"Cortex": Moritz Bleibtreus Regiedebüt "war eine riesengroße Reise"

Moritz Bleibtreu schrieb für den psychologischen Thriller "Cortex" das Drehbuch, übernahm die Hauptrolle und führte erstmals Regie. Ob er mit seinem Regiedebüt zufrieden ist, was ihn zum Film inspirierte und warum er auch die Hauptrolle übernommen hat, verrät er im Interview.
| (jom/spot)
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Moritz Bleibtreu in seiner Rolle als Hagen.
Warner Bros. Germany/Gordon Timpen Moritz Bleibtreu in seiner Rolle als Hagen.

Mit "Cortex" (Kinostart 22. Oktober) feiert Moritz Bleibtreu (49, "Soul Kitchen") sein Regiedebüt. "Es war eine riesengroße Reise und ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis", erklärt der Schauspieler im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news. Er sei vor allem den Leuten wahnsinnig dankbar, die mit ihm den Film zusammen realisiert hätten. "Ich musste ja so tun, als wüsste ich, was ich da mache und da hat mir mein Kameramann Thomas Kiennast massiv geholfen."

Sehen Sie hier Moritz Bleibtreu in "Nur Gott kann mich richten".

Im Film plagen Hagen (Moritz Bleibtreu) unkontrollierte Schlafphasen, in denen er zwischen Traum und Realität nicht mehr unterscheiden kann. Die festgefahrene Beziehung zu seiner Frau Karoline (Nadja Uhl) leidet darunter und ihr Seitensprung mit dem Kleinkriminellen Niko (Jannis Niewöhner) setzt eine verstörende Verkettung der Geschehnisse in Gang. Es beginnt ein Albtraum zwischen Wirklichkeit und Traum. Bleibtreu schrieb das Drehbuch, agierte als Produzent und übernahm eine der zentralen Hauptrollen.

"Die Idee, einen BodySwitch-Film zu machen, der psychologisch und nicht auf witzige Art an das Thema herangeht, ist bereits vor rund zehn Jahren entstanden", erklärt Bleibtreu. Er habe seitdem zeitgleich an mehreren Büchern geschrieben und auch geschauspielert. "Bei den Stoffen, die ich entwickelt habe, habe ich mich irgendwann an diesem festgebissen. Ich wollte, wie Quentin Tarantino immer so schön sagt, einen Film machen, den ich selbst gerne auf einer Leinwand sehen wollen würde." Eine große Inspiration sei dabei auch Christopher Nolans "Memento" aufgrund der Erzählstruktur gewesen. "Ich fand das so eigen und neu, das hat mich umgehauen und ich wollte sofort selbst so etwas machen."

Identitätsfrage in der Gesellschaft

Als Schauspieler beschäftige er sich tagtäglich mit vertauschten Identitäten und damit "so zu tun, als ob man jemand anderes wäre." Gleichzeitig sei es ein markantes gesellschaftliches Phänomen und auch Problem: "Wie viele Menschen leben wirklich das Leben, was sie gerne leben möchten? Viele haben möglicherweise eine falsche Abzweigung genommen und machen gar nicht das, was sie wirklich tun wollen", sagt Bleibtreu. Als Ausflucht träumten sie sich dann in andere Menschen hinein. Er selbst sei durch die Arbeit als Schauspieler "froh, wenn ich mal Moritz sein kann, ich bin ganz gerne bei mir selbst."

Bleibtreus Film beschäftigt sich auch mit Klarträumen, in denen der Träumer sich dessen bewusst ist, dass er träumt und nach eigenem Entschluss handeln kann. Es sei eine Wissenschaft und nichts, was man eben mal nebenbei mache, erklärt der Regisseur. "Man fängt mit Traumtagebüchern an und es wird einem bewusst, was und wann man träumt und wann nicht. Das lässt sich dann irgendwann angeblich steuern. Es gibt Leute, die behaupten, jede Nacht Partys am Strand von Jamaika zu feiern." Und wie stehe es um seinen eigenen Schlaf? Er selbst sei nicht der beste Einschläfer, sagt Bleibtreu. "Mein bestes Mittel ist Arbeit, wenn man sich richtig auspowert, dann schläft man auch gut."

Besetzung der Hauptrolle war lange unklar

Dass er in seinem Regiedebüt eine Hauptrolle übernommen habe, sei nicht geplant gewesen. "Ich wollte gar nicht mitspielen. Ich habe den Fehler gemacht, das Buch ins Blaue hinein zu schreiben, ohne Schauspieler im Kopf gehabt zu haben. Das mache ich nie wieder. Man kommt in Teufels Küche." Beim Casting seien nur noch sechs Wochen bis zum Drehbeginn Zeit gewesen, die Rollen zu besetzen. "Ich habe niemanden so richtig gefunden und dachte mir, bevor ich eine halbherzige Entscheidung treffe, nehme ich mich lieber selber und muss den Schwarzen Peter bei mir lassen, wenn es nicht funktioniert."

Bei der weiteren Besetzung habe er das große Los gezogen: "Nadjas besondere Qualität ist das stumme Spiel, für den nicht gerade dialoglastigen Film war das perfekt. Jannis habe ich seit Jahren auf dem Zettel, ein unheimlich wilder, feiner, intelligenter Spieler." Das Fazit nach seiner ersten Arbeit hinter der Kamera: Neben der Schauspielerei wolle er zukünftig auch dem Regiestuhl treu bleiben, erklärt Bleibtreu. "Ich sitze an weiteren Sachen und hoffe, dass man mich weiter Filme machen lässt."

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