"Blackbird - Eine Familiengeschichte" - Das kannst Du (nicht) machen!

Susan Sarandon, Kate Winslet und Mia Wasikowska in "Blackbird - Eine Familiengeschichte" über den Freitod.
| Margret Köhler
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Noch einmal feiern und dann das Ende? Die kranke Mutter (Susan Sarandon) und ihre ältere Tochter (Kate Winslet).
Noch einmal feiern und dann das Ende? Die kranke Mutter (Susan Sarandon) und ihre ältere Tochter (Kate Winslet). © Leonine

Die Diskussionen um ein Sterben in Würde und die Entscheidung, den Todeszeitpunkt selbst zu bestimmen, nehmen zu. "Blackbird" ist der richtige, wichtige und gelungene Film zur richtigen Zeit, hat doch das Bundesverfassungsgericht im Frühjahr privaten Sterbehelfern die Tätigkeit erlaubt und das strafrechtliche Verbot für nichtig erklärt, weil es das Selbstbestimmungsrecht von Patienten verletze.

Sterbehilfe im Film: Schwierige, aber bewegende Gratwanderung

Trotz des Urteils lehnt aber Gesundheitsminister Spahn immer noch Anträge auf Sterbehilfe ab. Oscar-Preisträger Bille August griff die heikle Problematik 2016 in seinem preisgekrönten Drama "Silent Heart" auf. Jetzt hat sich "Notting Hill"-Regisseur Roger Michell an ein Remake gewagt.

Auch er begibt sich auf eine schwierige, aber bewegende Gratwanderung und umschifft dabei sentimentale Kitschklippen knapp. Dafür sorgt Christian Thorpe, Drehbuchautor beider Filme. Schauplatz ist jetzt ein einsam gelegenes Landhaus am Meer mit ziehenden Wolken und Vogelschwärmen.

Nach und nach brechen lang verdeckte Konflikte auf

Noch einmal Weihnachten feiern - im Sommer. Das wünscht sich die an der unheilbaren Nervenkrankheit ALS leidende Lily (wie immer grandios: Susan Sarandon).

Zu diesem, ihrem letzten Wochenende, schart sie ihre Familie und eine Freundin um sich, um dann mit ihrem Leben, das ihr in Zukunft nicht mehr lebenswert erscheint, zu scheiden. Denn bald würde sie nicht mehr schlucken oder sprechen können, an Schnüren und Schläuchen dahinvegetieren. Den Todescocktail wird trotz Verbot im US-Bundesstaat Connecticut ihr Ehemann und Arzt mixen (Sam Neill), die beiden Töchter haben zugestimmt. Die ältere, angepasste Jennifer (Cate Winslet mit Brille und dunklem Haar kaum zu erkennen) kommt mit Mann und Sohn, die rebellische jüngere Anna (Mia Wasikowska) mit ihrer lesbischen Freundin. Im Gegensatz zum Original wird hier dem Zeitgeist geschuldet eine Transgenderfigur eingeführt.

Alle tun so, als wenn nichts wäre, versuchen sich in Harmonie. Doch nach und nach brechen lang verdeckte Konflikte zwischen den Schwestern auf, Verletzungen aus Kindertagen und Rivalitäten kochen plötzlich wieder hoch. Strandspaziergänge, ein festlich gedeckter Tisch für das opulente Weihnachtsessen im schicken, aber sterilen Wohnambiente oder ein Joint können nur kurzfristig die Stimmung heben. Und als die jüngere Anna droht, die Freitod-Pläne zu stören und einen Notarzt zu benachrichtigen, weil sie noch nicht bereit sei, ihre Mutter zu verlieren, eskaliert die Situation.

Zwischendurch wird das Thema Sterbehilfe etwas vernachlässigt

Regisseur Michell versucht trotz aller Dramatik ein bisschen Leichtigkeit und Humor, drückt in diesem bewegenden Kammerspiel sämtliche Gefühlsknöpfe und macht zumindest feuchte Augen. Schade, dass er zwischendurch das Thema Sterbehilfe etwas vernachlässigt und sich auf die Familienkrisen konzentriert und der liebevolle Gatte in Verdacht gerät, eine Affäre zu haben. Das war aber schon bei Bille August ein überflüssiger Twist.

Bei dem hochkarätigen Ensemble von insgesamt nur acht Schauspielern übersieht man gerne kleinere Drehbuchschwächen, schaut gebannt, wie alle Emotionen von Lachen bis Weinen austariert sind. Vielleicht sollte man den Film den Parlamentariern vor der Abstimmung zur Neuregelung vorführen, damit sie den Bürgern endlich das Recht auf selbstbestimmtes Sterben zugestehen.

Kino: Rex, Rio, Monopol (auch OV), Museum (OV)
R: Roger Michell (USA, 97 Min.)

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