Die Bilanz: fast 2 Kilo

Die Kammerspiele dokumentieren die Ära Baumbauer in einem gewichtigen Band
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Albert Ostermairs Monolog „Radio noir“ mit Caroline Ebner brachte es im Werkraum auf 48 Vorstellungen, wie die gestern vorgestellte Dokumentation der Ära Baumbauer festhält.
Pohlmann Albert Ostermairs Monolog „Radio noir“ mit Caroline Ebner brachte es im Werkraum auf 48 Vorstellungen, wie die gestern vorgestellte Dokumentation der Ära Baumbauer festhält.

Die Kammerspiele dokumentieren die Ära Baumbauer in einem gewichtigen Band

Ich kann Mannschaften bilden und gelegentlich zur Meisterschaft führen“, sagt Frank Baumbauer. Er hat ein Abo für die Allianz Arena. Trotzdem hat ihn Uli Hoeneß nicht gefragt, ob er nach dem Ende seiner aktiven Zeit bei den Kammerspielen als Trainer zu den Bayern wechseln will. Das wurmt ihn: „Statt dessen holen sie einen Holländer.“

So läuft es auch an den Kammerspielen, die Baumbauer nach acht Jahren am Ende der Spielzeit verlässt, ehe sich Zeichen der Abnutzung mehren. Eine Interimsspielzeit folgt, dann wird im Herbst 2011 Johan Simons sein Nachfolger.

Von Kamerun bis Jelinek

Der holländische Regisseur ist einer der Autoren des 1,8 Kilo schweren Wälzers „Stadttheater. Die Münchner Kammerspiele 2001 bis 2009“, in der die flüchtige Kunst des Theaters verewigt wird. Auf über 220 Seiten werden von Achternbuschs „Daphne von Andechs“ bis zum noch bevorstehenden Jugendprojekt „Hauptschule der Freiheit“ alle Inszenierungen mit mindestens einem Bild, der Besetzung und weiteren Aufführungsdaten dokumentiert.

Auf weiteren 80 Seiten denken Künstler, Schriftsteller und Journalisten über die Zukunft des Theaters nach. Der Musiker Schorsch Kamerun spricht über seine Sozialisierung zum Schauspieler, Chris Dercon sinniert über Holländer in München und Hunde im Museum nach, Simons spekuliert über das mögliche Elendsviertel Grünwald im Jahr 2045. Elfriede Jelinek gibt sich theatertheoretisch: „Wird das öffentliche Sprechen, von dem die Schauspieler getränkt sind wie Putzlappen, wird das jetzt wieder privat auf der Bühne, weil ein bestimmter Mensch es sagt?“

"Wenn mich doch noch eine Muße wachküssen wird, küsse ich zurück"

Baumbauer mühen solche Fragen vorerst nicht: „Es gab zwei Angebote für die Leitung von Stadttheatern. Nach den Kammerspielen wollte ich das nicht machen. Auch ein Festival hat angefragt. Das hätte sich aber mit dem Ende meiner Münchner Zeit überschnitten. Ich bin nicht theatersüchtig, aber wenn mich doch noch eine Muse wachküssen wird, küsse ich zurück.“

2003, als die Kammerspiele nach einem Zwischenspiel in der Jutierhalle ins renovierte Haus wechselten, ergriffen viele an Dieter Dorns Ästhetik gewohnte Zuschauer die Flucht. Aber jüngere Besucher sprach Baumbauers Zukunftslabor und urbanistische Nachdenkstube an. Er beendet seine Amtszeit mit Feridun Zaimoglus heiß diskutierter „Othello“-Bearbeitung, die in München und auf vielen Gastspielen 95 Mal gezeigt und zu Baumbauers Markenzeichen wurde: „Da können die Zuschauer sehen, welche Entwicklung sie und wir gemacht haben.“

Robert Braunmüller

„Stadtheater. Münchner Kammerspiele 2001 – 2009“ (Blumenbar Verlag, 19.90 Euro)

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