Münchner Theater klagt gegen Corona-Schließung

Das Münchner Hofspielhaus klagt gegen die Theaterschließung. In Berlin geht Dieter Hallervorden vor Gericht.
| Volker Isfort
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Das Hofspielhaus in München klagt gegen die Corona-Schließung. (Archivbild)
Das Hofspielhaus in München klagt gegen die Corona-Schließung. (Archivbild) © imago images/Steffi Adam

München - Schauspielerin und Regisseurin Christiane Brammer, die vor fünf Jahren das freie, private Theater Hofspielhaus in München gründete, beantragte am Donnerstag beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof den Erlass einer einstweiligen Anordnung Sie klagt gegen die Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung vom 30. Oktober, mit der Theater, Opern, Konzerthäuser und Bühnen geschlossen werden.

Die Schauspielerin Christiane Brammer leitet das Hofspielhaus in München.
Die Schauspielerin Christiane Brammer leitet das Hofspielhaus in München. © privat

"Wir sind der Ansicht, dass die pauschale Schließung der Theater unverhältnismäßig und gleichheitswidrig ist. Kunst und Kultur sind kein überflüssiger Luxus, den man einfach lahmlegen kann. Wir haben längst ein aufwändiges und virologisch geprüftes Hygienekonzept erstellt und umgesetzt, in diesem Zuge auch die Zuschauerzahlen drastisch reduziert", sagt Christiane Brammer." Und nichts deutet darauf hin, dass die Kunst nennenswert zum Infektionsgeschehen beigetragen hat."

Es geht um Grundrechte

Der Münchner Rechtsanwalt Mark Mandelbaum von Tandler & Partner, der Brammer vertritt, ergänzt: "Das Hofspielhaus macht die Verletzung der Grundrechte geltend: des Gleichheitsrechts, der Berufsfreiheit und besonders der in Artikel 5 Absatz 3 des Grundgesetzes verbürgten Freiheit der Kunst. Die erneute Schließung trifft das Theater härter als die Gastronomie, bei der man relativ einfach zusperren und wieder aufsperren und auch liefern kann. Denn alle Veranstaltungen haben einen monatelangen Vorlauf mit Proben, Regie u

nd nicht zuletzt Öffentlichkeitsarbeit."

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Christiane Brammer erhält für ihre Bühne keinerlei Zuschüsse aus öffentlichen Kassen, nur gelegentlich gibt es für einzelne Projekte Unterstützung vom Bezirksausschuss. Da sie das Theater aber erst seit Januar als GmbH führt, fürchtet sie nun, auch nicht die angekündigten 75 Prozent Umsatzausfall des Vorjahresmonats zu erhalten. Denn den Vergleichsmonat gibt es für die GmbH nicht. "Meine Klage hat aber damit nichts zu tun, auch nicht damit, dass ich Corona verharmlosen würde, das tue ich ausdrücklich nicht", sagt sie.

Auch Hallervorden klagt gegen Theater-Schließung

Sie freut sich, dass sie mit ihrer Klage nicht ganz allein auf weiter Flur ist. Auch der Schauspieler und Theaterleiter Dieter Hallervorden geht juristisch gegen die vorübergehende Schließung seines Berliner Theaters vor. Wegen der Corona-Pandemie muss auch das Schlosspark Theater bis Monatsende schließen. Er habe einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht eingereicht, erklärte Hallervorden. "Ich möchte damit eine politische Entscheidung korrigieren, weil ich sie für unverhältnismäßig und in Teilen für rechtswidrig halte", teilte Hallervorden mit. Er berufe sich dabei auf die Freiheit der Kunst, die im Gegensatz zur Freiheit der Berufsausübung keine Einschränkungen kenne. Das Berliner Verwaltungsgericht bestätigte, dass ein Eilantrag eingegangen ist. Wann das Gericht entscheidet, ist noch unklar.

Der Schauspieler Dieter Hallervorden leitet das Schlosspark Theater in Berlin.
Der Schauspieler Dieter Hallervorden leitet das Schlosspark Theater in Berlin. © dpa

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder dachte am Donnerstag vor Journalisten laut über eine "Kulturoffensive" oder einen "Kulturfrühling" 2021 mit staatlicher Unterstützung nach. Unter den jetzigen Bedingungen werden es viele Kinos und freie Bühnen aber wohl kaum bis ins nächste Frühjahr schaffen.

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