Viele Tricks, wenig Zauber

"Doctor Strange in the Multiverse of Madness”: Die bemüht auf Horror getrimmte Marvel-Verfilmung zeigt einen wild zwischen Universen springenden Benedict Cumberbatch
| Florian Koch
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Xochitl Gomez als Gejagte namens America, Benedict Wong und Benedict Cumberbatch (re.) als Dr. Stephen Strange.
Xochitl Gomez als Gejagte namens America, Benedict Wong und Benedict Cumberbatch (re.) als Dr. Stephen Strange. © Marvel Studios

"Bist du glücklich?" Eigentlich eine simple Frage. Umso diffiziler jedoch fällt die Antwort aus, weil dieses Glücksgefühl nun mal so schwer zu fassen, so unspezifisch ist. Selbst Doctor Strange (Benedict Cumberbatch), dieser nahezu allmächtige, aber auch entrückt-eitle Zauberer aus dem Marvel-Universum ringt mit dem eigenen Glück, weil er, der Weltenretter doch scheinbar alles erreicht hat, ohne jedoch seine große Liebe (Rachel McAdams), von sich überzeugt zu haben.

Aus Scham lügt er ihr auf der Hochzeit mit einem anderen auf die "Glücklich"-Frage ins Gesicht, bevor er weiterzieht, zu neuen Herausforderungen - und sei es nur ein trashiges Scharmützel mit einem Riesenoctopus. Das Untier war auf der Jagd nach America (Xochitl Gomez). Eine unscheinbare Teenagerin, die gerade unfreiwillig von einem Paralleluniversum ins nächste springt - weil sie, gefangen in der Opferrolle, die eigenen Ängste nicht in den Griff bekommt. Strange und sein Partner Wong (Benedict Wong) wollen America und unseren von Rissen in der Zeit bedrohten Kosmos beschützen, benötigen dafür aber die Hexenkräfte von Wanda (Elizabeth Olson).

Protzige Computertricks ohne erzählerischen Rhythmus

Mit dieser Dr. Jekyll- und Mr. Hyde-Figur bringt Altmeister Sam Raimi, der bereits mit seiner "Spider-Man"-Trilogie Comic-Erfahrungen sammelte, wieder das Glücksprinzip ins Spiel. Denn Wanda sehnt sich auch nach dem Tod ihres Göttergatten Vision nach der aus der Marvel-Serie "Wandavision" bekannten Illusion einer braven Mama zweier Jungs. Dieses Mutterglück-Ideal soll ihr nun America erfüllen, mit ihrer Möglichkeit Träume in anderen Welten wahr werden zu lassen.

Was bereits in der bloßen Beschreibung verkopft klingt, wandelt sich in der ersten halben Stunde des Films in eine Traum/Realität-Kakophonie voller protzig-aufwendiger Computertricks, jedoch ohne erzählerischen Rhythmus.

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Erst in der zweiten Hälfte, wenn Strange gemeinsam mit America auch mal ein Paralleluniversum, wie ein Öko-Blumen-New-York, erkundet, kommt der atemlose Blockbuster bei sich an. Augenzwinkernd darf Raimi dann auch auf seine Horror-Vergangenheit mit "Tanz der Teufel" Bezug nehmen, mit (unblutigen) Schockeffekten, Skeletten, Dämonen, Strange-Zombies und einer irren Actionsequenz, in dem Noten aus einer Partitur nicht nur zu tanzen, sondern zu kämpfen beginnen. Was Raimi bei allem schaurig-schrägen Hokuspokus jedoch nie gelingt, ist diesen sonderbaren Strange mit seiner Suche nach dem persönlichen Glück nahbarer zu machen. Eine emotionale Leerstelle, die neben dem Mangel an zauberhaften Nebenfiguren dann auch dazu führt, dass sich die Spannung selbst im Finale nicht wirklich heraufbeschwören lässt. 


Kino: Astor im Arri, Cincinnati, CinemaxX, Leopold, Mathäser, Royal sowie Cinema, Museum (OV); R: Sam Raimi (USA, 126 Min.)

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