Der Rettungs-Pakt

Wie das Deutsche Museum jetzt saniert werden und in Zukunft expandieren soll: Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch erläutert seine Pläne mit dem in die Jahre gekommenen Technikmuseum.
| Abendzeitung
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Empfehlungen
Wolfang Heubisch, zuständiger bayerischer Minister für das Deutsche Museum.
Gregor Feindt Wolfang Heubisch, zuständiger bayerischer Minister für das Deutsche Museum.

Wie das Deutsche Museum jetzt saniert werden und in Zukunft expandieren soll: Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch erläutert seine Pläne mit dem in die Jahre gekommenen Technikmuseum.

Seit Tagen wird spekuliert, ob und wie das Deutsche Museum aus dem Konjunkturpaket der Bundesregierung Geld bekommt, um seine dringend notwendige Erneuerung und Renovierung zu bezahlen. Der 62-jährige FDP-Politiker Wolfgang Heubisch ist seit Oktober Bayerns Minister für Wissenschaft, Forschung und Kunst.

AZ: Herr Heubisch, im September wurde gemeldet, der damalige Ministerpräsident Beckstein und Bundesministerin Schavan hätten die Millionen für die Sanierung des Deutschen Museum bereitgestellt. Warum also jetzt so eine Aufregung um Museums-Geld aus dem Konjunkturpaket?

WOLFGANG HEUBISCH: Diese Ankündigung hat sich leider als nicht sehr realistisch erwiesen. In Bayern gibt es nun eine neue Regierung und jetzt auch neue Sachverhalte.

Eine bayerische Wahlkampfblase unter Beteiligung der Berliner Forschungsministerin?

Verstehen Sie bitte, dass ich das nicht weiter kommentieren will. Aber Frau Schavan hat ja auch in anderen Punkten Bayern Versprechen gemacht, ich erinnere an das Diabeteszentrum und das Demenzzentrum. Bisher kam davon nichts an.

Was gibt es nun wirklich für das Deutsche Museum?

Die Verteilung der Mittel aus dem Konjunkturpaket läuft noch. In den nächsten beiden Jahren könnten wir durchaus einen hohen zweistelligen Millionenbetrag ausgeben. Dafür liegen schon fertige Baupläne vor.

Insgesamt sind 400 Millionen nötig. Es geht also nur um den Anfang der Sanierung?

Richtig, wir sind nicht komplett durch. Aber es ist ein ganz entscheidender Beginn. Wenn wir das jetzt anpacken, wird es auch durchgezogen.

Und die Großunternehmen, die im Herbst 35 Millionen versprachen, sind nur noch Beiwerk?

Auf keinen Fall. Es muss immer eine Trias sein: Bund, Freistaat, private Sponsoren. Erst am Mittwoch war ich mit Herrn Reitzle von Linde zusammen. Die Firmen sind weiter mit dabei.

Ist eine Museumssanierung überhaupt eine sinnvolle Konjunkturförderung?

Ich kenne den Einwand, es würde hier „nur um Kunst“ gehen. Es geht aber um das wichtigste Technikmuseum der Welt, das der Jugend den Weg zu Technik und Wissenschaft aufzeigt und sie begeistert. Mit dem Deutschen Museum fördern wir die Wissenschaft in unserem Land auf vielfältigste Weise.

Warum weiß kaum jemand, dass das Deutsche Museum auch eine wichtige Forschungseinrichtung ist?

Forschung kommt in Deutschland generell viel zu selten in die Schlagzeilen. Wir müssen alle viel mehr die riesigen Leistungen der Forscher im Hintergrund würdigen.

Was wird zuerst saniert?

Die genaue Reihenfolge muss ich noch mit Direktor Heckl besprechen. Vorne stehen Fassadensanierung, Wärmeisolierung, Energiekonzept und ein neues großes Zentraldepot. Und dann natürlich die einzelnen Abteilungen der Ausstellung. Der Anspruch des Hauses ist es, in der Welt der Wissenschaft immer „on Top“ zu sein.

Ist es richtig, dass das Deutsche Museum sogar einen neuen Haupteingang bekommt?

Ja, das ist richtig und kann auch rasch umgesetzt werden.

Kommt der Kongresssaal zurück?

Ich werde alles diskutieren. Wir müssen aber auch sehen, dass es noch andere Einsatzfelder fürs Konjunkturpaket gibt.

War es eigentlich richtig, dass das Museum seine Großattraktionen zum Thema Verkehr ausgelagert hat?

Das kann ich nicht definitiv beantworten. Man handelte wegen der Raumnot im Haus. Ich sehe auch heute keine direkte Möglichkeit, auf der Museumsinsel zu erweitern. Aber meine Vorstellung ist, auch mal aus München herauszugehen. Das kann nach Nürnberg sein oder auch nach Berlin oder Köln. Wir sollten über den Tellerrand hinausblicken. Und offen sein, Projekte in anderen Städten anzuschieben. Das würde noch mehr Aufmerksamkeit für das Haus bringen, das ja Einrichtung für ganz Deutschland ist.

Feste Dependancen oder Wanderausstellungen?

Auch hier bin ich offen, beides scheint mir möglich. Aber das sind Überlegungen, die in die weitere Zukunft reichen.

In Bonn gibt es bereits einen festen Ableger des Deutschen Museums. Ein tolles Haus, und völlig vergessen.

Das kommentiere ich jetzt nicht. Aber ich widerspreche auch nicht.

Aber die Zukunft ist überregional?

Ein absoluter Zukunftsaspekt! Eine Vision, wie es weitergehen könnte. Aber jetzt geht es erstmal um die Sanierung in München.

Interview: Michael Grill

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare Empfehlungen
0 Kommentare
Artikel kommentieren