Ausstellung "Hellas in München": Akropolis adieu

"Hellas in München" - eine kleine Ausstellung der Antikensammlungen widmet sich dem bayerischen Philhellenismus.
| Adrian Prechtel
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Josef Stieler malte 1832 den jungen Otto I. König von Griechenland. Foto: Wittelsbacher Ausgleichsfonds
Josef Stieler malte 1832 den jungen Otto I. König von Griechenland. Foto: Wittelsbacher Ausgleichsfonds © Wittelsbacher Ausgleichsfonds

München - Die eigentliche Ausstellung finden sie draußen", sagt der Direktor der Antikensammlungen Florian Knauß - und meint nicht den Innenhof der Glyptothek, wo er gerade auch die "Königlichen Hoheiten" begrüßt hat zur Ausstellungseröffnung "Hellas in München", sondern den Königsplatz selbst, diese steingewordene Hommage an Griechenland und seine Antike.

Ausstellung mit Leihgaben aus dem "König Otto Museum Ottobrunn" 

Schade nur, dass hier gerade der Großaufbau für das staatliche Postcorona-Kulturfest "Bayern spielt" stattfindet - mit plexiglas-überdachter Bühne, Cateringzelten und Klohäuschen, so dass von klassizistischer "edler Einfalt und stiller Größe" wenig zu sehen ist.

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Die Ausstellung selbst ist vor allem ein Raum in der gegenüberliegenden Antikensammlung - bestückt auch mit Leihgaben aus dem "König Otto Museum Ottobrunn" oder der Hausmütze des ersten griechischen Königs Otto (1832 - 1862). Denn nach der Befreiung Griechenlands von über 350-jähriger osmanischer Herrschaft hatte die griechische Nationalversammlung am 8. August 1832 auf Vorschlag der Großmächte Großbritannien, Frankreich und Russland den zweiten Sohn Ludwigs I. zum König von Griechenland gewählt.

Wie die Eroberung Griechenlands verhindert wurde

Warum ausgerechnet einen Bayern, der auch noch erst 16 Jahre alt war? Das erklärt die Ausstellung nicht genau. Auch wenn eine Büste eines gewissen Herrn Friedrich Wilhelm von Thiersch aufgestellt ist: dem Altphilologen und Vater der humanistischen Bildung in Bayern, der aus seinem Privatvermögen schon 1815 eine Schule für griechische Jungs aufbaute, die später staatlich wurde und ab 1833 auch die Verwaltungselite des neuen griechischen Königreichs in München ausbildete.

In einer Vitrine ist - neben Schönschriftheften - auch die Einladung zu einer Schultheateraufführung zu sehen: "Leonidas' Tod oder Die Schlacht bei den Thermopylen", also die Geschichte, wie ein tapferes spartanisches 300-Mann-Heer 480 vor Christus 40.000 persische Soldaten aufhielt und damit eine Eroberung Griechenlands verhinderte.

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Thiersch hatte auch in der höheren Münchner Gesellschaft für eine "Deutsche Legion" gesammelt, die dann auch wirklich in den Freiheitskampf eingriff. Auch König Ludwig I. unterstützte sie durch beträchtliche Geldspenden, was später die Chancen des Hauses Wittelsbach auf den griechischen Thron erhöhte. So ist auch der historische Anlass der Ausstellung der Beginn des Freiheitskampfes der Griechen gegen die osmanische Herrschaft 1821, vor 200 Jahren.

Otto von Griechenland betritt 1833 Griechenland in der damaligen Hauptstadt Nauplia. Die Abschiedsstationen in Bayern zieren Denkmäler - wie die klassizistische Otto-Säule in Ottobrunn, das Theresienmonument von 1835 in Bad Aibling, wo sich Otto von seiner Mutter verabschiedete, das ironischerweise neugotisch ist mit einer zentralen Mariendarstellung, obwohl die Königin als Sächsin evangelisch war. Das dritte, in der Ausstellung erwähnte Monument - die neugotische Otto-Kapelle - steht in Kufstein, weil hier der junge Bayer bayerischen Boden verlassen hat und vom Katholischen ins Orthodoxe aufbrach.

Dreißig Jahre später kehrte er - von den Griechen am 23. Oktober 1862 abgesetzt - zurück. Schon eine Woche später war er wieder in München, tragikomischerweise einen Tag nachdem man feierlich die Propyläen am Königsplatz eingeweiht hatte. Geblieben vom Philhellenismus des bayerischen Königshauses, der mit Max II und erst Recht Ludwig II auch schon wieder zu Ende war, ist vor allem der Königsplatz mit seinen Antikensammlungen.

"Hellas in München" liefert nicht mehr als ein paar Schlaglichter

Hier zeigt man zur Zeit auch vier von 39 Entwürfen des Hofmalers Peter von Hess, der selbst nach Griechenland gefahren ist und in den Münchner Hofgartenarkaden Stationen des griechischen Freiheitskampfs dargestellt hat. Diese Freskos sind allerdings im Zweiten Weltkrieg zerstört worden. Auf einem der Bleistift- und Kohle-Entwürfe, "Bobolina blokirt Nauplia", ist eine weibliche Ikone der Befreiung Griechenlands dargestellt: Laskarina Boubouli, eine reiche Witwe, die mit ihrem Geld ein Kriegsschiff finanzierte, das eine Seeblockade der osmanisch-albanischen Truppen in Nauplia erreichte.

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Wer also die Ausstellung "Hellas in München" am Königsplatz besucht, bekommt ein paar Schlaglichter geliefert - mehr nicht. Und selbst ein Bild wie "Der Abschied König Ottos vom Münchner Hof" hat den nur 400 Meter langen Weg aus der Neuen Pinakothek nicht bis in die Glyptothek geschafft. Und stimmt der Mythos, dass die griechische Fahne weiß-blau ist, weil es auch die bayerische ist? Jedenfalls stimmt, dass Bayern sein "Ypsilon" seit 1825 der Griechenlandliebe Ludwig I. verdankt.


Königsplatz, bis 19. September, täglich außer Mo, 10 - 17 Uhr

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