Kunstspaziergang zum Tucherpark: Verborgene Idyllen

Schwabings schnellen Spazier-Giganten kennt wirklich jeder. Dabei übersieht man fast, dass es drumherum und vor allem im Tucherpark noch viel mehr sehenswerte Kunst gibt.
| Christa Sigg
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Man sieht sie kaum hinterm Zaun, aber die beiden Rinder an der Thiemestraße 3 stammen aus der Werkstatt von Fritz Koenig.
Man sieht sie kaum hinterm Zaun, aber die beiden Rinder an der Thiemestraße 3 stammen aus der Werkstatt von Fritz Koenig. © Christa Sigg

München - Er hat zwar keine eingebaute Waschanlage wie die strahlend weißen Bauten von Richard Meier. Dafür kommt Jonathan Borofskys "Walking Man" dann aber doch ziemlich sauber, ja, aprilfrisch daher. Seit mittlerweile 25 Jahren ist dieser weiße Riese dem Verkehr der Leopoldstraße ausgesetzt, pausenlos wird der für verzerrte Selfies strapaziert, und wenn der gesichtslose Bursche Pech hat, machen die Leute auf seinen Füßen auch noch Brotzeit.

Damit war allerdings zu rechnen, als die 17 Meter hohe Stahlkonstruktion mit Kunststoffummantelung vor der Münchner Rück aufgestellt wurde. Und immerhin ist so ein neues, weithin sichtbares Wahrzeichen entstanden. Etwas versteckt sind dagegen die Kollegen des "Walking Man", die den vierten Kunstspaziergang gleich vis-à-vis eröffnen. Vor dem Studentenwerk an der Lepoldstraße 15 sitzt ein Faun und bläst auf der Syrinx, Hubert Elsässer schuf ihn 1990, und sofort hat man Claude Debussys "L'Après-midi d'un Faun" im Ohr (wenngleich der eher Nymphen nachstellt).

Auf dem Weg zum Tucherpark vorbei an der "Allegorie der Lehre"

Wem das zu beschaulich ist, der gehe noch ein paar Schritte hinter den rosaroten Schweinchenbau, wo vor der Mensa Jürgen Goertz' "Allegorie der Lehre" in einem imposanten Buch thront. Sie stiftet Verwirrung, das sieht man sofort, und manchen mag Panik überfallen, wenn er an die nächsten Prüfungen denkt - der Blick des schieren Entsetzens bringt das auf der Rückseite der Bronzearbeit von 1984 fabelhaft zum Ausdruck.

Ziel der kleinen Tour ist der Tucherpark auf der östlichen Seite des Englischen Gartens. Auf dem Weg dorthin kommt man durch die Thiemestraße, wo im Vorgarten der Nummer 3 zwei Rinder aus Stein (1955) von gelben Blättern umspült werden. Man muss schon wissen, dass hier Skulpturen von Fritz Koenig liegen, hinterm Zaun drängen sie sich den Passanten tatsächlich nicht auf. Augustin Lohrs etruskisch anmutendes Brunnenmädchen (1957) mit seiner Schale fällt da zwei Häuserblocks weiter auf Nummer 7 schon besser ins Auge.

Seit 25 Jahre tritt Jonathan Borofskys "Walking Man" dynamisch auf der Stelle. Und der weiße Riese strahlt wie eh und je.
Seit 25 Jahre tritt Jonathan Borofskys "Walking Man" dynamisch auf der Stelle. Und der weiße Riese strahlt wie eh und je. © Christa Sigg

Königinstraße: "Konkav gerundet" von Rupprecht Geiger

Direkt gegenüber an der Königinstraße schwebt ein typischer Rupprecht Geiger: "Konkav gerundet" (1973) ist eine seiner klassischen gedrückten Kreisformationen, nur fehlt die Farbe. Pink wäre in dieser ruhigen Ecke definitiv zu aufwühlend. Aber ein kräftiges Blau wie bei der "Niveadose" am Gasteig hätte sich gut gemacht. Georg Brenningers Kristallbrunnen (1965) daneben ist auch nicht zu verachten.

Von hier aus geht man etwa eine Viertelstunde durch den Englischen Garten, biegt dann links in die Hirschauer Straße ein. An deren Ende beginnt der Tucherpark mit der sechseinhalb Meter hohen "Großen Torfigur" von Fritz Koenig. Das Werk ist 1985 nach einer Japanreise entstanden und erinnert an ein Torii, das sind die Eingangstore zu einem Schrein.

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Mit dem Besuch eines Nymphenwesens endet der Spaziergang

Ein Stück weiter am Eisbach stehen sich Isamu Noguchis mächtige Kuben (1972) aus Liechtensteiner Kalk gegenüber und entwickeln eine beträchtliche Spannung. Ein paar Schritte weiter vor dem Hilton kauert - wie ein Kommentar zur aktuellen Situation - die "Last", eine gebückte, stark reduzierte Figur der österreichischen Bildhauerin und Schauspielerin Elfe Gerhard.

Weiter im Straßenverlauf und vorbei an den Verwaltungsgebäuden der HypoVereinsbank nimmt direkt am Eisbach Bernhard Heiligers "Flügelmotiv" eine herausragende Stellung ein. Man überquert dort die Brücke und spaziert vorbei an Roland Bergers Firmensitz links hinunter zu einem Weiher. Im Wasser liegt ein kurioses, von Moos überwuchertes Nymphenwesen, Toni Stadler hat es "Ägäis" genannt - was für eine herrliche Anmaßung just an diesem idyllischen Ort. Dass sich hierher nur wenige verirren, das ist vielleicht das Schönste an diesem Spaziergang.


Start der Tour: U-Bahnhaltestelle Giselastraße (U3/U6)

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