"Eiffel in Love" im Kino: Ersatzbefriedigung

Ein romantisches Drama: "Eiffel in Love" ist nett, konservativ, aber dabei ein bisschen modern aufgehübscht.
| Adrian Prechtel
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Tochter aus höherem Hause (Emma Mackey) und der junge Ingenieur (Romain Duris).
Tochter aus höherem Hause (Emma Mackey) und der junge Ingenieur (Romain Duris). © Constantin Film

Vom Ästheten und Nostalgiker Marcel Proust gibt es das Bonmot, dass er täglich auf dem Eiffelturm zu Mittag speisen würde, weil es der einzige Platz in Paris sei, wo man das Monster nicht sehe.

 

Martin Bourboulon erzählt erotische Hintergrundgeschichte zum Eiffelturm

Wie es zu dieser endgültigen, damals modernistischen Umformung der Pariser Silhouette kam, erzählt das romantische französische Drama "Eiffel in Love". Der 300 Meter hohe Turm sollte nach der Demütigung im deutsch-französischen Krieg zur Weltausstellung 1889 zeigen: Wir sind wieder wer!

Regisseur Martin Bourboulon hat dazu die erotische Hintergrundgeschichte erzählt: wahr, was die historischen und ingenieurstechnischen Fakten, frei, was Privatgeschichten anbelangt. Dass Eiffel (Romain Duris) seinen "Turm für alle"- statt verschrauben, um ihn wieder abbauen zu können - vernieten lässt, liegt im Film daran, dass der Ingenieur sich beweisen wollte: gegenüber Politikern, die ihn nach einer Intrige mit seinem Projekt pleite gehen lassen wollten.

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Aber vor allem gegenüber einer Frau, die ihn vor zwanzig Jahren vor der Heirat versetzt hatte. Mit diesem phallisch männlichen Machtsymbol will der "Magier des Eisens" sagen: Seht her ihr Kleingläubigen, ich bin der Größte, den du verschmäht hast. Der Ingenieur ist hier als moderner Künstler gesehen in einer Männerwelt, in der das eitle Ego wichtiger ist als ein Nationalprojekt. So weit, so klassisch patriarchisch.

Jetzt könnte das Ganze auch noch glücklich enden, was von Anfang an wie eine romantische Komödie zwischen Belle Époque-Dekor und Arbeiter- und Armutskitsch aber auch ein bisschen Sex erzählt wird. Immerhin steht der Eiffelturm, der für den Macher Gustave Eiffel letztlich doch Ansehen und Geld und auch Liebe bringen sollte, ja - bis heute.

Wider das Patriarchat: Adrienne entscheidet selbst

Aber dieser französische Unterhaltungskitsch ist dann doch eine Nuance intelligenter und auch ein bisschen modern. Denn die Tochter aus höherem Hause (Emma Mackey), die der heldenhafte und arbeiterfreundliche Provinzingenieur Eiffel nicht heiraten darf, ist von den Drehbuchautorinnen als selbstbewusste, emanzipierte Frau in Hosen angelegt.

Adrienne entscheidet selbst - nachdem sie sich von den Eltern befreit hat, und notfalls auch gegen die Liebe, wenn Charakter und Standhaftigkeit gefragt sind.

Liebesbotschaft: Ist  der Eiffelturm nicht auch ein 300 Meter hohes "A"?

Man denkt im Film zeitweise an "Madame Bovary" oder an "Anna Karenina", von denen Teilaspekte auch geborgt wurden, sogar eine Romy-Schneider-Anspielung ist untergebracht, aber alles immer ohne zu viel Tragik aufkommen zu lassen.

So ist "Eiffel in Love" nett, konservativ, dabei ein bisschen modern aufgehübscht - also nicht schlecht für gute Unterhaltung. Und wer einmal von der Triumphgeste des hohen Pariser Wahrzeichens absieht, kann in ihm auch eine Liebesbotschaft sehen - nicht nur in der lächerlichen Form Tausender Liebesvorhängeschlösschen, die ihn heute behängen. Denn ist er nicht auch ein 300 Meter hohes "A" - wie Eiffels Adrienne?


Kino: Arena, Cadillac, Mathäser, Arri, sowie Theatiner (OmU), R: Martin Bourboulon (F, 106 Min.)

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