"Black Panther" - Schwarze Heldengeschichte

"Black Panther" ist eine überraschend gelungene und brisante Comicverfilmung.
| Florian Koch
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Danai Gurira (Okoye) mit Regisseur Ryan Coogler.
Matt Kennedy/ Marvel Studios 2018 Danai Gurira (Okoye) mit Regisseur Ryan Coogler.

Demokratie wagen, Bildung erfahren, Nahrung beschaffen, ja, sogar Verhütung verstehen. Immer braucht Afrika (Nach)hilfe, hängt der schwarze Kontinent am Tropf des Westens. So will es jedenfalls das Klischee.

Umso faszinierender, wenn man diese angeblich hoffnungslos abgehängte Welt, die in den meisten TV-Filmen nur zur pittoresken Kulisse für die Sorgen und Nöte sozial engagierter weißer Bildungsbürger taugt, ganz anders erleben darf. Blitzende Glastürme neben lebhaften Märkten, weite Steppen über die schnittige Düsenjets zischen. Ja, diese Gegensätze ziehen sich wirklich an – im afrikanischen Staat Wakanda. Der Blick ins Lexikon ist überflüssig, das Land existiert nicht – jedenfalls nicht real.

Im Marvel-Comic "Black Panther", dem ersten mit einem afroamerikanischen Superhelden, ist diese Region seit 1966 ein wirtschaftlich-sozialer Überflieger, auch dank eines außerirdischen, scheinbar alles möglich machenden Metalls namens Vibranium.

Spektakuläre Verfolgungsjagden und pulsierender Afro-Hiphop-Soundtrack

Lange traute man sich in Hollywood nicht an eine Verfilmung. Toxisch schien für viele die Vorstellung von schwarzen, den Weißen überlegenen Helden, schwierig der Schauplatz Afrika. Nun sieht es so aus, dass Ryan Cooglers ("Creed") beeindruckender Versuch, das Comic-Genre aus seinen konventionellen Gut-gegen-Böse-Fesseln zu befreien, zu einem der erfolgreichsten Filme des Jahres werden könnte. Und das liegt einmal nicht an Oberflächlichkeiten wie spektakulären Verfolgungsjagden, der erfrischend bunten Optik oder dem pulsierenden Trommel-Afro-Hiphop-Soundtrack des Star-Rappers Kendrick Lamar.

Denn die Geschichte um den neuen, unsicheren König von Wakanda, T’Challa alias Black Panther (Chadwick Boseman) ist brisant, politisch aktuell. T’Challa ist trotz aller Kräfte ein konservativer Zauderer, einer, der wie sein ermordeter Vater den Reichtum horten und überhaupt die Existenz von Vibranium geheim halten will. Da sind auch Flüchtlinge nicht willkommen, sie könnten den bröckeligen Frieden ja stören und Ansprüche stellen.

Eine ganz andere Idee verfolgt da sein Gegenspieler (Michael B. Jordan), ein physischer Aggressor, Typ moderner Malcolm X, der mitten in den Rassenunruhen in den USA aufgewachsen ist und genug hat von der Unterdrückung der Afroamerikaner. Ausgerechnet mit der Hilfe eines weißen Schmierlappens (Andy Serkis) will er Vibranium stehlen, um damit eine neue Weltordnung herzustellen, in dem nicht mehr das weiße Establishment das Sagen hat. Zwischen diesen Polen sitzt die Vernunft in Gestalt von Nakia (Luita Nyong’o), eine von vielen starken Frauen.

Die hübsche Panther-Ex wünscht sich eine friedliche Aufbauhilfe für die afrikanischen Nachbarstaaten – dank Vibranium. Womit wir bei dem immer packenden, leider aber auch ein wenig humorbefreiten Comicabenteuer wieder beim Ausgangspunkt wären: Afrika, ein Kontinent, der auf die Taten anderer angewiesen ist.


Kino: Royal, Mathäser (auch OV), Münchner Freiheit (OmU) und Museum (OV); Regie: Ryan Coogler (D, 134 Min.)

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