Filmschoolfest Munich: Die große Talentshow

Das 40. Filmschoolfest Munich zeigt 50 Filme von 35 Filmschulen aus der ganzen Welt.
| Margret Köhler
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In "Das beste Orchester der Welt" bewirbt sich eine Socke als Kontrabassist bei der Wiener Staatskapelle.
In "Das beste Orchester der Welt" bewirbt sich eine Socke als Kontrabassist bei der Wiener Staatskapelle. © Filmschoolfest

München - Ab Donnerstag sollte das Jubiläum eigentlich rauschend gefeiert werden: 40 Jahre Filmschoolfest Munich. Doch Corona machte allen Plänen einen Strich durch die Rechnung. So findet das "Filmschoolfest 39 ½" digital und weltweit statt. Also keine berühmt-berüchtigten Partys und unkonventionellen Networkmethoden von Studierenden aus den renommiertesten internationalen Filmschulen, dafür gibt es zum Trost (bis 22. November) 50 Festivalfilme von 35 Filmschulen aus 22 Ländern meistens gefolgt von Gesprächen mit den Filmemachern.

Seit 1981 - damals hieß es noch Internationales Festival der Filmhochschulen - gilt München als wichtiger Treffpunkt für die Regisseure von Morgen. Größen wie Lars von Trier, Thomas Vinterberg, Caroline Link, Marcus H. Rosenmüller oder auch Detlev Buck präsentierten hier ihre ersten Werke einem großen Publikum. Auch wenn persönliche Begegnungen diesmal ausfallen, das breite Spektrum von Spiel- und Dokumentarfilmen, Animations- und Experimentalfilme informiert über Gefühlswelten und Interessen des internationalen Nachwuchses.

Julia von Heinz: "Die Arbeit als Jurypräsidentin war beglückend"

Ganz angetan vom Programm ist Jurypräsidentin Julia von Heinz, deren wuchtiges Drama "Und morgen die ganze Welt" wegen des Lockdowns nur wenige Tage im Kino laufen konnte: "Die Arbeit als Jurypräsidentin war natürlich beglückend - 50 Kurzfilme aus aller Welt in einer Zeit, in der ich selbst nur aus der Ferne zusehen darf, wie mein eigener Film um die Welt reist und ich keinen dieser Orte selbst besuchen darf."

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Sie erinnert sich noch gerne an 2003, als sie für ihren Kurzfilm "Lucie & Vera" vom Jurypräsidenten Peter Sehr eine "Lobende Erwähnung" erhielt. Die Jury-Sitzung fand bereits in einer Zoom-Sitzung statt, war aber "zum Glück genauso lebhaft und kontrovers wie bei einem persönlichen Treffen" berichtet Julia von Heinz, die gemeinsam mit vier weiteren Jurorinnen aus Indien, Schottland, USA und Ungarn über eine Vielzahl der mit insgesamt 35.000 Euro dotierten Preise entscheidet: "Wir waren wirklich beeindruckt von diesen großartigen Talenten und ihrer Erzählkraft. Denen sind wir schuldig, für das Kino einzutreten und laut dafür zu kämpfen, das dieser Rezeptionsort erhalten bleibt, auch in und nach Corona-Zeiten". Die offizielle Preisverleihung ist am 21. November um 20 Uhr online, inklusive Prämierung von zwei Publikumslieblingen.

Doku "Silver Firefly" geht an die Nieren

Ein Fokus der diesjährigen Auswahl aus insgesamt 242 Einreichungen liegt auf Geschlechteridentität und queeres Selbstbewusstsein, um das aufgrund gesellschaftlicher Repressalien immer noch gekämpft werden muss wie in "Drifting", wo ein während der Ein-Kind-Politik in China von seinen Eltern als Mädchen erzogener Junge als Heranwachsender mit seiner Männlichkeit konfrontiert wird.

Vor der gesellschaftspolitischen Wirklichkeit, wie die Gegensätze zwischen Arm und Reich, schreckt der Nachwuchs nicht zurück, an die Nieren geht die Doku "Silver Firefly" über Menschen in Buenos Aires, die als Außenseiter ihr Leben am Existenzminimum fristen und trotzdem die Hoffnung nicht aufgeben.

Highlight: "Das beste Orchester der Welt"

Als ganz besonderes Highlight wird "Das beste Orchester der Welt" aus Österreich gehandelt. Wenn sich eine Socke als Kontrabassist bei der Wiener Staatskapelle bewirbt, kann das trotz tollem Vorspiel hinterm Vorhang nur schiefgehen. Spielerisch packt Henning Backhaus ernste Themen wie Ausgrenzung und Vorurteile an, mischt gekonnt skurrilen Humor und leichte Melancholie zu einem amüsanten Trip ins musikalische Absurdistan. Rundum ein Vergnügen.

Erneut gibt es den Sonderwettbewerb "Climate Clips" zum Thema Klimawechsel. Zehn Beiträge konkurrieren um die ersten drei mit 9000 Euro dotierten Plätze und den Publikumspreis. Da haben sich die Teilnehmer einiges einfallen lassen. Die Vermüllung von Seen und Meeren wird aufs Korn genommen wie der Hang zum Handy und manchmal gibt es Zuversicht, dass Bäume sprießen, da wo wir es nicht erwarten. So richtig schön böse ist Jakob Grahls "Don't worry". Der Sprung eines Mädchens in die Meereswellen lässt Schlimmes befürchten, führt auf eine falsche Fährte und öffnet die Augen für den Plastikwahnsinn.

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Feine Love-Story: "Girl Meets Boy"

Wer wissen will, was Studierende an der HFF München bewegt, der ist beim HFF-Special mit fünf Filmen gut aufgehoben. Hier zwei Tipps: Leonard Hettichs vielschichtiges Porträt über Martin Lacey Jr.. Der Dompteur von Wildkatzen im Circus Krone nennt sich lieber "Der Tierlehrer", weil er nicht domestiziert, sondern sich in der Manege wie ein Löwe fühlt, auf "Augenhöhe" mit den Tieren, die dennoch Respekt zeigen.

Eine feine Love-Story erzählt Ferdinand Arthuber in "Girl Meets Boy". Ein Mann und eine Frau (Franziska Weisz, Carlo Ljubek) schließen einen kuriosen Deal ab. Bei ihren sporadischen Treffen dürfen keine Fragen über das Leben des Anderen gestellt werden, es heißt Momente genießen und Abwarten. Und siehe da, Liebe kann schön sein, ohne etwas vom Gegenüber zu wissen. Man muss sich eben auf Überraschungen einlassen. Offen für Überraschungen, nach diesem Motto sollte man auch das Programm des Filmschoolfests angehen.


Informationen zu den Tickets: www.filmschoolfest-munich.de - Einzelticket: 0,99 Euro, Programmblock (jeweils fünf Filme): 3,99 Euro, Festival-Pass: 12,99 Euro

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