Im Kellergewölbe rumpelt's

Bei „Oper für alle“ wird heute „Fidelio“ übertragen. Wir haben die Aufführung schon am Montag im Haus gehört
| Robert Braunmüller
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Verloren im Staatssystem ist nicht nur Fidelio.
Wilfried Hösl Verloren im Staatssystem ist nicht nur Fidelio.

Bei „Oper für alle“ wird heute „Fidelio“ übertragen. Wir haben die Aufführung schon am Montag im Haus gehört
 

Lang ist’s her: Vor über 30 Jahren hat der wackere Adam Fischer im Nationaltheater den von Karl Böhm einstudierten „Fidelio“ nachdirigiert. Damals waren gicksende Hörner in Leonores Arie „Abscheulicher, wo eilst du hin“ ganz normal. Die gibt’s heute nicht mehr, weil sich die Perfektion und das technische Können in den Orchestern seitdem beträchtlich gesteigert hat.
Fischer ist sich treu geblieben. Das wäre an sich eine Tugend, nur spielte das Bayerische Staatsorchester am Montag unter seinem Kommando massig und mit dem deutschen Rumpelfuß, der bei Beethoven mittlerweile etwas veraltet wirkt. Aber das war seltsamerweise in der sonst auf Zeitgeistfühlung bedachten Staatsoper schon so, als Daniele Gatti kurz vor Weihnachten die Premiere dirigierte.

Die beste Leonore seit langem

Wer heute auf den Max-Joseph-Platz kommt, wenn die zweite Festspielauffführung von „Fidelio“ als „Oper für alle“ auf die Großbildleinwand übertragen wird, darf sich auf die beste Leonore seit langem freuen: Anja Kampe bewältigt die musikalischen Schwierigkeiten mühelos. Sie macht aus Beethovens heroischer Idealistin eine menschlich anrührende und bewegende Gestalt. Seit der legendären Hildegard Behrens gab es in München keine besser Leonore.

Jonas Kaufmann gelang der aus dem Nichts herauswachsende Aufschrei „Gott!“ am Beginn seiner Arie bei der montäglichen Festspielvorstellung wegen einiger dumpfer Farben nicht ganz so perfekt wie in der Premiere. Wolfgang Koch setzte als Pizarro mehr auf Kraft als auf Genauigkeit. Bei Franz-Josef Seligs Rocco könnten der etwas unflexible Gesang die Konsonantenspuckerei stören, aber sie passen zu seiner Deutung der Figur als eines Pedanten.

Calixto Bieitos Inszenierung versteht die Gefangenschaft mehr existenziell als politisch. Sie wirkt beim Wiedersehen ziemlich brav. Der Sturz des Labyrinths unmittelbar nach der Pause provozierte am Montag dennoch wilde Zwischenrufe. Ein Verärgerter forderte die Abberufung des Intendanten Nikolaus Bachler. Warum nur? Wer Sorge trägt, dass man sich anständig über Oper streiten kann, macht seinen Job nicht übel.

 

AZ-Info: Mit Thomas Gottschalk zum Opernpicknick auf dem Max-Joseph-Platz

Die audiovisuelle Übertragung der Oper auf den Max-Joseph-Platz beginnt um 20 Uhr. Moderiert wird der Abend von Thomas Gottschalk, der um 18.30 Uhr zum ersten Mal die Besucher begrüßen wird. Um 19.45 Uhr wird er gemeinsam mit dem Intendanten Nikolaus Bachler in Beethovens einzige Oper „Fidelio“ einführen.

Bei „Oper für alle“ geht es traditionell locker zu: Sie dürfen rauchen, essen, mitsingen und, wenn’s sein muss, auch mitdirigieren – sofern Sie mit ihrer Kunst die restlichen 9000 Besucher nicht stören. Es ist üblich, sich auf Decken zu lagern, Klappstühle hat die Stadt ebenso verboten wie Messer und Flaschen.

Das Wetter wird gut, aber nicht heiß. Falls wider Erwarten ein Gewitterschauer niedergehen sollte und Sie Ihren Schirm vergessen haben, verkauft Ihnen die Oper für 12 Euro ein Regencape. Theaterzettel werden an den Eingängen dagegen kostenlos verteilt.

Wer durchaus nicht an die frische Luft will, kann die Aufführung auch als Livestream über www.staatsoper.de mitverfolgen.

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