Interview

Gewinner des Krimiwettbewerbs "Gardasee": Die Ehre der Geigenbauer

Kishor Sridhar hat den Krimiwettbewerb mit einem sehr originellen Ansatz gewonnen. Bislang hatte er nur Sachbücher geschrieben. Im Interview mit der AZ verrät er, warum er Geigenbau als zentrales Thema seines Krimis gewählt hat.
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Kishor Sridhar studierte in Berlin und den USA und arbeitete in Italien, Indien und Moskau. Seit 2011 lebt er mit seiner Frau und den gemeinsamen drei Kindern in München.
Kishor Sridhar studierte in Berlin und den USA und arbeitete in Italien, Indien und Moskau. Seit 2011 lebt er mit seiner Frau und den gemeinsamen drei Kindern in München. © privat

München - Beim Krimi-Wettbewerb, den die Abendzeitung gemeinsam mit der Verlagsagentur Lianne Kolf und dem Münchner Droemer Knaur Verlag im vergangenen Jahr veranstaltete, ging es um eine Region, die Münchner seit jeher als ihre Badewanne betrachten: den Gardasee.

Krimiwettbewerb "Gardasee": 100 Exposés und Textproben

Das Echo war überwältigend: Rund 100 Autorinnen und Autoren schickten Exposés und Textproben, schließlich suchte die Jury drei Finalisten für die Endrunde heraus, die dann ihre Romane vollendeten. Diese Woche entschied sich die Jury - zu der neben den Veranstaltern auch der Schauspieler Gerd Silberbauer, der Produzent Andreas Schneppe (TV60 Filmproduktion) und der Krimi-Autor Alexander Oetker gehörten - für einen Gewinnertext: Kishor Sridhars Gardasee-Krimi "Die Ehre der Geigenbauer".

AZ: Herr Sridhar, herzlichen Glückwunsch! Wie sind Sie auf den Wettbewerb gestoßen?
KISHOR SRIDHAR: Ich habe meinen siebenjährigen Sohn zu seinem Tanzkurs gebracht, die AZ am Kiosk gekauft und mich in ein Café gesetzt. Dort habe ich den Artikel über den Wettbewerb gelesen und mir sofort gedacht: Da mache ich mit!

Vom Sachbuch zum erste Roman

Hatten Sie schon Erfahrung als Autor?
Ich bin Wirtschaftspsychologe und habe schon Sachbücher geschrieben, aber mit dem Romanschreiben hatte ich überhaupt keine Erfahrung. Es war allerdings immer schon ein großer Traum von mir, es einmal zu tun.

Kannten Sie den Gardasee?
Ja, ich bin ein ambitionierter Hobbyläufer und habe den Gardasee schon vor Jahren für mich entdeckt und mir mit der Zeit die Region laufend erschlossen. So sieht man ja auch die Gegend ganz anders. Der Gardasee war für mich so etwas wie Liebe auf den ersten Blick. Die Hügel, die abgeschiedenen Dörfer, das Wasser und dann die Touristenorte bieten für einen 15 Kilometerlauf unglaubliche Abwechslung - abseits der italienischen Bundesstraßen versteht sich.

Geigenbau als "eine wunderschöne Symbolik für den Roman"

Ein zentrales Thema Ihres Kriminalromans ist der Geigenbau. Wie sind Sie darauf gekommen?
Ich wusste, dass die Wiege des europäischen Geigenbaus in der Region liegt und dachte mir, das könnte doch auch ein interessantes Thema sein.

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Spielen Sie Geige?
Nein ich bin ein begeisterter Hörer klassischer Musik, spiele aber kein Instrument. Ich fand das Thema Geigenbau eine wunderschöne Symbolik für den Roman, es geht um die Tradition, aber auch die Akribie, die meine Heldin als Geigenbauerin und Ermittlerin besitzt.

Haben Sie Sachbücher zum Thema Geigenbau konsultiert?
Relativ wenige, aber ich habe Kontakt zu zwei Geigenbauern aufgenommen, denen ich immer wieder Fragen zu meinem Roman gestellt habe. Das ist eine faszinierende Welt, die Geigenbauer müssen sich ja auch in andere Epochen hineinfühlen, das Holz altert, sie suchen immer nach Stücken aus bestimmten Jahrhunderten und jede Geige hat ihren eigenen Charakter.

Romanfiguren entwickelten ein Eigenleben

Wie lange haben Sie an Ihrem Roman gearbeitet?
Ich habe an Wochenenden wohl bis zu fünf Stunden täglich an dem Buch gearbeitet, unter der Woche aber auch ein paar Stunden. Die Herausforderung war natürlich, das alles mit dem Beruf und dem Homeschooling der drei Kinder zu koordinieren. Was ich aber auch gespürt habe: Die Romanfiguren entwickeln schnell ein Eigenleben, ich habe von ihnen geträumt, sie haben mit mir gesprochen, auch wenn sich das jetzt ein wenig obskur anhört. Aber man steckt da ganz schnell sehr tief drin. Und die Geschichte musste einfach raus.

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Und Ihre Ehefrau hat Ihnen den Rücken freigehalten?
Mein Fast-Namensvetter Ephraim Kishon hat ja immer von der besten Ehefrau von allen geschrieben, das darf ich über meine Ehefrau auch sagen. Das Buch ist ja auch ein Lernprozess und es gab durchaus Phasen des Zweifels, aber sie hat mich immer emotional unterstützt. Ohne sie hätte ich das auf gar keinen Fall geschafft.

Sridhars Vater diskutiert mit ihm über den Krimi

Hat noch jemand bei der Entstehung mitgelesen?
Ja, mein Vater, der ein sprachlich sehr versierter Mensch ist. Ihm habe ich immer Teile der Geschichte gegeben. Ich habe mit ihm auch viel über die Figuren und die Entwicklung der Geschichte diskutiert.

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Wie haben Sie sich denn handwerklich auf das Schreiben eines Kriminalromans vorbereitet?
Ich habe ein englisches Buch von John Stein gelesen, der sehr gut beschreibt, wie man Spannungsbögen aufbaut. Der Schreibratgeber "Vier Seiten für ein Halleluja" von Hans Peter Roentgen hat mir auch geholfen. Früher habe ich auch viele Krimis gelesen, das habe ich mir aber während des Schreibens selbst komplett untersagt, damit ich nicht in den Schreibstil anderer reinrutsche, da muss man sehr aufpassen. Ich habe aber auch sehr gezielt Krimis im TV unter dem Gesichtspunkt angeschaut, wie dort die Spannung aufgebaut ist.

Ihre Heldin ist ja eigentlich Geigenbauerin. Hat Sie überhaupt Zeit für einen zweiten Fall?
Durchaus, wenn mein Krimi in Serie geht, weiß ich auch schon ganz genau, was sie in den nächsten beiden Folgen tun würde. Aber das kann ich natürlich noch nicht verraten.


Kishor Sridhars Kriminalroman wird im März 2022 bei Droemer Knaur erscheinen. 

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