Ausstellung: Papst-Münzen als Machtsymbol

Eine Schau in der Staatlichen Münzsammlung zeigt Papst-Münzen jetzt unter dem Titel: "Glänzende Propaganda".
| Thomas Müller
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Der Blick in die Sonderausstellung in der Münzsammlung.
Sergio Castelli 10 Der Blick in die Sonderausstellung in der Münzsammlung.
Pius V. – der Kriegerische: Pius V. war sechs Jahre lang Papst bis 1572. Ein Jahr zuvor gab er eine Silber-Medaille mit einer monumentalen Schlachtenszene aus: zu einer der größten Seeschlachten in der Weltgeschichte. Das Papst-Porträt zeigt Pius V. ohne eine traditionelle Kopfbedeckung, dafür mit Tonsur – der Papst war ein Dominikaner.
Nicolai Kästner 10 Pius V. – der Kriegerische: Pius V. war sechs Jahre lang Papst bis 1572. Ein Jahr zuvor gab er eine Silber-Medaille mit einer monumentalen Schlachtenszene aus: zu einer der größten Seeschlachten in der Weltgeschichte. Das Papst-Porträt zeigt Pius V. ohne eine traditionelle Kopfbedeckung, dafür mit Tonsur – der Papst war ein Dominikaner.
1571 war die Schlacht, als im Golf von Korinth die Türken mit 222 Galeeren, 34.000 Soldaten, 13.000 Matrosen und 41.000 Rudersklaven auf die Flotte der Heiligen Liga traf mit 207 Galeeren, darunter zwölf unter päpstlicher Flagge, 30.000 Soldaten und 12.900 Matrosen. Zu sehen ist auf der Münze nicht nur das Schlachtengetümmel. Sondern am oberen Rand auch der Engel Gottes, welcher den Sieg der Christen sichert.
Nicolai Kästner 10 1571 war die Schlacht, als im Golf von Korinth die Türken mit 222 Galeeren, 34.000 Soldaten, 13.000 Matrosen und 41.000 Rudersklaven auf die Flotte der Heiligen Liga traf mit 207 Galeeren, darunter zwölf unter päpstlicher Flagge, 30.000 Soldaten und 12.900 Matrosen. Zu sehen ist auf der Münze nicht nur das Schlachtengetümmel. Sondern am oberen Rand auch der Engel Gottes, welcher den Sieg der Christen sichert.
Pius XII. – göttliche Sendung im Radio: Er galt als steif, theatralisch und als "letzter Fürst Gottes": Papst Pius XII. (1939-58), strammer Anti-Kommunist, der als geachteter Diplomat in schwieriger Zeit seine Stimme erhob gegen die Schrecken des Krieges, für die unveräußerlichen Grundrechte eines jeden Menschen. Er verwendete dazu gerne Rundfunk-Ansprachen. Auch wenn er sich in Italien für Juden einsetzte und die Nazis seine Weihnachtsansprache etwa von 1942 in Deutschland verboten, hatte er sich doch nicht zu einer offenen Konfrontation gegen Hitler und den Holocaust durchringen können.
Nicolai Kästner 10 Pius XII. – göttliche Sendung im Radio: Er galt als steif, theatralisch und als "letzter Fürst Gottes": Papst Pius XII. (1939-58), strammer Anti-Kommunist, der als geachteter Diplomat in schwieriger Zeit seine Stimme erhob gegen die Schrecken des Krieges, für die unveräußerlichen Grundrechte eines jeden Menschen. Er verwendete dazu gerne Rundfunk-Ansprachen. Auch wenn er sich in Italien für Juden einsetzte und die Nazis seine Weihnachtsansprache etwa von 1942 in Deutschland verboten, hatte er sich doch nicht zu einer offenen Konfrontation gegen Hitler und den Holocaust durchringen können.
Leo XIII. – der Friedensstifter: Papst Leo XIII. (1878-1903) gelang es nach dem Verlust des Kirchenstaates 1870 die Souveränität des Heiligen Stuhls auch ohne eigenes Staatsgebiet zu sichern. Diplomatische Beziehungen wurden ausgebaut. Zu sehen auf der bronzenen Papst-Medaille Leo XIII. aus dem Jahr 1887.
Nicolai Kästner 10 Leo XIII. – der Friedensstifter: Papst Leo XIII. (1878-1903) gelang es nach dem Verlust des Kirchenstaates 1870 die Souveränität des Heiligen Stuhls auch ohne eigenes Staatsgebiet zu sichern. Diplomatische Beziehungen wurden ausgebaut. Zu sehen auf der bronzenen Papst-Medaille Leo XIII. aus dem Jahr 1887.
Und zehn Mal vermittelte er in staatlichen Konflikten – so auch 1885 im "Karolinenstreit" um pazifische Inseln zwischen Deutschland und Spanien: Neben der päpstlichen Figur in der Mitte, die mahnend den Zeigefinger hebt, hat links Germania das Schild zur Seite gerückt, um der Hispania (rechts), die sich noch wehrt und ziert, die Hand zur Versöhnung zu reichen.
Nicolai Kästner 10 Und zehn Mal vermittelte er in staatlichen Konflikten – so auch 1885 im "Karolinenstreit" um pazifische Inseln zwischen Deutschland und Spanien: Neben der päpstlichen Figur in der Mitte, die mahnend den Zeigefinger hebt, hat links Germania das Schild zur Seite gerückt, um der Hispania (rechts), die sich noch wehrt und ziert, die Hand zur Versöhnung zu reichen.
