"The Limehouse Garden": Ist Karl Marx der Mörder?

"The Limehouse Golem", ein Thriller im London der 1880er, legt viele falsche Fährten, bis der Killer gefasst ist.  
| Margret Köhler
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Bill Nighy als melancholischer Polizist.
Nicola Dove / Concorde Bill Nighy als melancholischer Polizist.

"The Limehouse Golem", ein Thriller im London der 1880er, legt viele falsche Fährten, bis der Killer gefasst ist.

„Hier sind wir wieder“: So begrüßt der schillernde, in Frauenkleider gewandete Music-Hall-Künstler Dan Leno (Douglas Boot) jeden Abend die lüsternen Gäste im schwülen Ambiente. Im viktorianischen London des Jahres 1880 hält das Volk im Gegensatz zu Königin Viktoria wenig von prüden Moralvorstellungen und Sittenstrenge, und so gleicht das East End mit seinen Bordellen und Opiumhöhlen einem Sündenpfuhl.
„The Limehouse Golem“ spielt in einer Epoche, in der Jack the Ripper sein Unwesen trieb und Sherlock Holmes erste Fälle löste.
Auch in Juan Carlos Medinas verstörendem Thriller sorgt ein Serienkiller für Angst und Schrecken. Im Theaterbezirk, dem Limehouse, hinterlässt er am Tatort mit dem Blut der bestialisch ermordeten Opfer geschriebene Botschaften. Bald spricht man vom Golem, einem Geschöpf der jüdischen Mythologie.

Gleichzeitig droht der verführerischen Sängerin Lizzie (Olivia Cooke, demnächst in Steven Spielbergs „Ready Player One“ zu sehen) Tod durch den Strang, soll sie doch ihren Mann, den aufgeblasenen Autor John Cree (Sam Reid) vergiftet haben. Scotland Yard-Inspektor John Kildare will sie retten, indem er eine Verbindung zwischen dem Verblichenen und dem unheimlichen Mörder konstruiert.
Die heiße Spur führt in die Music Hall, wo Lizzy einst die Bühne eroberte. Bis zur überraschenden Lösung des spektakulären Falls legt das auf Peter Ackroyds Roman „Der Golem von Limehouse“ basierende, blutige und makabre Drama viele falsche Fährten, wechselt abrupt von der Gegenwart in die Vergangenheit und erzählt gefühlvoll die Saga vom armen Mädchen, das zum umjubelten Star aufstieg.
Das Whodunit entpuppt sich als rätselhaftes Spiel zwischen Fantasy und Realität, nimmt sich Freiheiten und fühlt sich nicht der historischen Wahrheit verpflichtet. Sogar für Karl Marx gibt’s da einen kleinen Auftritt. Dass man die Orientierung bei einigen Längen nicht verliert, liegt an dem wundervollen Bill Nighy, der dieser brüchigen und komplexen Figur des Polizisten die nötige Eleganz und Melancholie verleiht, er spielt einen, der sich nicht moralisch verbiegen lässt.
Mit ihm taucht man gerne ein in die dichte Atmosphäre der schmutzigen und düsteren Gassen Londons, eines Babylons des neuen industriellen Zeitalters, in dem die Grenzen zwischen Gut und Böse, Schönheit und Hässlichkeit, Schuld und Unschuld verschwimmen.


Regie: Juan Carlos Medina (GB, 110 Min.)

Kinos: CinemaxX, Museum-Lichtspiele, Mathäser

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