BAP in München: Die Philharmonie schunkelt

Kölschrocker Wolfgang Niedecken hat bei BAP den Stecker gezogen. Dreieinhalb Stunden spielt er im Gasteig, leiser, aber ziemlich intensiv. Die Konzertkritik der Abendzeitung.
| Gunnar Jans
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„Irgendwofür muss mein Schlaganfall ja gut gewesen sein“: Die Akustik-Tournee führte Wolfgang Niedecken auch in die Philharmonie im Gasteig.
„Irgendwofür muss mein Schlaganfall ja gut gewesen sein“: Die Akustik-Tournee führte Wolfgang Niedecken auch in die Philharmonie im Gasteig.

Kölschrocker Wolfgang Niedecken hat bei BAP den Stecker gezogen. Dreieinhalb Stunden spielt er im Gasteig, leiser, aber ziemlich intensiv

München - "Noh all dänne Johre“, mit diesem Stück beginnt der Abend, steht Wolfgang Niedecken also erstmals auf der Bühne der Münchner Philharmonie. Nein, er, der Kölschrocker, sitzt sogar auf einem Schemel. Seine Band spielt zwar nicht „unplugged“, weil ihm diese Bezeichnung der Musiksender MTV verboten hat: „Niedeckens BAP zieht den Stecker“, heißt deshalb die Tour, „doch das ist genauso gelogen“, bemerkt der Sänger, „sonst würdet ihr da oben ja nix verstehen“. Die Philharmonie ist ausverkauft, wer mal raus will, darf erst in den Klatschphasen wieder rein, und zwischendurch gibt es sogar eine Pause, das gab es in all diesen BAP-Jahren auch noch nicht. „Ihr müsst euch ja vom Sitzen erholen“, sagt Niedecken schmunzelnd.

Der 63-Jährige, seit vier Jahrzehnten mit kölschem Liedgut unterwegs, wirkt in sich ruhend an diesem bemerkenswerten Abend im Gasteig. Es ist kein auf leise getrimmtes Best-of-Konzert, sondern eine akustische Reise durch das Leben eines Musikers, der angekommen zu sein scheint und noch voller Ideen steckt, seine alten Stücke neu arrangiert hat (etwa „Neppes, Ihrefeld un Kreuzberg“ aus dem Jahr 1976 oder das grandiose „Lisa“), sie intensiver wirken lässt. „Eine Herzensangelegenheit“ sei diese Akustik-Tournee gewesen, lange vor sich hergeschoben, „aber für irgendwas muss mein Schlaganfall ja gut gewesen sein“.

Er kann jetzt auch selbstironisch sein, so wie bei „Babylon“, der ersten Zugabe. „Das Schunkelverbot ist aufgehoben“, sagt er, der Karnevalshasser, und so haken sich die Besucher in der Philharmonie beim Sitznachbarn unter, schaukeln hin und her, auf dass der Sänger feststellt: „Ihr könnt das – vom Oktoberfest.“

Stärker sind die leisen Momente, die nachdenklichen, wo man ganz bei diesem großen Geschichtenerzähler ist und seiner Band, die auch in der Philharmonie bestehen kann, vor allem dank Anne de Wolff, die bei "Rosenstolz" und "Revolverheld" gespielt hat und nun ihre Geige, Cello, Posaune und Mandoline mitgebracht hat und dazu noch ihren Mann Ulrich Rode, der bei BAP jetzt die Gitarren spielt.

Niedecken genießt die virtuosen Seiten seiner Band, die es ihm sogar erlaubt, sich mal zurückzunehmen und trotzdem stärker wahrgenommen, gefühlt zu werden. An seine Frau („Mein Schutzengel, den ich euch aus München entführt hab“) hat er eine Hommage geschrieben, die Motto ist für diese Tournee und auch für die Beziehung zwischen Niedecken und seinen Fans: „Zosamme alt“, also noch längst nicht am Ende. Nach dreieinhalb Stunden beschließt er den Abend mit „Sendeschluss“, einem mit seinen Streichinstrument-Schwerpunkten wie für die Philharmonie geschaffenen Stück aus den 80ern, und wem das nicht genug ist: Niedeckens BAP spielt am 22. Juli auf dem Tollwood.

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