Michael Bully Herbigs Comedy-Serie: Geiz mit dem Lachreiz!

Michael Bully Herbig bestraft in der starbesetzten Comedy-Serie "LOL: Last One Laughing" jede zündende Pointe.
| Florian Koch
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Michael Bully Herbig freut sich, wenn er einen Komiker beim Lachen ertappt.
Michael Bully Herbig freut sich, wenn er einen Komiker beim Lachen ertappt. © Amazon

Muskeln lockern, Glückshormone freisetzen, angestaute Emotionen lösen: All das bewirkt Lachen. Nur was passiert, wenn selbst ein Grinsen streng verboten ist, jedes Lächeln unbedingt vermieden werden muss? Wird man dann krank?

Verkrampfte Grimassen und verformte Gesichter

Blickt man als Zuschauer in der sechsteiligen Comedy-Show "LOL: Last One Laughing" in die verkrampft von Grimassen verformten Gesichter, könnte man zu diesem Schluss kommen. Der Clou: Diese Lach-Verweigerer sollen eigentlich von Berufs wegen Menschen zum Lachen bringen. Die von der Constantin für den Streaming-Riesen Amazon Prime produzierte Miniserie spielt jedenfalls genüsslich doppelbödig mit dem eigenen Motto: "Wer zuerst lacht, fliegt - wer zuletzt lacht, gewinnt". Denn für das sechsstündige Bühnen-Experiment wurden mit Anke Engelke, Barbara Schöneberger, Carolin Kebekus, Max Giermann, Kurt Krömer, Wigald Boning, Torsten Sträter, Rick Kavanian, Mirco Nontschew und Teddy Teclebrhan nur populäre Lachexperten eingeladen. Was einerseits schade ist, da sich der deutsche Comedy-Nachwuchs so nicht vor einem Millionenpublikum beweisen kann. Andererseits hat diese Konstellation des alten Klassentreffens auch den Reiz, zu sehen, wer aus seiner bühnenerprobten Rolle überhaupt noch heraustreten kann und will.

Ein urkomisches Sozialexperiment

Geleitet wird das - an Big Brother erinnernde und aus Japan stammende - Sozialexperiment von Michael Bully Herbig. Eine stimmige Besetzung, denn der "Schuh des Manitu"-Macher kennt nicht nur die Probanden, sondern hat sich in den letzten Jahren auch als Regisseur bewährt. In "LOL: Last One Laughing" überwacht Herbig jetzt die improvisierte Spielsituation von sicherer Warte aus in einem gemütlichen "Control Room". Den 40 installierten Kameras entgeht kein Zucken der Mundwinkel. Und wenn einem Comedian versehentlich doch das Gesicht entgleist, schrillt die rote Alarmsirene, verliert der jeweilige Teilnehmer wie beim Computerspiel ein Leben. Und sollte er oder sie dann noch einmal patzen, wird der Auftritt gnadenlos beendet.

Die ernsteste Miene erwartet ein Preisgeld

Als Anreiz für den letzten ernsten Mitspieler winken 50.000 Euro, die für einen guten Zweck gespendet werden, und natürlich auch die Ehre und der Kitzel, es mal den Kollegen gezeigt zu haben. Was das Spiel im Spiel zusätzlich auflockert, ist die Möglichkeit per Gongschlag das eigene Programm vortragen zu können, um damit möglichst auch genügend Lacher zu erzeugen. Und auch wenn sich die Komiker in unnötigen Interview-Einspielern etwas eitel gegenseitig immer wieder loben, ist der Siegeswille nicht nur bei der dauerangespannten Carolin Kebekus unverkennbar.

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Heino singt mit Helium

Zu Beginn wagen sich die Komiker noch wenig aus ihrer Komfortzone, arbeitet sich ein Rick Kavanian stimmerprobt an verschiedenen Dialekten ab, während Jungspund Teddy Teclebrhan mit einem elektronischen Nachplapper-Hamster die Showoffensive sucht. Was bei "LOL: Lost One Laughing" den Überraschungseffekt erhöht, ist neben der Möglichkeit die in einem Nebenzimmer deponierten Requisiten einzusetzen, auch der Gestaltungswille von Herbig. So lässt er es sich nicht nehmen, plötzlich Heino auftreten zu lassen, der mit Helium seine Gesangsstimme bizarr moduliert. Wer bei dem harmlosen Spaß zuerst am Ernst der Lage scheitert, wird hier nicht verraten. Nur soviel: Wohl selten ist in einer Bühnensituation mehr Komik dadurch erzeugt worden, dass zehn Menschen mit aller Gewalt und unterschiedlicher Technik alles daransetzen, um das eigene Lachen zu unterdrücken - auch wenn eine solch abweisende Reaktion der Zuschauer realiter paradoxerweise wohl irgendwann die jeweilige Karriere beenden würde.

Ab 1. April auf Amazon Prime

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