Mit Matt Damon, Amanda Seyfried: 74. internationale Filmfestspiele in Venedig starten

Mit der Öko-Komödie "Downsizing" und vielen Schauspielstars starten am Mittwoch die 74. internationalen Filmfestspiele in Venedig.
| Adrian Prechtel
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Kristen Wiig (Mitte, links) als Audrey Safranek und Matt Damon (Mitte, rechts) als Paul Safranek in einer Szene der Öko-Komödie "Downsizing", der heute die 74. Ausgabe des Filmfest Venedig eröffnet.
Paramount Pictures Kristen Wiig (Mitte, links) als Audrey Safranek und Matt Damon (Mitte, rechts) als Paul Safranek in einer Szene der Öko-Komödie "Downsizing", der heute die 74. Ausgabe des Filmfest Venedig eröffnet.

Lässig, rau und doch auch sanft gab Paolo Conte uns das Italiengefühl vor, mit: "Gelato al Limon!" Das war Anfang der 80er, als das Eis aus dem Land, wo die Zitronen blüh’n, Sex und Freiheit versprach – jedenfalls im Text des singenden Anwalts aus Mailand.

Heute darf man sich auf der Rialtobrücke über den Canal Grande nicht einmal mehr romantisch küssen: Einbahn-Fußweg-Schilder fordern auf, nicht mehr stehen zu bleiben, um die knapp 30 Millionen Touristen pro Jahr zu kanalisieren. Und die Gelateria am Lido, wo die Kugel 2,50 Euro kostet, hat zwar noch Zitroneneis, aber die Schilder in der gläsernen Kühlauslage propagieren vor allem neue Eissorten, wie das grüne Whatsapp-Eis. Das Facebook-Eis ist blau, was früher einmal zwar genauso chemisch schmeckte, aber noch "Puffi" hieß: Schlumpfeis.

Feminismus ist, wenn ein schöner Mann moderiert

Natürlich hat den Film in Zeiten des Terrors auch der Sicherheitszeitgeist erfasst: 150 Betonbarrieren – strahlend schön mit dem Dunkelblau des Biennaleplakats überzogen – schirmen das Filmfestgelände ab. Dahinter ist jetzt der Palazzo del Cinema mit seinem Roten Teppich mit Kugelleuchten dekoriert wie der ehemalige Palast der Republik in Ostberlin. Hier werden heute Abend Matt Damon und Christoph Waltz dem Publikum bei der großen Eröffnungsgala winken: "Downsizing" von Alexander Payne ist der Eröffnungsfilm, und der Filmbiennale geht es in ihrer 74. Edition blendend, wie Biennaledirektor Alberto Barbera klar gemacht hat: "Ich habe 97 Prozent der Filme, die ich am Lido haben wollte, auch bekommen!"

So hat die Mostra del Cinema der Konkurrenz, dem Parallelfestival in Toronto, nicht nur die Öko-Komödie "Downsizing" als Weltpremiere weggeschnappt, sondern auch noch Darren Aronofskys "Mother", der Jennifer Lawrence, Javier Bardem, Michelle Pfeiffer und Ed Harris an den Lido bringen wird. Und George Clooneys "Suburbicon" nach einem Drehbuch seiner Freunde, der Coen-Brüder. Diese Kleinstadtsatire gibt Matt Damon gleich den zweiten Starauftritt hier in Venedig.

Die leidige feministische Frauenquotenfrage beantwortet man hier in Italien mit einem lässigen Konter: Auch da, wo Frauen vor allem schön sein müssen – auf der Galabühne – übernimmt diesmal ein schöner, wenn auch nicht weltbekannter Mann: Alessandro Borghi ist der Show-Master der Eröffnung und der Schlusszeremonie in zwölf Tagen, ein blauäugiger Model-Dreitagesbart-Hipster, der allerdings schon härtere Rollen im italienischen Kino gespielt hat.

Und im Wettbewerb ist eine einzige Regisseurin die Chinesin Vivian Qu mit "Angels Wear White".

Den Bogen zur in den Giardini seit Mai laufenden Kunstbiennale schlägt diesmal auf der Filmseite am Freitag der Künstlerdissident Ai Weiwei mit seinem Dokumentarfilm "Human Flow" über flüchtende Menschen in aller Welt. Es ist eine deutsch-chinesische Koproduktion und damit einer der wenigen aufblitzenden, kleinen deutschen Aspekte des diesjährigen Filmprogramms ohne deutschen Film im Wettbewerb.

Sicher ist sicher: Der Polizist isst schnell noch ein Eis

Nur "Krieg" in der Kunstfilmreihe "Orrizonti" von Rick Ostermann mit Ulrich Matthes und Barbara Auer ist kommende Woche ans Ende des Festivals gesetzt. Morgen werden nach den US-Stars von "Downsizing" Ethan Hawke und Amanda Seyfried am Lido mit Paul Schraders evangelikalem Religionsfilm "First Reformed" erwartet.

Aber jetzt, kurz vor dem Start, beziehen erst einmal die Carabinieri Posten an den Betonpfosten, die das Festival abschirmend schützen sollen. Aber auch hier herrscht Entspannung. Einer der Polizisten isst noch schnell ein Eis und lässt sich auf ein kurzes Gespräch ein, warum Italien noch keinen größeren islamistischen Terroranschlag erlebt hat: Zufall? "Vielleicht. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass wir halt viele reinlassen und uns aus Kriegen raushalten."


Polizisten vor dem Festivalpalast am Lido. Foto: Stinellis/AP/dpa

Eine schöne Idee, und sein Eis in der Asphalthitze vor dem weißmarmornen Palazzo war weder facebook-blau noch zitronengelb, sondern pastellorange von der Honigmelone.

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