum zu einem außergewöhnlichen und vor allem zukunftsfähigen Ort der klassischen Musik in München zu machen“, heißt es dort mit Blick auf die Einigung von Ministerpräsident Horst Seehofer und Oberbürgermeister Dieter Reiter, die am Dienstag das Bayerische Kabinett passierte. Demnach will der Staat keinen eigenen dritten Konzertsaal neben Gasteig und Herkulessaal errichten, sondern stattdessen gemeinsam mit der Stadt den Gasteig komplett umbauen.

Mariss Jansons, der Chefdirigent des BR-Symphonieorchesters, zeigte sich von dieser Entscheidung enttäuscht. Er will weiter für einen Neubau kämpfen, obwohl dafür kein unumstrittener Standort existiert.

Verbesserte Atmosphäre

Eine gemeinsame Nutzung des Herkulessaals und des Gasteig durch beide Orchester setzt eine konstruktive und lösungsorientierte Arbeitsatmosphäre zwischen den Philharmonikern und dem BR-Symphonieorchester voraus. Die schien zuletzt eher vergiftet. Obwohl der Brief primär an die Abonnenten gerichtet ist, könnte er auch zu einer Verbesserung des Klimas unter den Musikern beitragen.

Die Entscheidung für eine Optimierung der Philharmonie sei ein „Bekenntnis zu einer 30-jährigen Erfolgsgeschichte“, heißt es in dem von Intendant Paul Müller sowie den Philharmoniker-Orchestervorständen Konstantin Sellheim, Stephan Haack und Matthias Ambrosius unterzeichneten Brief. So könne ein Saal geschaffen werden, „der mit den internationalen Spitzensälen wie Berlin, Tokio oder Luzern in einer Reihe steht“.

Die Philharmoniker hätten sich nie gegen einen neuen Konzertsaal ausgesprochen. „Dazu stehen wir auch heute.“ Der Umbau sei eine Chance. Ihnen sei an einer „konstruktiven Zusammenarbeit mit allen Beteiligten gelegen“.

Die Philharmoniker wollen das Erstbelegungsrecht aufgeben

Für Ärger zwischen den Orchestern sorgt das Erstbelegungsrecht im Gasteig. Es liegt derzeit bei den Münchner Philharmonikern und erschwert die langfristige Planung des BR-Symphonieorchesters. Die Philharmoniker sind bereit, im neuen Gasteig dieses Erstbelegungsrecht aufzugeben. Das haben sie seit der Einigung zwischen Seehofer und Reiter mehrfach ausdrücklich erklärt.

In ihrem Brief betonen die Philharmoniker die „Kollegialität und das Miteinander“. In diesem Geist soll das „klassische Musikleben in München auch für die nächste Generation positiv“ gestaltet werden. Die „neue Philharmonie“ könne dazu einen wesentlichen Beitrag leisten. „In diesem Sinne ist uns an einer konstruktiven Zusammenarbeit mit allen Beteiligten gelegen“, heißt es dort.

Und die wird nötig sein, denn die Zeit des Umbaus der Philharmonie wird für beide Orchester gewiss nicht einfach. Und da macht Einigkeit stärker.

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