Ausstellung "Sammlerauge. Das Subjektive zum Prinzip gemacht": Beflügelnde Paarungen

Die Ausstellung "Sammlerauge. Das Subjektive zum Prinzip gemacht" im Landshuter Koenigmuseum.
| Roberta de Righi
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Links: Fritz Koenig, Schaukel, 1961 (Privatsammlung Landshut). Rechts: historische Vorratsflaschen aus dem Elsass, Italien sowie Persische Doppelkürbis-Glas-Transportflaschen aus dem 18. und 19. Jahrhundert aus einer Privatsammlung in Landshut. Auch Fritz Koenig selbst besaß solche seltenen Vorratsflaschen.
Links: Fritz Koenig, Schaukel, 1961 (Privatsammlung Landshut). Rechts: historische Vorratsflaschen aus dem Elsass, Italien sowie Persische Doppelkürbis-Glas-Transportflaschen aus dem 18. und 19. Jahrhundert aus einer Privatsammlung in Landshut. Auch Fritz Koenig selbst besaß solche seltenen Vorratsflaschen. © Matthias Ammer

Kein Zweifel: Die Großformate von Rupprecht Geiger, Gotthard Graubner und Pierre Soulages machen sich gut im zentralen Ausstellungsraum des Koenigmuseums. Ein Schimmer von mattem Grün, leuchtendem Rot und Königsblau bringt ungewohnt viel Farbe ins Haus.

In ihrer ersten größeren Präsentation gibt Museumsleiterin Alexandra von Arnim Gemälden, Skulpturen, Kleinplastiken und Schmuck-Objekten von 13 Künstlern aus elf deutschen Privatsammlungen Raum - von der Antike bis zur Gegenwart. Titel: "Sammlerauge. Das Subjektive zum Prinzip gemacht". Hier begegnen sich Zeitgenossen, Künstler-Freunde und -Generationen. Mit Konzept und Hängung beauftragte sie die Kuratorin Katharina Keller.

Afrika-Saal und Epitaphe bleiben unangetastet

Die Sorge, dass der Hausherr an den Rand der Aufmerksamkeit gedrängt wird, muss man sich dennoch nicht machen. Die wesentlichen Räume, darunter der Afrika-Saal und die Epitaphe, bleiben unangetastet. Keller und von Arnim flankieren sein Oeuvre in vier Museumssälen mit Akzenten und Anregungen. Für die Ausstellung luchste von Arnim Koenig-Sammlern jeweils ein Koenig-Werk auf Zeit ab und lud diese dazu ein, jenem die Arbeit eines anderen Künstlers ihrer Wahl gegenüberzustellen. Dass sie durch ihre langjährige Tätigkeit im Kunsthandel und für das Münchner Museumsareal gut vernetzt ist, erleichterte ungemein, etwa Sammler wie Prinz Franz von Bayern, Heinrich Graf von Spreti, Hans-Christoph von Mosch oder den Landshuter Bernhard Schaub zu gewinnen. In einem mit städtischen Mitteln errichteten Haus, das auf der privaten Fritz-und Maria-Koenig-Stiftung begründet ist, wird mit dieser Schau also auch die Verbundenheit von Sammlern, Künstlern, Mäzenen und Museen sichtbar.

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Das sehenswerte Ergebnis sind eine Reihe sehr unterschiedlicher Paarungen: Da stehen gleich zu Beginn Koenigs "Große gerahmte Skulpturen" in Bronze neben Cosima von Bonins großformatiger Textilcollage "Crude Cuisine". Die kleine, betörend schöne "Golgatha"-Bronze wirkt ebenso von unendlichem Schmerz erfüllt wie die tiefschwarze Großform auf Leinwand von Soulages (aus der Kollektion von Prinz Franz von Bayern).

Sinnfällig ist die direkte Begegnung von Miniaturen wie Marino Marinis fragmentiertem Ross ("Piccolo Grido") und Koenigs "Kleiner Gruppe" aus der Sammlung Rolf und Irene Becker. Und die archaische Energie des kleinen "Steigenden Reiters" kommt neben einem antiken Pferdchen (um 700 v. Chr.) bestens zur Geltung.

Kontrast steigert ästhetisch so unterschiedliche Wirkung

Auch für Koenigs goldenes "Paar"-Collier mit zwei Figurinen ist der fein ziselierte Anhänger ("Schwarze Blume") von Bettina Dittlmann durchaus eine stimmige Ergänzung. Der Kontrast zwischen Rainer Wölzls amorpher Bronze aus der Serie "Der Reigen" und Koenigs winzigen "Halbkugelkreuz" wiederum steigert deren ästhetisch so unterschiedliche Wirkung.

Das hinreißend leicht schwebende Liebespaar "Paolo und Francesca" ist für sich eine Schau, die sonst in einem privaten Garten steht, und in Kombination u.a. mit dem weiß-grauen Bild "Les Noirs" von Willi Baumeister aus dem Schlossmuseum Murnau zeitgenössisch grundiert wird.

Koenigs "Nächtlicher Ritt" und eine römische Marmorbüste aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. nebeneinander sind indes beide schön anzusehen, aber nicht zwingend. Und auch die "Quadriga" neben Wasa Marjanovs lebensgroßer, abstrakt-figurativer Metall-Skulptur "Der ewig kreisende Derwisch" ist eine (vom Sammer offenbar gewollte) eher provokante Kombination, die den krassen Gegensatz feiert.

Die Gegenüberstellungen sind überwiegend spannend und wirkungsvoll, der rote Faden hält allerdings nicht durchgängig. Als erfrischender Impuls, den Focus beim Blick auf Fritz Koenigs Werk zu erweitern, funktioniert die Schau aber auf jeden Fall.


Koenigmuseum, Landshut, Am Prantlgarten, bis 25. September, Di - So, 10 bis 17 Uhr

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