Kritik

"Königin des Nordens" im Kino: Frau für den Frieden

Trine Dyrholm überzeugt in "Die Königin des Nordens" als eine überragende Diplomatin des Mittelalters.
| Margret Köhler
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Margrete (Trine Dyrholm) eint die Schweden, Dänemark und Norwegen zu einer Allianz.
Margrete (Trine Dyrholm) eint die Schweden, Dänemark und Norwegen zu einer Allianz. © Dušan Martinèek / SF Studios

Intrigen, Verrat, Machtgier, Emotionen. Alles, was ein fiktionales Historiendrama basierend auf wahren Begebenheiten spannend macht, kommt hier zusammen. Und fast ohne das übliche blutige Schlachtengetümmel.

Das gibt es nur kurz am Anfang: Der König von Dänemark, der 1361 mit seinen Kriegern die Insel Gotland erobert hat, trägt sein Töchterchen Margrete auf dem Arm und sie hört die gellenden Schmerzensschreie, blickt entsetzt auf ein mit Leichen übersätes Feld: ein grausames Bild, das sich ihr einbrennt und ihr späteres Handeln bestimmt.

Die Begründerin des Großreiches lenkt souverän die Geschicke der drei Länder

Ein Zeitsprung folgt: Fast 40 Jahre später ist aus dem Mädchen eine Visionärin geworden, die Schweden, Dänemark und Norwegen zu einer friedlichen Allianz in Wohlstand vereinigt hat, die ungekrönte "Königin des Nordens". Ihr leiblicher Sohn Oluf starb 17-jährig, sie adoptierte ihren Großneffen Erich von Pommern, der erst 1396 nach Schweden auch durch Dänemark und Norwegen als Erbkönig anerkannt wurde.

Die Begründerin des Großreiches, der so genannten Kalmarer Union (1397-1523), lenkt souverän die Geschicke der drei Länder, während Erich (auch Erik genannt) wenig von Diplomatie und Staatsführung versteht. Um gegen eine mögliche Invasion der deutschen Hanse gewappnet zu sein und das Bündnis durch eine Weltmacht zu stärken, fädelt sie die Hochzeit von Erik mit der erst achtjährigen Prinzessin Philippa von England ein. Vor ihr liegen komplizierte Verhandlungen mit dem gleichzeitig angereisten englischen Gesandten.

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Trine Dyrholm als perfekte Besetzung für "Königin des Nordens"

In dieser schwierigen Gemengelage taucht ein mysteriöser Fremder auf, beharrt darauf, ihr angeblich toter Sohn Oluf zu sein und reklamiert nach 15 Jahren dubioser Abwesenheit seinen Anspruch auf den Thron. Wer dieser Mann wirklich ist, der behauptet, jahrelang auf Rügen eingekerkert gewesen zu sein, wird nie geklärt. Man muss schon aufpassen, sich in Charlotte Sielings Mittelaltergeschichte nicht im Zeitrahmen zu verirren, zumal sie mit immer neuen Wendungen überrascht und offen bleibt, welche Handlungskurve als nächstes ansteht.

Trine Dyrholm ist einfach perfekt. Sie spielt diese starke und kluge Frau, die sich gegen einen Haufen von Intriganten und Kriegstreibern durchsetzen muss, die ihr Lebenswerk, die Verständigung und den Frieden in Skandinavien, in Frage stellen und eine Entscheidung zwischen politischer Macht und persönlichen Gefühlen provozieren.

"Die Königin des Nordens" ist mehr als ein bis in die kleinste Nebenrolle bestens besetzter und bis ins letzte Detail stimmiger Kostümfilm mit großem Schauwert und einer grandiosen Landschaft von weiten Wäldern, kantigen Klippen und grauem Meer mit Sogpotenzial. Der Film nimmt mit in den mittelalterlichen Alltag am Hofe mit festlichen Gelagen, geheimen Treffen, verbotenen Liebschaften, politischen Verschwörungen.

Die dänische Regisseurin zeichnet das vielschichtige Porträt einer in sich zerrissenen Persönlichkeit, die hinter einem unbewegten Gesicht über das nur selten ein Lächeln huscht, ihre Gefühle kontrolliert, sich keine Schwäche erlaubt, nur einen kurzen Moment der Verunsicherung zulässt. Der Faszination dieses Gesamtkunstwerks und einer außergewöhnlichen und ambivalenten Heldin kann man sich nur schwer entziehen.


<em>Kino</em>: City, Rex, Rottmann, Monopol (auch OmU), R: Charlotte Sieling (DK, 120 Min.)

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