Naturkunst-Biennale "SüdpART" in Sendling: Wandel im Wald

Die 4. "SüdpART"-Schau in Sendling zeigt Werke von 14 Künstlern, die zum Wohle des Waldes agieren.
| Joachim Goetz
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Um die Arbeit von Andreas Bejenke zu erreichen, braucht man eine lange Leiter.
Um die Arbeit von Andreas Bejenke zu erreichen, braucht man eine lange Leiter. © Andreas Bejenke

Es ist schwierig geworden, im Sendlinger Wald die Kunstwerke der 4. Naturkunst-Biennale "SüdpART" von den Corona-Einbauten zu unterscheiden. Denn in Ermangelung geeigneter Partylocations haben auch Jugendliche den Wald wieder für sich als Aufenthaltsort für diverse Aktivitäten entdeckt.

Im Südpark entstanden Unterschlupfe, hüttenartige Gebilde, um Räume abzugrenzen, die einzelne Gruppen für ihre neu entdeckten Outdooraktivitäten nutzten und dabei auch Abfälle produzierten, der teils den Wald vermüllt hat.

Kunstliebhaber werden die 16 Arbeiten von 14 Künstlern schon finden. Es gibt ja auch einen informativen Folder, auf dem die Orte und die Absichten der Teilnehmer samt Werktitel verzeichnet sind.

Ohne Leiter schwer zu erreichen

Dennoch fällt auf, dass die Werke in diesem Jahr flüchtiger, zurückhaltender sind und in einigen Fällen auch nicht am Boden verhaftet, sondern weit nach oben in die Bäume gerückt sind. Um die Arbeit "Vermählte Bäume - Kekkon Ki" von Andreas Bejenke zu erreichen, braucht man schon eine Leiter. In mehreren Metern Höhe gibt es eine Querverbindung zwischen zwei Bäumen. Zahlreiche Äste wurden zusammengeflochten, die als eine Art Strickleiter ein stückweit herunterhängen. Erstaunlich wie man das hinbekommt.

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Denn für die Anfertigung dieser Kunst sind ausschließlich Materialien erlaubt, die auch dort vorhanden sind: Totholz, Tannenzapfen, abgefallene lose Äste, Brombeerruten, Gräser, Blätter, Steine, Moos oder Reste von Rinden.

Kunst wird nur durch den natürlichen Prozess verschwinden

Selbst die wenigen Farben, die verwendet wurden, sind aus dem Wald. Genauso verbindende Elemente. Schließlich soll diese Kunst nicht ewig bleiben. Sie wird prinzipiell auch nicht abgebaut. Sondern verschwindet wieder durch einen natürlichen Prozess, sie verrottet, der Wind entfacht zerstörerische Kräfte, oder diverse Lebewesen sorgen für Entsorgung. Die Elemente kehren in den Kreislauf der Natur zurück. Das ist beabsichtigt. Denn die Betrachter sollen sich darüber klarwerden, dass auch sie Teil dieser Natur sind.

Doppeldeutiger Titel: "Die Erde kippt"

Ein wenig Bast, der schnell verrottet, war als einziges Fremdmaterial erlaubt. Bejenke verwendete dennoch nahe gefundene lianenartige Gewächse zum Zusammenhalten.

Der nicht ganz unbekannte Ekkeland Götze, der 2018 den Seerosenpreis der Stadt München erhielt, stach exakt einen Quadratmeter des Waldbodens aus der Fläche. Dieses einer dicken Platte ähnliche Stück wurde gekippt und schräg wieder in den entstandenen Hohlraum gestellt. Titel: Die Erde kippt. Das Wort "Erde" ist dabei doppeldeutig. Götze, der 1988 aus Dresden nach München übersiedelte, sagt über seine Arbeit, dass sie den Zustand der Erdkugel im Anthropozän symbolisiere und dazu ermutigen soll, sich der Zerstörung des Globus' entgegenzustellen.

"Das ganze Leben" besteht aus einem jungen Trieb

Liz Walinski erkannte in drei sonderbar schrägstehenden dünnen Bäumen "3 Grazien, torkelnd im Zapfenfluss". Sie akzentuierte die Stämme mit Baumscheiben und Rinden, die sie in konzentrischen Kreisen um die Stämme legte. Bei diesem Kunstwerk muss allerdings ständig nachgebessert werden. Sonst ist es ganz schnell weg(gefressen). Denn an den wie in einem Futterkorb platzierten Zapfen erfreuen sich genauso die Eichhörnchen. Auch sie gehören zur Natur, der nach den Worten der Initiatorin des Projekts, Lore Galitz, "ein Raum des Wandels" ist.

Galitz startete das Projekt nach dem verheerenden Sturm Niklas 2015, der im Sendlinger Wald - auch Südpark genannt - große Schäden anrichtete. Von Galitz sind ebenfalls Arbeiten zu sehen. Dabei markiert sie gerne schon existierende Zustände an Stellen, die vom Sturm einst schwer getroffen wurden. "Das ganze Leben" besteht etwa aus einem jungen Trieb, einem ausgewachsenen Baum - und einem Stumpf. Das Ganze wurde mit einem Kreis aus kurzen Aststücken eingerahmt, fast wie ein Gemälde.

Ebenfalls bemerkenswert: Die "inside-outside-nature" betitelte hoch hängende geflochtene Kugel der Floristin, Landschaftsarchitektin und Leiterin des ÖBZ Frauke Feuss, die damit an die zwangsläufige Einbindung des Menschen in den Kreislauf der Natur erinnert. Und Carl Nissen will mit seiner üppigen "Kunst-Knospe" auf einem morschen Stumpf den Parkbesuchern ein Zeichen der Hoffnung präsentieren.


Bis 17. Oktober, geführte Rundgänge: Freitag. 18 Uhr, 11.9. 18 Uhr, 9.10. 12 Uhr, 17.10. 14 Uhr - nach Anmeldung unter mail@suedpart.de

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