Regisseur schwärmt über München: Was ihm besonders gut gefällt

Ein Taxifahrer mit unausgeglichenem Karma-Konto landet im Himmel, fühlt sich unwohl und wird gleich wieder hinuntergeschickt. David Dietl hat in "Ein Münchner im Himmel - Der Tod ist erst der Anfang" eine bekannte Satire von Ludwig Thoma neu verfilmt – mit Maximilian Brückner als Stenz und damit in einer Rolle, die der von Dietls Vater Helmut gemeinsam mit Patrick Süskind erfundenen Figur des Monaco Franze ein wenig ähnelt.
AZ: Herr Dietl, ist der Taxifahrer Ihres Films als Hommage an Ihren Vater zu verstehen?
DAVID DIETL: Die Frage würde ich gerne zurückgeben: Wie haben Sie’s denn empfunden?
Der Eindruck hat sich mir schon aufgedrängt, zumal der Film von zwei komplizierten Vater-Kind-Beziehungen handelt.
"Ein Münchner im Himmel - Der Tod ist erst der Anfang" ist ein persönlicher Film, in den die Beziehung und das Verhältnis zu meinem Vater eingeflossen ist. Seit seinem Tod vor über zehn Jahren dachte ich über einen Film nach, der sich mit dem Tod, dem Verlust, der Trauer und dem Umgang damit auseinandersetzt, weil das bis dahin für mich ein Tabu-Thema war. Ich habe mich davor gefürchtet, anderen Menschen zu kondolieren, weil ich keine alten Wunden aufreißen wollte und dann selber gemerkt, wie gut das einem tut. Bei der Recherche bin ich auf Ludwig Thomas' Kurzgeschichte gestoßen. Und so entstand die Idee, beides zu verweben.

Ludwig Thomas Text ist nur wenige Seiten lang. Die Handlung reicht kaum für einen Film und endet rasch im Hofbräuhaus.
Daher war es mir wichtig, das mit einer versöhnlichen Vater-Kind-Beziehung im Angesicht des Todes zu verbinden. Dass der Wiggerl am Anfang was von einem Stenz hat, war nicht als Hommage gedacht, kommt aber nicht unabsichtlich. Mir ging es darum, einen Mann zu zeigen, der keine Verantwortung für seine Tochter übernimmt, sich als etwas aus der Zeit gefallener Lebenskünstler durchschlägt und Mitte 40 noch in der Illusion lebt, als Musiker durchzustarten.
Versöhnung, miteinander reden, Barrieren abbauen
Wie Sie das erzählen, klingt es fast tragisch. Ihr Film ist aber eine Komödie.
Beides liegt für mich eng beisammen. Ich finde es wichtig, auch in der Trauer zu lachen und beim Thema Tod auch den Humor zuzulassen. Auf dem Land ist es durchaus üblich, dass beim Leichenschmaus Musik spielt und Anekdoten erzählt werden. Das ist ein Umgang mit dem Tod, den ich in der Stadt eher selten erlebe. Bei der Himmels-Episode habe ich mir schon erlaubt, wie in der Vorlage humoristisch mit einem grantelnden Münchner in die Vollen zu gehen.

Bei Ihnen schafft es der Himmels-Rückkehrer gar nicht ins Hofbräuhaus, und die göttliche Weisung an die Regierung landet in der Isar. Was steht denn in dem Brief?
Thoma verrät es ja auch nicht, daher haben wir es 120 Jahre später für vermessen gehalten, Wiggerl das Kuvert öffnen zu lassen. Aber die Themen des Films wie Versöhnung, miteinander reden, alte Fronten abzubauen und neue Chancen zu nutzen, die könnten darin auch vorkommen.

Der Himmel ist im Kunsthistorischen Museum in Wien gedreht. Das hat täglich außer Montag offen - wie geht das?
Wir durften am Sonntag nach Schließung hinein und haben über Nacht aufgebaut, am Montag gedreht und am Nachmittag mit dem Rückbau begonnen, damit das Museum am Dienstag wieder öffnen konnte. Das war eine logistische Meisterleistung meines Teams.
Sie sind in Los Angeles geboren. Haben Sie einen Blick von außen auf München?
Ich kam im Alter von drei Jahren nach München, habe später in Berlin studiert und lebe seit zehn Jahren wieder hier. München ist die perfekte Stadt, um Kinder in die Welt zu setzen und sie hier aufwachsen zu lassen. Um zu begreifen, wie gut man’s hier hat, muss man die Stadt allerdings zwischendurch verlassen.

Interessant fand ich, dass Ihr Taxler Elektroroller hasst, weil ich selber seit ihrer Einführung kaum mehr Taxi fahre.
Bei Thoma ist die Hauptfigur ein Dienstmann, der die konkurrierenden "Roten Radler" hasst. Beides gibt es nicht mehr, und daher mussten wir uns einen Ersatz überlegen. Wir dachten erst an Uber, da aber viele Taxler auch für Uber fahren, passte das nicht. Daher kamen wir auf die Roller, die das Geschäft an Kurzstrecken verderben.
Am Beginn Marktforschung
Wie haben Sie die beeindruckende Besetzung mit Maximilian Brückner, Heiner Lauterbach, Michaela May, Maxi Schafroth, Olli Schulz, Robert Palfrader und Sigi Zimmerschied zusammenbekommen?
Mit einigen hatte ich schon gearbeitet, andere fanden das Buch gut. Und dann konnte ich vielen erzählen, wer schon dabei ist. Die wollten dann auch mitmachen. Ina Müller, die in Hamburg lebt, kannte den "Münchner im Himmel" von Adolf Gondrells Schallplatte, die ihre Großeltern hatten, fast auswendig.
Ich hatte den Eindruck, dass der "Brandner Kaspar" als Geschichte vom bayerischen Sterben den "Münchner im Himmel" fast völlig verdrängt hat.
Das hat sicher auch mit der tollen Inszenierung am Volkstheater mit Maxi Brückner als Brandner Kasper zu tun, das schon seit über 20 Jahren immer wieder gespielt wird. Wir haben anfänglich eine Marktforschung gestartet und festgestellt, dass 80 Prozent der Befragten den "Münchner im Himmel" kennen – die Jüngeren in erster Linie durch die Figur im Hofbräu-Zelt auf der Wiesn. Mir war allerdings immer auch unser Zusatztitel "Der Tod ist erst der Anfang" wichtig, weil der Film die Kurzgeschichte von Thoma weitererzählt.

Sie bringen heuer noch einen zweiten Film heraus: eine Neuverfilmung von Erich Kästners "Emil und die Detektive".
Es ist mein erster Kinderfilm. Kästner ist ein Autor, der seiner Zeit weit voraus war und immer noch eine tolle Geschichte über Zusammenhalt gegen Vorurteile erzählt. Der Film kommt Ende September heraus.
"Ein Münchner im Himmel - Der Tod ist erst der Anfang" startet am Donnerstag.