Der Klang der neuen Isarphilharmonie: Philharmoniker al dente

Die Münchner Philharmoniker unter Valery Gergiev mit dem "Heldenleben" und Beethoven in der Isarphilharmonie.
| Michael Bastian Weiß
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Die Isarphilharmonie beim Eröffnungskonzert am vergangenen Freitag.
Die Isarphilharmonie beim Eröffnungskonzert am vergangenen Freitag. © Tobias Hase / mphil

München - Neue Konzertsäle sind wie Regierungen: Man sollte ihnen die ersten 100 Tage Schonzeit gewähren. Genauso wie den Hörern, die sich, wie der Rezensent, über gut 30 Jahre an eine Umgebung gewöhnt haben und nun gleichsam verpflanzt wurden. Vielleicht schwingt also auch ein bisschen Heimweh mit, wenn man den Klang der Isarphilharmonie zunächst als ungewohnt empfindet.

Blendet man das aber aus, kann man schon nach dem ersten Konzert sagen: Der neue Saal ist akustisch fundamental anders beschaffen als die gute alte Gasteig-Philharmonie. Ein Vergleich wird erleichtert, weil die Münchner Philharmoniker und Valery Gergiev mit dem "Heldenleben" von Richard Strauss ein Stück vorstellen, das sie unter ihrem Chefdirigenten öfter gespielt haben. Im Gasteig war die schiere Anzahl von Musikern, die auf der Bühne saßen, ein Prüfstein für den Dirigenten. Verloren sich die Massen in der Weite des Raumes oder konnten sie fokussiert werden?

So klingt die Isarphilharmonie 

Dagegen frappiert in der Isarphilharmonie ab den ersten paar Sekunden, wie unglaublich präsent das Orchester in seiner Ganzheit erscheint, selbst auf einem Platz relativ weit hinten. Die philharmonischen Massen müssen nicht mehr mühsam gebändigt werden, die Streicher klingen auch im Piano fest, gleichsam "al dente", die Soli der Holzbläser sind zum Greifen nah, das Blech ist knackig und die Schlaginstrumente kommen genauestens auf den Punkt.

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Irritierend, vielleicht eben auch nur ungewohnt, ist, dass bei laut abreißenden Tutti wenig Nachhall übrig bleibt, überhaupt die Transparenz in der Bassregion mit einer Beschneidung der Höhen erkauft scheint.

Kommt ein Solo-Instrument hinzu wie beim Klavierkonzert Nr. 1 in C-Dur von Ludwig van Beethoven, verfestigt sich der Eindruck einer gewissen Gedämpftheit, die nicht nur den Umfang des Orchesters und seinen Nachhall betrifft. Es fällt schwer, die Tiefe des Raumes wahrzunehmen, ein Gefühl für Nähe und Entfernung zu entwickeln, weil eben alle Instrumente fast gleich plastisch werden.

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In diesem Fall kann sich der Flügel deshalb so gut von den Philharmonikern abheben, weil Daniil Trifonov so prägnant und anspringend spielt und Gergiev so hellhörig begleitet. Es wird interessant sein zu hören, wie ein Pianist, der technisch nicht ganz so souverän ist, mit einer blitzblanken Durchsichtigkeit zurecht kommt, die keine Unschärfen zu verzeihen scheint. Bisweilen kann nämlich ein wenig akustische Großzügigkeit segensreich wirken.

Die ersten 100 Tage haben begonnen: für die Isarphilharmonie, aber auch für die Pianisten, Streichersolisten, nicht zuletzt auch Sängerinnen und Sänger, die sich in ihr beweisen müssen.

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