Kino-Kritik zu "Mrs. Taylor's Singing Club": Der falsche Tonfall

Simpel, klischeehaft, langweilig: "Mrs. Taylor's Singing Club" mit Kristin Scott Thomas und Sharon Horgan.
| Dominik Petzold
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Er wird als "Feelgood-Film" beworben. Seine Protagonistinnen, allesamt britische Soldatenfrauen, fühlen sich also gut, derart gut, dass sich ihre Laune auf das Publikum übertragen soll. Dabei sind ihre Ehemänner im Krieg. Aber diese tapferen Frauen haben einen passenden Ausgleich für Stress, Angst und Leid gefunden: den gemeinsamen Chorgesang.

"Mrs. Taylor's Singing Club":  Mit dem Holzhammer

Es gibt solche britischen Soldatenfrauen-Chöre tatsächlich, wie im Abspann zu sehen ist, aber die passende interessante Geschichte dazu gibt es offenbar nicht. Deshalb schusterten die Drehbuchautorinnen Rosanne Flynn und Rachel Tunnard einen Plot zusammen. Der ist derart schlicht, dass man parallel das Buch "Drehbuch für Anfänger" lesen könnte: Der Film würde holzhammerhaft die passenden Beispiele liefern.

Klischee bedient: Chorleiterin hat die passende Gegenspielerin 

So wird dieser "Singing Club" nicht nur von Offiziersgattin Kate Taylor (Kristin Scott Thomas) geleitet - sie hat auch die passende Gegenspielerin: Lisa (Sharon Horgan). Die organisierte zuvor die sozialen Aktivitäten der Soldatenfrauen, etwa gemeinsames Stricken, nun stehen beide gemeinsam dem Chor vor. Und sie sind, klar, höchst gegensätzlich: Die steife Kate will den neu gegründeten Chor systematisch und zunächst mit Stimmübungen schulen, die entspannte Lisa dagegen lässt die Kolleginnen gleich mal den Achtziger-Hit "Don't You Want Me" schmettern. Uneinig sind sie sich auch in der Frage, ob sie nach Noten singen sollten.

"Mrs. Taylor's Singing Club": Peinlicher Umgang mit Musik

Natürlich raufen sich die beiden Frauen in diesem Feelgood-Movie allmählich zusammen, überwerfen sich zwischendrin wieder und finden letztlich doch zueinander. Und auch das ist von vornherein klar: Der Chor, dessen Klang Lisa anfangs an das "rituelle Geheul von Hexen" erinnert, wird sich allein dank des kollektiven Enthusiasmus gewaltig steigern und am Ende vor großem Publikum über sich hinauswachsen.

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Dazwischen liegen knapp zwei Stunden, in denen wenig und schon gar nichts Interessantes passiert. Der Stress, den es bedeuten muss, wenn der Mann in Lebensgefahr ist, wird nicht spürbar. Und die junge Sarah (Amy James-Kelly), deren Mann im Krieg tatsächlich stirbt, singt einfach weiter im Chor und findet dabei ihre Laune wieder.

Wirklich ärgerlich ist auch, wie ignorant die Filmemacher mit ihrem Thema umgehen: der Musik. In Mrs. Taylors Chor singen auch höchst unmusikalische Damen, die keinen Ton treffen und das logischerweise nicht merken, allen voran Ruby (Lara Rossi).

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Dass am Ende jede Note wie von Zauberhand sitzt, mag man noch tolerieren, anders würde die schlichte Dramaturgie eben nicht funktionieren. Aber der erste Auftritt des Chors ist eine Zumutung. Er geht natürlich in die Hose: Das Naturtalent der Gruppe, die ansonsten elfenhaft singende und exakt intonierende Jess (Gaby French), singt vor lauter Nervosität nicht etwa schief, sondern durchgängig in einer anderen Tonart.

Das ergibt keinen Sinn, und das hätte vielleicht jemand Regisseur Peter Cattaneo mit einem Vergleich aus dessen Metier erklären sollen: Wenn ein Schauspieler so nervös wäre wie die arme Sängerin hier, dann würde er sich vielleicht verhaspeln, würde Wörter verschlucken, verdrehen oder vergessen. Aber er würde seinen Text nicht auf Chinesisch aufsagen.


Kinos: Cinemaxx, Rio, Leopold und Monopol (auch Omu) sowie Museumslichtspiele (OV), Regie: Peter Cattaneo (GB, 112 Minuten)

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