München bangt: Wird der Gasteig zur ewigen Ruine?

Die Zwischennutzung durch die Fat Cat endet im Sommer. Wie es beim Gasteig weitergeht.
Robert Braunmüller
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Wie eine Burg erhebt sich der Gasteig in bester Münchner Lage. Es sollte also bald etwas geschehen, um das riesige Kulturzentrum wieder rundum bespielen und nutzen zu können.
Wie eine Burg erhebt sich der Gasteig in bester Münchner Lage. Es sollte also bald etwas geschehen, um das riesige Kulturzentrum wieder rundum bespielen und nutzen zu können. © Johannes Seyerlein / Gasteig

Münchens teuerste aller offenen Fragen ist der Gasteig. Wie geht es mit der Sanierung weiter? Kommt sie überhaupt? Wann endet die Zwischennutzung durch die Fat Cat? Über alle diese Fragen hat sich der Bezirksausschuss Haidhausen-Au am Donnerstagabend in der Black Box informieren lassen.

DIE GEGENWART
Im Sommer 2022 wurde der Gasteig geräumt: Die Philharmonie, Teilbereiche der Volkshochschule und der Musikhochschule zogen nach Sendling um, die Stadtbibliothek eröffnete ein Interim im Motorama gegenüber dem Kulturzentrum an der Rosenheimer Straße. Wegen ungeklärter Finanzierungsfragen verzögerte sich jedoch der Beginn der 2017 im Grundsatz vom Stadtrat beschlossenen Sanierung.

WARUM SANIEREN?
Die für Besucher nicht sichtbare Haustechnik ist veraltet und teilweise nicht mehr genehmigungsfähig. Es gibt Probleme mit dem Brandschutz, viele Bereiche sind nicht barrierefrei. Die Akustik der Philharmonie ist – vorsichtig gesagt – umstritten. Büros verschwenden viel Raum, die Bibliothek müsste gegenwärtigen Anforderungen angepasst werden.

Mit viel Dinderassabum und einem Marsch durch U-Bahn Münchner Freiheit zog die Lach & Schieß von Schwabing nach Haidhausen in den Gasteig, respektive die Fat Cat ein.
Mit viel Dinderassabum und einem Marsch durch U-Bahn Münchner Freiheit zog die Lach & Schieß von Schwabing nach Haidhausen in den Gasteig, respektive die Fat Cat ein. © Felix Hörhager, dpa

Rundum-Unterhaltung in der Fat Cat

ZWISCHENNUTZUNG
Seit Juli 2023 nutzt die Fat Cat die Räume: eine gemeinnützige GmbH, die in den Räumen Kabarett, Comedy und Konzerte veranstaltet. Außerdem proben in den Räumen Chöre, auch Ateliers wurden eingerichtet. Zuletzt zog die Lach & Schieß in den Kleinen Konzertsaal ein.

WARUM DAUERT DAS?
Der Stadtrat beschloss 2017 die Generalsanierung nach dem Entwurf des Büros Henn. Die damalige Zweite Bürgermeisterin Katrin Habenschaden bevorzugte angesichts der hohen Kosten ein Investorenmodell. Doch es fand sich niemand. 2023 entschied sich der Stadtrat daher für ein "Partnering-Verfahren“ mit einem Generalunternehmer. Die Münchner Raumordnungsgesellschaft (MRG), eine städtische GmbH, wurde mit der Durchführung beauftragt. Ihr Geschäftsführer Benedikt Schwering informierte in der Black Box den Bezirksausschuss.

STAND DER DINGE
Die MRG hat die Sanierung im September 2025 über ein Vergabeportal auf den Markt gebracht. Laut Schwering haben mehrere Generalunternehmer ihr Interesse bekundet, und zwar ernsthaft. Ihnen wurden am Beginn des Jahres weitere Unterlagen übergeben. Die Interessenten können bis Ende April ein Angebot abgeben. Diese Angebote werden von der MRG geprüft. Dann werden im Sommer Details der Verträge verhandelt. Im November soll dann ein Angebot vorliegen, über das am 2. Februar 2027 der Stadtrat abstimmen wird.