Johannes Paul II. – streitbar, stur und charismatisch: Konfrontation war dem polnischen Papst Johannes Paul II., dessen Pontifikat von 1978 bis 2005 reichte und damit das zweitlängste der Kirchengeschichte war, nicht fremd. Vor allem gegen die kommunistischen Regime im Osten, angefangen mit seiner Polenreise 1979 und der Unterstützung der Gewerkschaft Solidarnosc. Die Medaille zeigt auf der Vorderseite den Papst, wie er, man erinnert sich noch an die Bilder, den Kreuzstab an die Stirn presst.
Nicolai Kästner 10 Johannes Paul II. – streitbar, stur und charismatisch: Konfrontation war dem polnischen Papst Johannes Paul II., dessen Pontifikat von 1978 bis 2005 reichte und damit das zweitlängste der Kirchengeschichte war, nicht fremd. Vor allem gegen die kommunistischen Regime im Osten, angefangen mit seiner Polenreise 1979 und der Unterstützung der Gewerkschaft Solidarnosc. Die Medaille zeigt auf der Vorderseite den Papst, wie er, man erinnert sich noch an die Bilder, den Kreuzstab an die Stirn presst.
Weitere Seiten des Papstes: Ein autoritärer Führungsstil, seine charismatische Persönlichkeit, seine Kapitalismuskritik, sein Verbot der künstlichen Empfängnisverhütung, seine Ablehnung der Liberalisierung der Abtreibungsgesetze, seine Besuche einer Synagoge und einer Moschee (als erster Papst überhaupt) – ein vielschichtiger Mensch mit teils widersprüchlichen Facetten. Auch hatte er einen Sinn für moderne Kunst. So ließ er seine Papst-Medaille 1982 vom deutschen Künstler Ernst Günter Hansing (†2011) gestalten.
Nicolai Kästner 10 Weitere Seiten des Papstes: Ein autoritärer Führungsstil, seine charismatische Persönlichkeit, seine Kapitalismuskritik, sein Verbot der künstlichen Empfängnisverhütung, seine Ablehnung der Liberalisierung der Abtreibungsgesetze, seine Besuche einer Synagoge und einer Moschee (als erster Papst überhaupt) – ein vielschichtiger Mensch mit teils widersprüchlichen Facetten. Auch hatte er einen Sinn für moderne Kunst. So ließ er seine Papst-Medaille 1982 vom deutschen Künstler Ernst Günter Hansing (†2011) gestalten.
Franziskus – ein Papst zum Anfassen: Er ist der bescheidene, anspruchslose Papst seit 2013. Die Jahresmedaille 2014 zeigt erstmals in der Kirchengeschichte nicht das Porträt des Papstes allein, sondern zusammen mit einem anderen Menschen - oben mit einem afrikanischen Buben, dem er sich offen und herzlich zuwendet. Wie im richtigen Leben. Symbolisiert wird hier die besondere Rolle des Kindes in der christlichen Familie, wie auch die gewachsene Bedeutung der Kirche Afrikas für den Vatikan. "Franziskus scheut die Nähe der Menschen nicht, im Gegenteil, er wendet sich, gerade den kleinsten und schwächsten, liebevoll zu", schreibt dazu der Kirchengeschichtler Prof. Jörg Ernesti, der zusammen mit Oberkonservator Kay Ehling das Buch zur Ausstellung "Glänzende Propaganda, Kirchengeschichte auf Papstmedaillen" verfasst hat (Herder, 238 Seiten, 35 Euro).
Nicolai Kästner 10 Franziskus – ein Papst zum Anfassen: Er ist der bescheidene, anspruchslose Papst seit 2013. Die Jahresmedaille 2014 zeigt erstmals in der Kirchengeschichte nicht das Porträt des Papstes allein, sondern zusammen mit einem anderen Menschen - oben mit einem afrikanischen Buben, dem er sich offen und herzlich zuwendet. Wie im richtigen Leben. Symbolisiert wird hier die besondere Rolle des Kindes in der christlichen Familie, wie auch die gewachsene Bedeutung der Kirche Afrikas für den Vatikan. "Franziskus scheut die Nähe der Menschen nicht, im Gegenteil, er wendet sich, gerade den kleinsten und schwächsten, liebevoll zu", schreibt dazu der Kirchengeschichtler Prof. Jörg Ernesti, der zusammen mit Oberkonservator Kay Ehling das Buch zur Ausstellung "Glänzende Propaganda, Kirchengeschichte auf Papstmedaillen" verfasst hat (Herder, 238 Seiten, 35 Euro).
Dass Franziskus stets neue Wege zu beschreiten versucht, verdeutlicht auch diese zweite Jahres-Medaille von 2015 (oben): Auf der Vorderseite blickt uns dieses Mal gar kein Papst entgegen – auch das bislang einmalig in der Kirchengeschichte, der Papst, der als Person völlig hinter seine kirchliche Mission zurücktritt – ohne jegliche Selbstpropaganda. Anstatt eines Porträts ist hier bloß sein Wappen zu sehen: die Mitra nebst Christusmonogramm IHS, Kreuz, drei Nägel, Stern und Nardenblüte sowie zwei mit einer Kordel verbundene Schlüssel.
Nicolai Kästner 10 Dass Franziskus stets neue Wege zu beschreiten versucht, verdeutlicht auch diese zweite Jahres-Medaille von 2015 (oben): Auf der Vorderseite blickt uns dieses Mal gar kein Papst entgegen – auch das bislang einmalig in der Kirchengeschichte, der Papst, der als Person völlig hinter seine kirchliche Mission zurücktritt – ohne jegliche Selbstpropaganda. Anstatt eines Porträts ist hier bloß sein Wappen zu sehen: die Mitra nebst Christusmonogramm IHS, Kreuz, drei Nägel, Stern und Nardenblüte sowie zwei mit einer Kordel verbundene Schlüssel.

