Kritik

Das wird Pixar nicht retten: „Hoppers“: Zerrissen auf dem Weg zur Toleranz

Charmante Komödie, dann überdrehtes Actionspektakel: Der neue Pixarfilm
Florian Koch |
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Fortschritt oder Wahnsinn? Die beiden Wissenschaftlerinnen verpflanzen den menschlichen Verstand in künstliche Tiere.
Fortschritt oder Wahnsinn? Die beiden Wissenschaftlerinnen verpflanzen den menschlichen Verstand in künstliche Tiere. © Pixar / Disney

Wohin nur mit dieser Wut? Bereits als Kind raucht bei Mabel der Kopf, pocht das Herz, wenn sie über eine vermeintliche Ungerechtigkeit stolpert. Ihre Antwort auf die explodierenden Gefühle? Nicht lange nachdenken, sondern handeln, ohne Rücksicht auf Verluste. Nach diesem Credo räumt die Tierliebhaberin bereits in der Schule auf, als sie in den Terrarien eine nicht artgerechte Haltung vermutet.

Pixar hatte Flops... und jetzt?

Die Eltern haben das renitente Kind bereits aufgegeben. Aber da gibt es ja noch die Oma, die nahe des fiktiven Städtchen Beaverton im ländlichen Idyll wohnt. Sie gibt der mutigen, aber selbstgerechten Enkelin mit auf den Weg, „dass die Natur einem lehrt, Teil von etwas Großem zu sein.“ Doch was passiert, wenn es dieses verständnisvolle Gegenüber nicht mehr gibt, die Wut im Alter aber weiterwächst?

King George, Mabel Beaver und Ellen Bear in „Hoppers“
King George, Mabel Beaver und Ellen Bear in „Hoppers“ © Pixar /Disney

Mit „Hoppers“ hat sich Erstlingsregisseur Daniel Chong einiges vorgenommen. Er soll das Pixar-Studio, bekannt für wunderbar originelle Animationsfilme wie „Wall-E“ oder „Oben“, nach Flops wie „Elio“ jedoch am Scheideweg, wieder auf Boxoffice-Kurs bringen. Gleichzeitig muss er dem intelligenten Anspruch der Marke gerecht bleiben. Ein Unterfangen, das fast zum Scheitern verurteilt ist und „Hoppers“ in zwei Teile zerfallen lässt.

Menschengedanken in Tierhirne pflanzen

Der Anfang noch ist wunderbar gewitzt, smart, am Puls der Zeit. Mit einer Mabel als starke, ambivalente Protagonistin, eine freie Radikale, durch und durch „Fridays for Future“-Kämpferin. Sie will die Umgehungsstraße des Bürgermeisters mit allen Mitteln verhindern, zerstört sie doch ein, ihr Biotop: das einstige Refugium der verstorbenen Oma. Doch dafür muss diese Mabel liefern, mit einer Petition oder besser: der Reintegration von Tieren, möglichst Bibern. Und hier, in dieser kaum zu gewinnenden Öko-Schlacht, kippt bereits der Film, schaltet er ins technisch Abstrakte um. Mabel stößt auf ein geheimes Experiment an ihrer Uni, genannt „Hoppers“, mit dem man sein Bewusstsein in lebensechte Roboter-Tiere transformieren kann.

Im Biber steckt das Denken einer Frau mit Namen Mabel. So kann sie mit den anderen Tieren reden.
Im Biber steckt das Denken einer Frau mit Namen Mabel. So kann sie mit den anderen Tieren reden. © picture alliance/dpa

Gesagt, getan, verwandelt sich die Rebellin in einen künstlichen Biber, lernt das zerrüttete Ökosystem und vor allem den Chef des Teich-Biotops, König George, hautnah kennen.Der Biber-King gehört zu den Highlights des insgesamt unausgegorenen Films. Ein stets positiver Mental Trainer ist dieser George. Ein lässiger, wenn auch naiver Typ, dem es wichtig ist, dass man die Namen aller kennt und der sein Gegenüber immer gleich wohlwollend behandelt. Mabel mit ihrem tief sitzenden Gut-Böse-Schema steht dieser Haltung entgegen und droht mit ihrem brennenden Hass auf den Bürgermeister die Zukunft von George & Co. zu zerstören.

Man kann „Hoppers“ als Anti-Trump-Film lesen, mit seiner Haltung, Rachegelüsten eben nicht nachzugeben und tolerant zu bleiben, auch wenn es schwerfällt. Die Botschaft des Handreichens geht im zweiten Teil jedoch unter, wenn die Action dominiert, ein alberner fliegender Hai auftaucht (gesprochen von Heidi Klum), und gerade Kids unter sechs Jahren mit den bedrohlichen Wendungen überfordert sein dürften. Florian Koch

Kino: Cinemaxx, Royal, Cadillac sowie Leopold (auch OmU), Mathäser (auch OV) und Museum Lichtspiele (OV)
R: Daniel Chong (USA, 105 Min.)

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