Wenn die Pläne von Henn Architekten umgesetzt werden, sollte der Gasteig nach der Sanierung so aussehen.
Wenn die Pläne von Henn Architekten umgesetzt werden, sollte der Gasteig nach der Sanierung so aussehen. © Henn Architekten

Ziemlich sicher: 600 bis 700 Millionen Euro für die Sanierung

FINANZIERUNG
2023 wurde ein Kostendeckel von 450 Millionen beschlossen. Angesichts der gestiegenen Baukosten gelten derzeit 600 bis 700 Millionen als realistisch. Schwering nannte ausdrücklich keine Zahlen, weil darüber nur in nicht öffentlichen Stadtratssitzungen beraten wurde. Die anwesende Vertreterin des Referats für Arbeit und Wirtschaft versprach in dem Punkt künftig mehr Transparenz. Schwering erläuterte aber das Konzept: Der Betrag wird in mehreren Tranchen am Kapitalmarkt beschafft. Nach Fertigstellung vermietet die MRG den Gasteig an die Stadt. In ähnlicher Weise wurde bereits der Bau in den 1980er Jahren über ein Leasing-Modell finanziert.

SO GROSS IST DER GASTEIG
Das städtische Kulturzentrum, so Schwering, sei größer als das ebenfalls sanierungsreife Centre Pompidou in Paris. Und er habe mehr Räume als Versailles, so Norbert Wiesmann, der Leiter des Gasteig-Gebäudemanagements. Die Nutz- und Funktionsflächen umfassen 90.000 Quadratmeter. Mit einem Bau allein ist es nie getan: Eine Sanierung nach 30 Jahren sei Normalität in der Immobilienwirtschaft.

ENDE DER FAT CAT
Die allgemein als großen Erfolg gewertete Zwischennutzung endet am 30. September. Dann wird das Gebäude durch die Haustechniker der Gasteig GmbH stillgelegt. Teile der Einrichtung werden versteigert.

Fertig? Silvester 2034 – wenn es gut läuft

WIE ES WEITERGEHT
Während der Generalunternehmer plant, entsorgt ein anderes Unternehmen Schadstoffe und versetzt den Gasteig in den Rohbauzustand. 2029 beginnt die eigentliche Sanierung. Sie soll viereinhalb Jahre dauern. Danach wird das Gebäude etwa eineinhalb Jahre Schritt für Schritt in Betrieb genommen. Schwering rechnet mit der Eröffnung zu Silvester 2034. "Halten Sie sich den Termin frei“, so seine optimistische Aussage.

EWIGE RUINE
Bei der Veranstaltung wurde der Zeitplan kritisiert: Man beginne mit der Räumung, während noch gar kein Generalunternehmer feststehe. Mitglieder des Bezirksausschusses fürchten eine ewige Ruine. Schwering betonte, dass die Ausschreibung bereits Fakten geschaffen habe. Dass das Geld nicht komplett bewilligt sei, möge man nicht überbewerten. Es sei üblich, die Finanzierung von Großprojekten in mehrere Tranchen aufzuteilen.

HAUS FÜR KINDER
Die Gasteig GmbH will im Haus für Kinder an der Kellerstraße 8 eine Bauleitung einrichten. Schwering äußerte Verständnis für die Kritik an dieser Entscheidung. Aber ein Betrieb als Kindertagesstätte sei nicht sinnvoll, wenn rund um das Gebäude Tieflader Bauschutt und Schadstoffe abtransportieren würden.

BAULÄRM
Anwohner befürchten Baulärm. Die Anlieferung der Baustelle soll über die Kellerstraße erfolgen. Ein Mitglied des Bezirksausschusses wollte durch einen Antrag verbindlich den Einsatz von Elektro-LKWs vorschreiben. Das sei unrealistisch, so Schwering, man könne derlei dem Generalunternehmer nicht vorschreiben.

WEITERE KRITIK
2034 wird der Gasteig mit einem dann fast 20 Jahre alten Nutzungskonzept ohne die Erfahrungen der Fat Cat eröffnet. Schwering ließ Verständnis für den Einwand durchblicken. Aber: Öffentliches Bauen ist deshalb teuer, weil die Planungen immer wieder geändert werden.

Der Freistaat dreht eigene Pirouetten

DER FREISTAAT
In einer Wortmeldung wurde angesichts knapper Kassen eine Zusammenarbeit mit dem Freistaat angemahnt, der im Werksviertel einen eigenen Konzertsaal bauen will. Schwering verwies in dieser Frage auf die Politik. Kunstminister Markus Blume hat mehrfach eine Zusammenarbeit mit der Stadt beim Gasteig abgelehnt. Der Freistaat wolle die eingegangenen Verpflichtungen erfüllen.

NACH DER WAHL
Die neue Rathaus-Koalition hat sich noch nicht gebildet. Grüne und CSU befürworten die Generalsanierung, bei der SPD schimmerte bei aller grundsätzlichen Bereitschaft eine Skepsis angesichts der hohen Kosten durch. Dieter Reiter war kein Fan des Projekts. Der künftige Oberbürgermeister Dominik Krause war als Zweiter Bürgermeister Aufsichtsratsvorsitzender der Gasteig GmbH.

 

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