Seit gut 550 Jahren gibt es Papst-Medaillen: Eine Schau in der Staatlichen Münzsammlung zeigt sie jetzt unter dem Titel: "Glänzende Propaganda".

Münzen als Propagandamittel? Klingt zunächst ja mal wenig schmeichelhaft. Doch haben auch die Päpste früh erkannt, seit etwa 1550, dass ein bisserl Eigenwerbung und Selbstdarstellung der eigenen wie kirchlichen Sache durchaus dienlich sein konnte – Propaganda in eigener Sache sozusagen. Die Tradition, jedes Jahr am Peter- und Pauls-Tag (29. Juni) eine offizielle Papst-Medaille herauszugeben, hat sich übrigens keineswegs erübrigt, sondern bis heute erhalten – Social Media und Live-Streaming zum Trotz. Die Staatliche Münzsammlung in der Residenz besitzt 2800 dieser päpstlichen Münzen, Abzeichen und Medaillen, wovon jetzt in der Sonderausstellung "Glänzende Propaganda" die interessantesten Stücke erstmals gezeigt werden. Oberkonservator Kay Ehling hat die AZ vorab durch die Sonderschau geführt – freilich mit Abstand und Mundschutz, Ordnung muss sein. In Vitrinen, frei von Spiegelungen und raffiniert beleuchtet, liegen sie da, die Schätze aus dem Vatikan. Was die wohl wert sind?

Einzelne Münzen sind 5.000 Euro wert

"Die ältesten gut 5.000 Euro, neuere sind schon für 200 Euro zu haben", weiß Sammlungsleiter Ehling. Gar nicht so viel, könnte man meinen. Zumal die wertvollsten Stücke der Münzsammlung aus der Antike (zu sehen in der Dauerausstellung) locker bis zu 600.000 Euro Wert sind. Aber die Papst-Medaillen waren und sind ja auch keine Zahlungsmittel, sondern "bloß" Geschenke an Staatsgäste und -oberhäupter. Ebenfalls in der sehr sehenswerten Schau zu sehen: originale Kopfbedeckungen der Päpste, ein Camauro (Samtmütze mit Hermelin), Saturno (Reisehut mit breiter Krempe) oder Zucchetto (Scheitelkäppchen) – ein Sammler aus Saarbrücken hat sie als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Und während lange Rätselraten herrschte, wann die längst fertige Ausstellung – sowie alle anderen Museen – nun endlich loslegen können, kam letzten Dienstag die erlösende Meldung: ab Montag sperren die Museen endlich wieder auf. Die Münzsammlung freilich stößt erst am Dienstag dazu – "unsere Mitarbeiter schuften das Wochenende ja noch durch", meint Ehling. Also, wer sich für glanzvolle Schätze sowie Papstgeschichte interessiert, sollte hier einfach mal reinschauen. Es lohnt sich wirklich.

Klicken Sie sich oben durch unsere Galerie mit ein paar besonderen Exponaten.

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