Beach Boys reloaded: Damals uncool, heute megacool

Die Beach Boys haben das seinerzeit sträflich verkannte Album "Sunflower" neu herausgebracht.
| Dominik Petzold
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Die Beach Boys Anfang der 70er Jahre. Die Gruppe war insgesamt über 50 Jahre lang in den Top 40 der amerikanischen Billboard-Charts vertreten.
Die Beach Boys Anfang der 70er Jahre. Die Gruppe war insgesamt über 50 Jahre lang in den Top 40 der amerikanischen Billboard-Charts vertreten. © mptvimages.com

Nummer 151 in den US-Charts - wie konnte das den Beach Boys nur passieren? Die Band hatte zwischen 1962 und 1968 27 Top 40-Hits, und das popsymphonische Jahrhundertwerk "Pet Sounds" von 1966 hatte aller Welt bewiesen, dass Brian Wilson ein Genie ist. Doch 1970 saßen die Beach Boys plötzlich zwischen allen Stühlen: Für das kommerzielle AM-Radio war ihre Musik zu komplex - und für das immer populärere FM-Radio zu wenig rockig. Zudem galten die Beach Boys jungen Hörern als hoffnungslos uncool, und so kam das Album "Sunflower" in ihrer Heimat nicht über Platz 151 hinaus.

Das Album war großartig, die Songs zugleich höchst anspruchsvoll und eingängig

Die Pointe im Rückblick: Das Album war großartig, die Songs zugleich höchst anspruchsvoll und eingängig. Der psychisch labile Brian Wilson war im Vollbesitz seiner schöpferischen Kräfte und schuf mit "This Whole World" einen Song, der alle paar Sekunden die Tonart wechselte und dennoch sofort ins Ohr ging. Sein Bruder Dennis Wilson und Bruce Johnston hatten sich ebenfalls zu erstklassigen Songwritern entwickelt, wie Songs wie "Forever" und "Tears in The Morning" bewiesen.

Das kann man nun auf der Doppel-CD und dem Boxset "Feel Flows" nachhören: Darauf wurde das Album gemeinsam mit dem Folgealbum "Surf's Up" wiederveröffentlicht. Das war sogar noch besser: Der mehrstimmige Gesang klang himmlisch, zugleich schwangen immer tiefdunkle, depressive Untertöne mit. Das Album enthielt großartige Songs wie "Til I Die", das nostalgische "Disney Girls", das den Freuden einer US-Kindheit in den 50er Jahren hinterherblickt, das traumhaft fließende "Feel Flows" und das Titelstück, das niemand anderer als Leonard Bernstein zu einem der größten Werke der Popmusik erklärte.

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Und doch: Auch dieses Großwerk kam gerade mal auf Platz 29 der Charts. Zu beiden Alben, die es unbedingt wiederzuentdecken gilt, gibt es auf "Feel Flows" umfassendes Zusatzmaterial: Das sind etwa hörenswerte Live-Versionen von Songs wie "This Whole World" aus späteren Jahrzehnten, Ausschnitte der reinen Gesangsspuren der Studio-Aufnahmen, aber auch zahlreiche bislang unveröffentlichte Songs, die bei den Sessions entstanden.

Viele schafften es zurecht nicht auf die Alben, doch andere zeigen, in welchem Schaffensrausch die Beach Boys waren, während sie die Welt halb vergessen hatte: Denn welche Band hätte auf wunderbare Balladen wie "4th of July", "Big Sur" und "(Wouldn't It Be Nice To) Live Again" einfach verzichten können?


The Beach Boys: "Feel Flows. The Sunflower & Surf's Up Sessions 1969-1971" als 2CD, 5CD, 2LP, 4LP oder digital, bei Capitol/Universal)

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