Kultur darf wieder öffnen: Mit angezogener Handbremse

Die Museen sind ab Dienstag wieder geöffnet, die Staatsoper startet am Donnerstag mit Jonas Kaufmann, die anderen Theater folgen, Kinos könnten, aber...
| Robert Braunmüller Adrian Prechtel
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Plakat für den "Boandlkramer" am Filmtheater Sendlinger Tor.
Plakat für den "Boandlkramer" am Filmtheater Sendlinger Tor. © RBR

Immerhin, ein Drittel der Plätze dürfen nun besetzt werden. Die Bayerische Staatsoper nimmt am Donnerstag mit einer konzertanten Aufführung des ersten Aufzugs von Wagners "Walküre" den Spielbetrieb auf.

Jonas Kaufmann singt Siegmund, Lise Davidsen die Sieglinde, Asher Fisch dirigiert. Am Dienstag ab 10 Uhr werden 700 Karten verkauft. Im Theater herrscht FFP2-Maskenpflicht, Besucher müssen einen gültigen Test vorweisen.

Jonas Kaufmann in einem Prunksaal des Nationaltheaters.
Jonas Kaufmann in einem Prunksaal des Nationaltheaters. © Peter Kneffel/dpa

Das Programm der Münchner Bühnen

Die Aufführung wird Ende Mai noch einmal wiederholt, außerdem gibt es Vorstellungen des Bayerischen Staatsballetts, eine Wiederaufnahme von Franz Lehárs "Schön ist die Welt" und am Pfingstsonntag die Premiere von Aribert Reimanns "Lear" mit Christian Gerhaher in der Titelpartie. Die Neuinszenierung der 1978 im Nationaltheater uraufgeführten Oper stammt von Christoph Marthaler.

Ebenfalls am Donnerstag startet das Residenztheater, und zwar spektakulär mit der Premiere von Shakespeares "Hamlet" in der Regie von Robert Borgmann (200 Karten).

Am Samstag folgt die Uraufführung von Anja Hillings "Teile (Hartes Brot) im Marstall und die zweite Vorstellung von "Hamlet" im Residenztheater. Der Vorverkauf beginnt ebenfalls heute um 10 Uhr, Besucher brauchen wie in der Staatsoper einen aktuellen Test.

Im Staatstheater am Gärtnerplatz öffnet sich der Vorhang am Freitag bei "Eugen Onegin". Am Samstag folgt die erste öffentliche Aufführung von Johanna Doderers Oper "Schuberts Reise nach Atzenbrugg" und am 19. Mai die Uraufführung des Balletts "Undine" von Karl Alfred Schreiner. Karten gibt es ab sofort.

Auch die Philharmoniker spielen wieder

Als erstes der großen Orchester spielen die Münchner Philharmoniker am 21. Mai unter Valery Gergiev im Gasteig. Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks wird erst im Juni wieder vor Publikum spielen.

Im Gasteig ist eine Testmöglichkeit im Gasteig vorgesehen. Grundsätzlich aber gilt, dass man das besser vorher in einer Apotheke oder einem anderen der vielen Testzentren erledigt.

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Das Volkstheater projiziert am Freitag seine Web-Serie "Spielzeit" auf eine Leinwand. Richtiges Theater mit lebenden Schauspielern vor Publikum gibt es am Samstag mit Heiner Müllers "Der Bau". Je nach Zusammensetzung des Publikums - Familien, Pärchen oder Einzelpersonen - dürfen bis zu 80 bis 140 Geimpfte oder Getestete ins Theater.

Die Kammerspiele starten erst Ende Mai

Ein wenig länger dauert es noch bei den Kammerspielen: Bis Ende Mai wird es eventuell einige kleinere Produktionen als Testlauf geben, der reguläre Spielbetrieb beginnt erst im Juni.

Der Kinobetreiber und Leiter des Fünf-Seen-Festivals, Matthias Helwig, ist einer der wenigen, der die Möglichkeit, Kinos wieder zu öffnen, gleich ab Donnerstag nutzt - in seinem Breitwand Gauting. Mit "Und morgen die ganze Welt" setzt er da wieder an, wo das Kino vor dem ersten Lockdown aufgehört hat.

"Mank" wiederum ist aktuell und gerade oscargeadelt. Der Film von David Fincher mit Gary Oldman und Amanda Seyfried erzählt die Entstehungsgeschichte von Orson Welles' "Citizen Kane" aus der Sicht des Drehbuchautors.

Münchner Kinobetreiber hadern mit der Öffnung

Die Münchner Kinobetreiber hadern dagegen mit der Öffnung. Christian Pfeil vom Monopol hält die Öffnungsmöglichkeit für eine politische Farce: "Es geht längst nicht mehr darum, dass wir Kinos Umsätze machen. Wir wollen einfach wieder angenehme, anregende Kulturorte für gemeinsames Erleben sein!", sagt er.

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Aber das sei wegen der strengen Regeln nicht möglich. "Solange das so ist, hat es keinen Sinn, Kino wieder zu eröffnen. Diese Politik ist völlig angstbesetzt! Und wenn die Maskenpflicht auch im Open-Air-Bereich verlangt wird, ist auch diese Kulturmöglichkeit tot!"

Holger Trapp, Co-Theaterleiter der City-Kinos, nennt auch einen konkreten Grund für das Zögern. "Neue Filme brauchen Vorlauf, müssen beworben werden und vor allem: Es gibt keinen richtigen Filmstart in einem Flickenteppich nach Landkreisen oder Bundesländern."

Neuer Termin für das Filmfest München

Er hält eine Öffnung erst ab 1. Juli für denkbar, dem Tag, an dem das um eine Woche verschobene Filmfest München beginnt. Fritz Preßmar vom Filmtheater am Sendlinger Tor würde sogar im Juni starten.

Voraussetzung wäre, dass sich die Verleiher auf eine kluge Startstaffel einigen. Er hält "Nomadland" für einen geeigneten Startschuss.

"Aber das alles lohnt sich erst, wenn der Kinogänger das Gefühlt hat, es ist wieder alles einigermaßen gewohnt normal. Also keine Maske am Platz und keine vorherigen Schnelltests, sondern nur Abstand im Saal - wie auch in Restaurants." Außen am Kino hängt noch das Filmplakat-Gemälde vom "Boandlkramer". 

"Da sperrt sich Amazon, dass ich den jetzt im Kino starte. Sie haben sich auf das Internet festgelegt. Schade, aber so sieht mein Kino von Außen wenigsten sehr aktuell aus."

Neue Ausstellung im Literaturhaus

Das Literaturhaus öffnet heute seine Ausstellung "Zeitlang - Unbekanntes Bayern" wieder: mit telefonischer Anmeldung, Abstand und FFP2-Masken. Die erste öffentliche Lesung wird wahrscheinlich Lena Gorelik am 19. Mai halten - mit bis zu 50 maskierten Besuchern im Studio im dritten Obergeschoß.

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Die Alte Pinakothek, die Pinakothek der Moderne, das Museum Brandhorst und die Sammlung Schack öffnen am Freitag. Die Buchung fester Zeitfenster ist ab heute über Münchenticket möglich. Alle anderen Münchner Museen öffnen heute.

Und im Hof des Deutschen Museums steht auch schon die mobile Bühne für den Eulenspiegel Flying Circus, der ab 21. Mai Kabarett und Musik an die frische Luft bringen wird. Los geht es mit dem Duo Suchtpotenzial und dem Programm "Sexuelle Belustigung".

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