Pinakothek der Moderne: Was kann und soll Künstliche Intelligenz?

Die Neue Sammlung erklärt in einer knappen, nüchternen Ausstellung Robotik und Künstliche Intelligenz.
| Joachim Goetz
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Eine von einem (künstlichen) Gehirn bewegte künstliche Hand in der Ausstellung der Neuen Sammlung.
Eine von einem (künstlichen) Gehirn bewegte künstliche Hand in der Ausstellung der Neuen Sammlung. © Barbara Donaubauer

München - Wer schon immer mal wissen wollte was KI ist, muss unbedingt die Ausstellung "KI.ROBOTIK.DESIGN" in der Neuen Sammlung in der Pinakothek der Moderne in München besuchen. Dort kann man zum Auftakt etwa nachlesen wie man die Abkürzung von "Künstliche Intelligenz" richtig ausspricht: "ka-i".

Eine klare, verständliche Ausstellung

Das klingt jetzt fieser als es ist. Denn schon das unterstreicht, wie schlagend nüchtern und zugleich überzeugend diese Schau gemacht ist. Denn die Ausstellung erklärt in vier Kapiteln im von oben einsichtigen Pasternoster-Saal nahe der Eingangsrotunde der Pinakothek den Begriff dermaßen einfach, klar, deutlich und allgemein verständlich, dass man sich wundern muss wie das einer hinkriegt.

Konzipiert hat die Schau der Münchner Professor und Wissenschaftler Sami Haddadin, eine der weltweit führenden Koryphäen, Forscher und Innovatoren auf dem Gebiet der Robotik und künstlichen Intelligenz (KI). KI und Robotik sind zwiespältige Themen, in die einerseits große Hoffnungen andererseits auch Ängste wecken. Die Gesellschaft wird vor große Herausforderungen gestellt.

"Alles andere ist Science Fiction"

Und im Bereich des Design sind unzählige neue Aufgaben bei der Gestaltung von Prozessen und Produkten zu erwarten. Das interessiert die Neue Sammlung.

Während Haddadin die Besucher beruhigt: "Intelligente Roboter sind Assistenten des Menschen und das wird noch sehr lange so bleiben. Alles andere ist Science Fiction, allerdings eine inspirierende und faszinierende." Da der Mensch im Prozess und der Entwicklung der KI, ihren Aufgaben und Arbeitsweisen immer eine gestaltende Funktion haben wird.

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Es gibt auch Missbrauch

Missbrauch gibt es allerdings auch. Und eine dystopische Zukunftsvision lässt sich in Kapitel 2 betrachten. Diese entsteht wenn KI als reine datenhungrige, alles beobachtende und analysierende Digitaltechnologie verstanden wird.

Beispiele: Überwachung, Gesichtserkennung, Persönlichkeitsmanipulation. Diese Szenarien - da hat die Realität nun schon die Ausstellung eingeholt - werden nicht erst dann Realität, wenn der Nutzen für den Menschen nicht in den Mittelpunkt der technologischen Entwicklung gestellt wird. Diese Szenarien sind längst Wirklichkeit - Stichworte: Uiguren oder Spähprogramm Pegasus. Aus diesem Minenfeld und der Politik hält sich die Schau eher raus. Der Besucher kann sich angesichts der Exponate ja seine eigenen Gedanken dazu machen.

Es beginnt unverfänglich

Kapitel 1 ist unverfänglich. Man beginnt bei Leonardo da Vinci und seinen Studien zu Menschen und Maschinen. Zu sehen: ein Modell des Ritters, der gehen, sitzen und seine Arme bewegen können sollte. Mit dabei auch die jüdische Figur des Golem, der aus Staub oder Erde geschaffen dem Menschen als menschenähnlicher Helfer dienen sollte.

Leibniz' Rechenmaschine von 1673 wird gezeigt - oder "Deep Blue", der erste Computer (von IBM) der 1996/97 einen Schachweltmeister besiegen konnte. Moderne Industrieroboter folgen, die über einen ausgefeilten Tastsinn verfügen und die mit Lernfähigkeit und Interaktion aufwarten.

Symbiose von Mensch und Maschine

Und dann sind bei der KI heutiger Prägung. Man zeigt zu welch hilfreichen Produkten KI führen kann, wenn sie sich nicht auf reine Datenanalyse beschränkt, sondern sich aus dem Modell und dem Verständnis des menschlichen Körpers und seines Geistes entwickelt: Zu einer Symbiose von Mensch und Maschine, etwa zu künstlichen Ersatzteilen für verlorene Körperteile.

Der Clou zum Schluss: die erste vom Menschen kollektiv gesteuerte Maschine in der Paternoster-Halle. Die Paternoster-Aufzüge sind dafür in eine Maschine integriert, in der miteinander verbundene, von Menschen gesteuerte Roboter ein scheinbar endloses Dokument erstellen.

Die Roboter werden über eine App sowohl von Besuchern vor Ort als auch von außerhalb angeleitet. Was dabei rauskommt, wird man irgendwann mal erfahren. Was KI ist, lernt man jetzt schon.


"KI.Robotik.Design", Pinakothek der Moderne, bis 18 Oktober 2022, täglich (außer Montag), 10 - 18 Uhr, Do, bis 20 Uhr

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