Kritik

"Resident Evil: Welcome to Raccoon City": Ansteckende Nostalgie

Der Actionhorrorfilm "Resident Evil: Welcome to Raccoon City" verbeugt sich vor den Anfängen des Videospiels.
| Florian Koch
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Robbie Amell als Chris, Chad Rook, Hannah John Kamen als Jill Valentine und Tom Hopper.
Robbie Amell als Chris, Chad Rook, Hannah John Kamen als Jill Valentine und Tom Hopper. © Constantinfilm

Das Verfilmen von Videospielen erinnert an das verzweifelte Vorgehen von Safeknackern. Denn als Beute wittern Film-Produzenten Millionen. Den Code für eine knackige Adaption besitzen aber nur die wenigsten Kreativen. Der Absturz von "Doom" oder "Super Mario Bros." an der Kinokasse ist aber systemimmanent, denn die meisten Videospiele bieten vielleicht ästhetische Attraktionen, nicht jedoch ausgefeilte Charaktere, die dem Kinogänger seinen fehlenden Joystick vergessen lassen.

Neuer "Residen Evil"-Regisseur drückt Reset-Knopf

Paul W.S. Anderson gelang es dennoch, die 90 Millionen Mal verkaufte "Resident Evil"-Reihe zu einem Goldesel für die Münchner Rechteinhaber Constantin Film werden zu lassen. Er entfernte sich dabei rabiat von den Ursprüngen des japanischen Survival-Computerspiels und inszenierte seine Gattin Milla Jovovich lieber als übermächtige Lack-und-Leder-Heldin, die den Zombies in stilisierten Bildern einheizte.

Johannes Roberts, der jetzt für einen siebten Teil das Regie-Ruder übernommen hat, drückt nun den Reset-Knopf. Werktreu auch in der Einheit von Zeit und Raum kombiniert der B-Picture-Könner ("47 Meters Down") das klaustrophobische Szenario der 1996 und 1998 erschienenen ersten beiden Teile der Reihe. Was auch zur Folge hat, dass fast der gesamte Film in einer Parallelhandlung zwischen Bruder und Schwester erzählt ist.

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Zombies in Raccoon City: Konfrontation mit gefräßigen Mutanten

Den spannenderen Part hat Claire (Kaya Scodelario), eine unterkühlte Tramperin, die eines Nachts an den Ort ihres Kindheitstraumas zurückkommt: Raccoon City. Ein Pharmariese nutzte diese künstliche Kleinstadt für grausame, an die NS-Zeit erinnernde Menschenexperimente, darunter auch an Kindern wie Claire. Um Nachforschungen zu verhindern, will man nun das weitestgehend verlassene Gelände dem Erdboden gleichmachen. Claire aber weiß, dass hier noch ihr systemtreuer Bruder Chris (Robbie Amell) als Polizist tätig ist und möchte ihn aus dem Inferno befreien.

Chris wiederum soll mit einem Team, darunter Spiele-Liebling Jill Valentine (Hannah John-Kamen), in einer im Wald gelegenen Villa nach dem Rechten sehen. Die Zweiteilung des Plots führt letztlich bei Bruder und Schwester zum selben Ergebnis: der Konfrontation mit gefräßigen Mutanten, die vom gefährlichen T-Virus befallen sind. Die Frage, warum nur die Cops mit einem Impfstoff versorgt wurden, hat in der heutigen Corona-Debatte eine ganz neue Brisanz. Ansonsten geht Roberts in seiner auf die Gamer-Zielgruppe fokussierten Verfilmung auf Nummer Sicher und kombiniert die schaurigen Elemente des "Resident Evil"-Spiels mit dem unoriginellen, aber kurzweiligen Zitieren von Filmvorbildern wie John Carpenters "Das Ende".


Kinos: CinemaxX, Mathäser, R: Johannes Roberts, (USA, 107 Min.)

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