Ausstellung von Shahid Alam: Eine schöne Brücke

Die Ausstellung "Gott ist schön" von Shahid Alam in der ehemaligen Karmeliterkirche.
| Joachim Goetz
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Eine arabische Kalligrafie zum urkatholischen Thema "Mariä Empfängnis" von Shahid Alam.
Eine arabische Kalligrafie zum urkatholischen Thema "Mariä Empfängnis" von Shahid Alam. © Shahid Alam

München - Sie mag nicht jedermanns Geschmack sein, die kalligraphische Kunst von Shahid Alam. In unseren Breiten tut man sich mit den dekorativen, fast lieblichen Schwüngen der arabischen Schriftzeichen in Kombination mit meist kraftvollen Farben und recht abstrakten Motiven eben ein bisschen schwer.

Shahid Alam will zu interreligiösem Dialog anregen

Aber das macht nichts. Darauf kommt es in der Ausstellung "Gott ist schön" in der ehemaligen Karmeliterkirche in München gar nicht an. Man muss diese Werke - was dem von abendländisch-westlicher Kunst indoktrinierten Kunstbetrachter freilich mitunter schwerfällt - losgelöst von Klischees betrachten. Und den Künstler sprechen lassen.

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Shahid Alam will über die Ästhetik der arabischen Schrift zu einem interkulturellen und ebenso interreligiösen Dialog anregen. Deshalb darf er seine Schau in einer ehemaligen Klosterkirche am Promenadeplatz vorstellen - eine unter inzwischen mehr als 30 christlichen Kirchen, die seine Arbeiten zeigten.

Shahid Alam: So setzt er Texte bildnerisch-kalligraphisch um

In seinen Werken - meist auf großen Holztafeln - verbindet er arabische Schriftkunst mit Texten aus Tora, Neuem Testament und Koran. Oder er setzt Texte von Dichtern und Mystikern wie Goethe, Rilke, Hölderlin oder Rumi, Ibn Arabi, Mansur Halladsch bildnerisch-kalligraphisch um. So wird etwa aus Schillers "Ode an die Freude" ein geradezu ätherisch anmutendes Schiff mit mächtiger aber transparenter Takelage, das in ruhigem Wasser vor einem hellgelben Hintergrund dahinsegelt.

Sehr schön auch die aus Friedrich Rückerts Koranübersetzung illustrierte Sure 31: Darin geht es um Gottes weise Worte, die selbst dann unerschöpflich wären, wenn man alle Meere dieser Welt in Tinte verwandeln und sie damit niederschreiben würde. Alam lässt die Sure auf tintenblauem Hintergrund, der dank der Holzmaserung auch eine Wellenstruktur und unterschiedlich tiefe Blautönungen erhält, schaukeln - wie in einem großen Ozean.

Shahid Alam griff schon als Sechsjähriger zur Feder

Nun werden sich bestimmt viele Betrachter fragen, wie man zu so einer Kunst kommt: Im Falle Alams spielen dabei einige Schicksalsfügungen zusammen. Er wurde im pakistanischen Lahore in eine Familie hineingeboren, die schon über mehrere Generationen die Kunst der Kalligraphie pflegte und tradierte.

Mit vier Jahren griff er schon zur Feder. Regelmäßigen Kalligraphie-Unterricht erhielt er in den ersten drei Schuljahren in der Privatschule eines bekannten Dichters. Es folgten sieben Jahre in der katholischen Schule der Franziskaner. Deutsch lernte er am Goethe-Institut. Und so braucht es nicht zu wundern, dass er 1973 sich aufmachte, um in Deutschland zu studieren: Kunst, Pädagogik, Politik- und Europawissenschaften. Heute lebt und arbeitet er in Stolberg bei Aachen.

Geprägt wurde er freilich auch von der kulturellen und religiösen Vielfalt seiner Heimat. Und so begreift er seine kalligraphische Kunst - wozu freilich auch die Inhalte der Texte zählen - als Versuch, eine Brücke zwischen Orient und Okzident zu bauen, den Dialog zwischen den Religionen zu begleiten. Und nicht zuletzt jener fast vergessenen Vision von Friedrich Rückert näher zu kommen: "Weltpoesie allein ist Weltversöhnung".

So betrachtet, kann man ja auch mal die westlichen Kunst-Prinzipien als Beurteilungskriterium etwas hinten anstellen.


Geöffnet bis 3. November, mittwochs bis sonntags von 12 bis 18 Uhr. Eintritt frei, Führungen auch außerhalb der Öffnungszeiten nach Absprache. Eintritt frei. Workshops mit Shahid Alam am 28. Oktober, und Dienstag, 2. November, jeweils von 18 bis 21 Uhr (Unkostenbeitrag 70 Euro)

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