Kinokritik zu "Cortex": Verworrene Wirklichkeitsebenen

Das Mystery-Traumspiel "Cortex": Moritz Bleibtreu geht als Regisseur, Autor und Produzent nicht auf Nummer Sicher.
| Florian Koch
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Moritz Bleibtreu als Hagen in einer Szene des Films "Cortex".
Moritz Bleibtreu als Hagen in einer Szene des Films "Cortex". © Gordon Timpen/Warner Bros./dpa

Til Schweiger, Matthias Schweighöfer, Florian David Fitz. Ein Trio, das nicht nur vor, sondern auch hinter der Kamera in verschiedenen Rollen steht. Zu diesem Kreis stößt nun auch Moritz Bleibtreu mit einem Regiedebüt. Mit dem entscheidenden Unterschied, dass sich der 49-Jährige in "Cortex" nicht nur als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent versucht, sondern filmisch keineswegs auf Nummer Sicher geht.

Bleibtreu spielt unsympathischen Kaufhausdetektiv

Ob die Zuschauer Bleibtreu bei seinem Mystery-Traumspiel auch folgen? Der Star aus unzähligen Hits wie "Lola rennt" und "Soul Kitchen" übernahm für sein Herzensprojekt gegen seinen Willen, aber aus kommerziellen Gründen auch die Hauptrolle. Ein Wagnis, denn Bleibtreus gewohnte Dynamik ist in der Rolle des Hagen, ein in sich gekehrter, unsympathischer Kaufhausdetektiv, nicht zu finden.

Diese abweisende Trägheit hat aber einen Grund. Hagen leidet an Hyposomnie, einer Schlafstörung, die sich aus Träumen bedingt, die so intensiv sind, dass sie einem jede Kraft für den Tag rauben.

Im Film zwischen Traum und Realität gefangen

Trotz aller Warnungen seiner Frau Karoline (Nadja Uhl) will Hagen nicht ins Schlaflabor, den Kampf gegen das Unterbewusstsein lieber selbst ausfechten - auch wenn er kaum noch zwischen Realität und Traum unterscheiden kann und ihm der Kleinkriminelle Niko (Jannis Niewöhner), der auch noch eine Affäre mit Karoline hat, irritierenderweise in beiden Welten begegnet.

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Um die Parallelen dieser in verschiedenen Milieus existierenden, aber sich beide in ihren Leben gefangen fühlenden Menschen zu illustrieren, zieht Bleibtreu gemeinsam mit seinem kongenialen Kameramann Thomas W. Kiennast alle Register. Bläuliche-düstere Farbfilter und kunstvolle Überblendungen erschaffen eine elegante Film-Noir-Atmosphäre, die in den besten Momenten an die von Einsamkeit und Leere geprägten Werke Edward Hoppers erinnern.

Hommage an Kino-Blockbuster wie "Inception"

Die vertrackte Geschichte, die sich vor David Lynch ("Lost Highway") und Christopher Nolan ("Inception") verbeugt, kann da trotz gelungener Gastauftritte wie von Nicholas Ofczarek als fiebrigem Traumdeuter nicht ganz mithalten.

Die Kapriolen in der Story, die auch nicht vor dem aus Komödien bekannten Körpertausch-Thema haltmacht und spannende Fragen aufwirft (Was wäre, wenn wir unsere Träume aktiv beeinflussen können?) führen aber dazu, dass man nie mit den Figuren warm wird und ihre Schicksale einen irgendwann kalt lassen - im Traum und in der Realität.


Kino: Arri und Monopol
Buch & Regie: Moritz Bleibtreu (D, 96 Min.)

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