"Generation Beziehungsunfähig": Neue Regeln für ein altes Spiel

Helena Hufnagel hat mit "Generation Beziehungsunfähig" eine smarte Sommerkomödie geschaffen.
| Margret Köhler
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Ghost (Luise Heyer) schnappt Timm (Frederick Lau) das letzte Eis weg.
Ghost (Luise Heyer) schnappt Timm (Frederick Lau) das letzte Eis weg. © Tom Trambow/Warner

Wisch und weg. Die Tinder-Generation fackelt nicht lange herum, ist cool und lässig. Ins Bett ja, Beziehung nein. Sich Festlegen ist von Gestern.

Auch Tim (Frederick Lau) ist auf Dating-Apps unterwegs und pflegt sein Single-Dasein, Frauen gibt's genug. Und wenn eine mal mehr will als nur ein Date, taucht er ab. Er rechtfertigt seinen Lebensstil mit seiner Beziehungsunfähigkeit, bis er auf "Ghost" trifft, die ihm das letzte Eis vor der Nase wegschnappt und dann auch noch mit seinem Carsharing-Auto ab düst. Auf der nächsten Party laufen sie sich wieder über den Weg, und anscheinend ist sie ähnlich drauf wie er. Schneller Sex auf dem Küchentisch, im Bad oder Schlafzimmer, dann Küsschen und Tschüss. Das geht eine Zeit lang gut, doch plötzlich wünscht sich der taffe Typ ganz traditionell eine klare Entscheidung.

Das Scheitern von Freiheiten und privatem Glück

Wie Helena Hufnagel ihre smarte Sommerkomödie nach Michael Nasts Titel gebenden bissigen Sachbuch-Bestseller über das Scheitern von Freiheiten und privatem Glück mit der umwerfenden Kombi von Frederick Lau und Luise Heyer enden lässt, ist vielleicht kein Überraschungscoup, aber sympathisch. Das tolle Schauspiel-Potenzial wäre allerdings noch ausbaufähig gewesen.

Die romantische Komödie wird hier zwar nicht neu erfunden, aber wie die beiden Liebenden, die keine sein wollen, sich umkreisen und beschnuppern, darauf achten, sich nur keine emotionale Blöße zu geben, das macht schon Spaß. Und wenn man ehrlich ist: Manche Situation ist wohl jedem bekannt, der im Flirtmodus ist.

Ghosting: Eine feige Lösung?

Die Angst vor Nähe ist größer als die Sehnsucht danach. Wer bisher noch keine Ahnung vom "Ghosting" hatte: Hufnagel packt dieses Phänomen unterhaltend an. So heißt der Trend, ohne Abschied oder Erklärung den Kontakt abzubrechen, wie ein Geist nach Sex, Dating, Freundschaft oder Beziehung einfach aus dem Leben des anderen zu verschwinden. Eine einfache, aber vielleicht auch feige Lösung, die auch Tim wie aus dem FF beherrscht. Aber natürlich fällt er aus allen Wolken als das "Ghosting" im selbst passiert.

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Und die Gespräche unter Machos in der Männer-WG bestätigen wunderbar jedes Vorurteil über männliche Kumpelei. Außerdem gibt es einige nette Nebenstränge: Neid auf den erfolgreichen Ratgeber schreibenden Vater, Stress in der Social-Media-Agentur, wo der verhinderte Schriftsteller seine Brötchen verdient und wo man nach " ökobewussten Influencern" sucht, ein Chef, der vom Job ausgebrannt sich in den Rhein plumpsen lässt, ein befreundetes Pärchen, das gegen den Trend sogar heiraten will und ein paar frustrierende One-Night-Stands. Aber man lernt auch, wie Männlein und Weiblein zu zweit gemütlich am Sonntag gemeinsam singeln können und wie Sex und Asia-Food sich wunderbar ergänzen. Das ist ja schon mal ein Anfang!


K: Astor, Cinemaxx, Gloria, Mathäser, R: Helena Hufnagel (D, 84 Min.)

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