Kritik

"Collected" von Gene Clark: Höhenflug und steiler Absturz

Eine Wiederentdeckung: Das Album "Collected" von Gene Clark, der zu Unrecht in Vergessenheit geriet.
| Dominik Petzold
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Ein Held für andere Musiker: Hier spielen Beck und Jakob Dylan Musik von Gene Clark. Der 1991 in Kalifornien im Alter von nur 46 Jahren verstorbene Musiker ist in der Mitte der Leinwand mit den Byrds zu sehen.
Ein Held für andere Musiker: Hier spielen Beck und Jakob Dylan Musik von Gene Clark. Der 1991 in Kalifornien im Alter von nur 46 Jahren verstorbene Musiker ist in der Mitte der Leinwand mit den Byrds zu sehen. © imago images/Everett Collection

Er sei einer der einflussreichsten Musiker seiner Generation gewesen, ein Hochbegabter, ja ein Musikgenie: All das steht in den Liner Notes über Gene Clark zu lesen, den heute weitgehend vergessenen Sänger und Songwriter. Ähnliche PR-Prosa ist ja häufig zu lesen, wenn alte Werke neu aufgerollt werden. Aber wer die Vinyl-Kompilation "Collected" hört, muss beipflichten: Hier ist jedes Wort wahr.

Fast alles, was der 1944 in der Provinz von Missouri geborene Gene Clark in den Sechzigern und Siebzigern aufnahm, war brillant. Und zunächst machte er damit auch den ganz großen Aufschlag: 1965 mit den Byrds, bei denen sein Songwritingtalent herausstach, wie die hier zu hörenden "I'll Feel A Whole Lot Better" und "Set You Free This Time" belegen.

Dieses Talent hatte aber tragische Konsequenzen: Weil er die meisten Lieder auf den Alben unterbrachte, verdiente er dank der Tantiemen auch am meisten, und das stieß den anderen Byrds sauer auf. Schon 1966 verließ er die entfremdeten Kollegen - und sollte als Solo-Künstler nie wieder auch nur einen Bruchteil des früheren Erfolgs haben.

Solodebüt mit barockem Pop

Das Publikum ignorierte einfach alles, was er machte: den üppig orchestrierten, barocken Pop seines Solodebüts, von dem man hier das brillante "Echoes" und "I Found You" hören kann; den wegweisenden Countryrock seiner Kooperation mit Doug Dillard, die "The Radio Song", "Why Not Your Baby" und viele andere große Stücke hervorbrachte; sein Album "White Light", dessen "From A Spanish Guitar" Bob Dylan als eines der größten Lieder aller Zeiten bezeichnete.

Das nächste Album "Roadmaster" mit dem fantastischen "Full Circle Song" erschien dann angesichts der ständigen kommerziellen Desaster nur in den Niederlanden.

1974 gab ihm der Mogul David Geffen eine neue Chance: Clark nahm mit "No Other" eine der ambitioniertesten Rockplatten überhaupt auf, das Ergebnis klang betörend, die Platte genießt heute Kultstatus - aber damals standen den 100 000 Dollar Produktionskosten so gut wie keine Verkäufe gegenüber, Geffen schmiss ihn wieder raus. Clark machte trotz Drogen- und Alkoholproblemen einfach weiter großartige Musik, wie man mit "Home Run King" in dieser Kompilation hören kann.

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Großartiger Sound

Die 27 gut gewählten Stücke zeichnen ein gutes Porträt dieses Meisters, dazu gibt es 15 interessante unveröffentlichte Aufnahmen, und der Sound ist großartig. So ist "Collected" sowohl für Einsteiger höchst empfehlenswert als auch für die wenigen Fans des Mannes, der 1991 mit nur 46 Jahren starb.

Unter diesen Fans dürfte der Anteil an Musikern überproportional hoch sein: Gene Clarks Songs wurden unzählige Male gecovert, von Künstlern aller Generationen, von Robert Plant und Alison Krauss über Teenage Fanclub bis zu Beach House und Grizzly Bear. Immerhin unter Musikern ist Gene Clark also nicht vergessen - mögen ihn auch viele andere (wieder-)entdecken.


Gene Clark: "Collected" (auf Vinyl, bei Music on Vinyl)

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