Ein Voltaire namens Meyer

Die Landesauswahl der kickenden Literaten trifft sich im Bayerischen Hof zur Teamsitzung. Mit dabei: Ex-Bundesliga-Coach Hans Meyer - der launig mit der Ironiekeule schwingt.
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Der Star ist der Trainer: Hans Meyer coacht die Nationalmannschaft der deutschen Literaten.
Brauer Photos Der Star ist der Trainer: Hans Meyer coacht die Nationalmannschaft der deutschen Literaten.

Die Landesauswahl der kickenden Literaten trifft sich im Bayerischen Hof zur Teamsitzung. Mit dabei: Ex-Bundesliga-Coach Hans Meyer - der launig mit der Ironiekeule schwingt.

Man muss sich Hans Meyer als glücklichen Rentner vorstellen. Dem kurzatmigen Fußballgeschäft hat der 67-jährige Ex-Bundesligacoach mittlerweile abgeschworen. Jetzt trainiert er nur noch Deutschlands kickende Dichter und Denker. Die trafen sich nun zur Teamsitzung im Hotel Bayerischer Hof. Thema: Bolzen und Balzen. Eine Gleichung, die es im Laufe des Abend literarisch aufzulösen galt.

Die Highlights: Ein Schmachtbrief der Bundeskanzlerin Angela Merkel an Bastian Schweinsteiger, vorgetragen von Autor Moritz Rinke. Tiefsinniger die Beiträge von Andreas Merkel, Wolfgang Maria Bauer und Christoph Nußbaumeder über Lieben und Leiden auf und abseits des Platzes. Szenenapplaus für die Gedichte des Tatort-Kommissars Udo Wachtveitl und die poetischen Übersteiger von Albert Ostermaier. Da blieb selbst Regisseur Sönke Wortmann („Das Wunder von Bern“) nur eine Statistenrolle, immerhin durfte er verraten, dass sein neuer Film „Die Päpstin“ nichts mit Fußball zu tun hat und im Oktober ins Kino kommt.

Dass er die Ironiekeule erbarmungslos schwingt, gehört ja zum Mythos Hans Meyer. Auch lag wenig näher am Thema Balzen und Bolzen als seine Hassliebe zum 1. FC Nürnberg. 2007 führte er den Club zum DFB-Pokalsieg, damals bedachte ihn Club-Präsident Michael A. Roth mit drei Teppichen als Prämie. Meyer: „Die waren sehr schön. Ich glaube aber nicht, dass ich sie mir auch gekauft hätte.“ Wäre der Job des Club-Präsidenten, quasi die Roth-Nachfolge, nicht ein ehrenvolles Altersamt? - wollte Moderator Günther Koch wissen. Meyer dozierte: „Als Präsident eines Vereins sollte man erstens nicht allzu viel über Fußball wissen. Und zweitens auch mal eigenes Geld in den Verein stecken. Das erste trifft bei mir nicht zu. Und das zweite bin ich nicht gewillt zu tun.“

Immerhin den Preis einer Dauerkarte ist ihm der Club schon wert. Am ersten Spieltag sitze er gegen Schalke im Stadion. Aber nicht nur auf der Ehrentribüne will der Fußball-Rentner mit seiner adretten Lebensgefährtin Maren das Leben genießen. „Wenn wir bald unsere Weltreise machen, fangen wir in der fränkischen Schweiz damit an“, verriet er. Weil sich der Literaten-Coach als Voltaire des deutschen Fußballbetriebs bestens gefällt (angeblich zimmert derzeit sogar ein Nürnberger Künstler Meyer als überlebensgroße Holzstatue), seifte er auch Passgeber Günther Koch noch ein: „Günther, was du machst ist übelster Boulevard. Meine Jungs können kicken. Aber du hast sie besser gemacht, als sie sind.“ Da haspelte Koch ergeben: „Hans Meyer... wie er liebt und lebt.“

Reinhard Keck

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