"Ich bin dein Mensch" im Kino: Rumba mit dem Roboter

Maria Schrader stellt in "Ich bin dein Mensch" philosophische Beziehungsfragen.
| Margret Köhler
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Artikel empfehlen
Almas (Maren Eggert) Partner Tom (Dan Stevens) ist perfekt - aber kein Mensch aus Fleisch und Blut.
Almas (Maren Eggert) Partner Tom (Dan Stevens) ist perfekt - aber kein Mensch aus Fleisch und Blut. © Christine Fenzl/ Majestic Filmverleih

Auf allen Dating-Plattformen wird er verzweifelt gesucht, der ideale Partner, der uns jeden Wunsch von den Augen abliest und nur eins im Sinn hat, uns glücklich zu machen. Natürlich muss er fesch ausschauen, uns beim Sex nach einem subtilen Vorspiel zum Orgasmus bringen und morgens das erlesene Frühstück ans Bett.

Altmodische Komplimente von Tom, dem humanoiden Roboter 

So einen Prachtkerl mit blitzblauen Augen soll Wissenschaftlerin Alma (Maren Eggert) gegen gutes Honorar in einer außergewöhnlichen Studie für drei Wochen testen. Wie im richtigen Leben gibt es auch hier einen Haken: Tom (Dan Stevens) ist nicht aus Fleisch und Blut, sondern ein humanoider Roboter.

Beim ersten Treffen und Rumba-Tanz mit altmodischen Komplimenten wie "Deine Augen sind wie ein Bergsee" fällt in einer umwerfend komischen Szene die Maschine aus, aber nach der Reparatur funktioniert der Prototyp wie am Schnürchen.

Regisseurin Maria Schrader blickt in Seelenabgründe

Während sie ihn aber nur als komplex programmierten Algorithmus betrachtet und erst mal in der Besenkammer deponiert, verfügt er über die Fähigkeit, Einsamkeit zu vertreiben, Verlangen nach Liebe und Vertrauen zu erfüllen, inklusive Rosenblüten, Kerzen und perlenden Sekt im Schaumbad. Er ist frei von Angst, frei von Ambition, frei von Drang zur Selbstverwirklichung. Sich in so ein Geschöpf zu verlieben, passt nicht in Almas rationale Welt.

Lesen Sie auch

Das mag kitschig klingen, ist es aber mitnichten. Nach Motiven der gleichnamigen Erzählung von Emma Braslavsky trifft Maria Schrader, die mit der Netflix-Serie "Unorthodox" weltweit Erfolg feierte und nun in Hollywood einen Film über die Weinsteinaffäre dreht, in dieser märchenhaften Versuchsanordnung einen wunden Punkt. Sie blickt in Seelenabgründe und räumt rigoros psychologische Hürden beiseite, die uns vor emotionalen Verletzungen schützen sollen und irgendwie am Leben hindern.

Können die höheren Wesen den herkömmlichen Menschen obsolet machen?

Die Kollision von Verstand und Gefühl zu meistern, Begehren und Romantik zuzulassen, fällt schwer. Tom zerpflückt in seiner Naivität Pseudo-Witzchen, führt Schadenfreude, Egozentrik und Egoismus ad absurdum, entlarvt die gewohnten Beziehungsregularien als psychologische Krücken zum Glück.

Lesen Sie auch

Vielleicht hat Alma Angst, "dass Tom und seine künstlichen Gefährten die höher entwickelten Wesen sein könnten, jedoch nicht gewalttätiger und kälter, sondern altruistischer, zivilisierter. Höhere Wesen, die den herkömmlichen Menschen obsolet machen könnten", charakterisiert Schrader die Beziehung.

Maren Eggert für ihre Rolle mit dem Silbernen Bären geehrt

Am Ende dieses klugen und mit trockenem Humor gewürztem Blicks in die Zukunft steht die existenzielle Frage: Was macht unser Menschsein aus? Nach diesem manchmal philosophisch angehauchten, aber leicht beschwingten Mix aus Sci-Fi-Film und RomCom kommt man doch sehr ins Grübeln. Maren Eggert wurde für ihre Rolle mit dem Silbernen Bären bei der diesjährigen Berlinale geehrt.


R: Maria Schrader (D, 104 Min.); K: City München, Astor Film Lounge im Arri, ABC-Kino, Neues Arena, Neues Maxim

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – hier diskutieren Artikel empfehlen
0 Kommentare
Artikel kommentieren