"Alles Geld der Welt" - Viel Geld oder Leben?

"Alles Geld der Welt" von Ridley Scott mit Christopher Plummer statt Kevin Spacey sowie Michelle Williams und Mark Wahlberg.
| Martin Schwickert
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Paul Getty (Christopher Plummer, li.), Sohn (Andrew Buchan) dahinter Enkel (Charlie Shotwell) und Schwiegertochter (Michelle Williams).
Tobis Paul Getty (Christopher Plummer, li.), Sohn (Andrew Buchan) dahinter Enkel (Charlie Shotwell) und Schwiegertochter (Michelle Williams).

"Nichts" antwortet dieser J. Paul Getty (Christopher Plummer) kurz und knapp auf die Frage der Journalisten, wie viel er bereit sei an die Entführer seines Enkels zu zahlen. Getty ist 1973 der reichste Mann der Welt. Aber wenn es um Geld geht, macht der Ölmagnat keine Zugeständnisse.

Die Getty-Entführung war eines der markantesten Medienereignisse der 70er-Jahre. Ridley Scott rollt den Fall nun in "Alles Geld der Welt" noch einmal auf und verbindet das Porträt des monströsen Milliardärs mit einem Thriller-Plot.

Im Zentrum des Films steht der Konflikt zwischen Getty Senior und Abigail (Michelle Williams), die Mutter des Entführten, die vom Gettysohn, dem Vater ihrer Kinder geschieden ist und selbst über keinerlei Vermögen verfügt. Als die Kidnapper ihr raten, sich an den früheren Schwiegervater zu wenden, schickt Getty einen ehemaligen CIA-Agenten (Mark Wahlberg) als Entschärfer ins Rennen.

Entführer verkaufen die Geisel an die Mafia

Aber nach gescheiterten Verhandlungen verkaufen die Entführer die Geisel weiter an eine professionelle Mafia-Organisation, die mit härteren Mitteln arbeitet und das abgeschnittene Ohr des Enkels ins Büro des Großvaters schickt.

Natürlich zeigt Scott dieses populäre Entführungsdetail in sadistischer Ausführlichkeit. Dabei liegt die eigentliche Spannung der Geschichte in der Figur Gettys, die Christopher Plummer als monumentalen Materialisten porträtiert.

In seinem riesigen Anwesen in England verschanzt sich Getty hinter teuren Kunstwerken, deren Anschaffungskosten das geforderte Lösegeld bei weitem übersteigen. Plummer öffnet die Türen zu den seelischen Abgründen seiner Figur mit kunstfertiger Präzision.

Kaum zu glauben, dass er die Rolle, für die er gleich oscar-nominiert wurde, erst zwei Monate vor dem US-Start übernommen hat. Denn nach den Vorwürfen der sexuellen Belästigung wurde Kevin Spacey aus dem bereits fertiggestellten Films herausgeschnitten.

Alle Szenen mit ihm wurden nachträglich mit Plummer nachgedreht und neu hineinmontiert. Nichts davon sieht man dem fertigen Filmprodukt an, das auf Ebene des intimen Porträts Gettys und der Kindsmutter weit mehr überzeugt, als in seinem etwas länglich geratenen Thrillerplot.


Kino: Royal, Cinemaxx, Münchner Freiheit sowie Mathäser (auch OV), Gabriel (OmU) und Museum (OV); Regie: Ridley Scott (USA, 132 Min.)

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