Interview

Uraufführung in der Isarphilharmonie: Fazil Say über "Anka Kusu"

Der Pianist Fazil Say im AZ-Interview. Über sein Klavierkonzert "Anka Kusu", das Lucas und Arthur Jussen in der Isarphilharmonie uraufführen.
| Robert Braunmüller
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Fazil Say.
Fazil Say. © Marco Borggreve

München - Als Komponist hat der Pianist Fazil Say mittlerweile Opus 97 erreicht. Sein Klavierkonzert mit dem Titel "Anka Kusu" wird am Freitag vom Klavierduo Lucas und Arthur Jussen in der Isarphilharmonie uraufgeführt. Die Münchner Philharmoniker haben das Werk gemeinsam mit der Amsterdam Sinfonietta und dem Salzburger Mozarteum Orchester in Auftrag gegeben. Der finnische Dirigent John Storgårds hat die musikalische Leitung.

AZ: Herr Say, wie wichtig ist das Komponieren für Sie?
FAZIL SAY: Das Klavier und das Komponieren gehören für mich seit meinem fünften Lebensjahr zusammen. Ich habe Klavier und Komposition studiert und bereits Instrumentalkonzerte für Violine, Cello, Flöte und Trompete geschrieben. Der zweite Teil meiner "Gezi Park"-Trilogie ist ein Konzert für zwei Klaviere.

"Anka Kusu": Uraufführung mit zwei Pianisten an einem Klavier

Haben Sie in Ihrem neuen Werk die beiden Solisten zu einem Super-Klavier verbunden oder betonen Sie den Dialog?
Lucas und Arthur Jussen spielen nicht an zwei Klavieren, sondern vierhändig an einem Instrument. Allerdings lässt sich jedes vierhändige Stück prinzipiell auch an zwei Klavieren spielen. Ich habe das Stück im vergangenen November begonnen - unter dem Eindruck der Pandemie. Daher ist die Bläser-Besetzung nicht so groß: Man kann das Stück auch in kleiner Besetzung und auf Abstand aufführen.

Die Brüder Arthur und Lucas Jussen, die als Klavier-Duo in Amsterdam bereits bekannt waren, als sie als 8-Jährige im Concertgebouw zum ersten Mal auftraten, im BR-Magazin "KlickKlack".
Die Brüder Arthur und Lucas Jussen, die als Klavier-Duo in Amsterdam bereits bekannt waren, als sie als 8-Jährige im Concertgebouw zum ersten Mal auftraten, im BR-Magazin "KlickKlack". © BR/Alexander Hellbrügge

Fazil Say: Kompositionen mit thematischen Bezug

Fast alle Ihre Werke tragen einen beschreibenden Titel. Komponieren Sie Programmmusik?
Mehr oder weniger. Viele meiner Werke beziehen sich auf Orte wie Istanbul oder bestimmte Menschen, die mich inspiriert haben. Themen inspirieren mich, ich habe meine Werke nie erst hinterher betitelt. Bei konzertanten Werken entscheide ich mich oft für historische oder mythologische Themen. "Anka Kusu" ist die türkische Bezeichnung für den Vogel Phönix aus der altpersischen Mythologie.

Anka Kusu: Komposition Says befasst sich mit Selbstfindung

Was wollen Sie damit erzählen?
Letztendlich geht es darum, alles in sich selbst zu finden: die Wahrheit über das Leben. Während der Pandemie waren sehr viele Künstler auf sich selbst zurückgeworfen. Manche meiner Kollegen fühlten sich durch die vielen Absagen von Konzerten antriebslos und gekränkt. Für mich war es eher eine Art Sabbatical nach einer Zeit, in der ich fast 100 Konzerte jährlich gegeben habe. Ich musste nicht mehr im Hotel und am Flughafen komponieren, sondern konnte das zu Hause tun. Deshalb bin ich jetzt fast bei Opus 100.

Warum ist die Schlagzeugbesetzung in "Anka Kusu" relativ groß?
Vor 100 Jahren haben Musikethnologen kubanischen Musikern Beethoven und Mozart vorgespielt. Die Kubaner fanden das nicht schlecht, aber sie vermissten das Schlagzeug und den Rhythmus. Genau das unterscheidet die europäische Musik vom Rest der Welt. In der Türkei gibt es sehr viele unterschiedliche Musiktraditionen - etwa an der Schwarzmeerküste oder in Anatolien. Aber keine kommt ohne Schlaginstrumente aus. Daher nutze ich das auch in diesem Konzert. Außerdem kommen irreguläre Taktarten vor, die in der westlichen Musik weniger gebräuchlich sind, aber für die Folklore in der Türkei, dem Iran und dem Nahen Osten charakteristisch sind. Außerdem gibt es Leitmotive, die sich durch alle drei Sätze ziehen.

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Verbindung zwischen Atonalität und Avantgarde 

Vor Ihrem Konzert dirigiert John Storgårds Carl Nielsen, danach Jean Sibelius. Fühlen Sie sich in dieser Gesellschaft wohl?
Die Musik des 21. Jahrhunderts nimmt eine andere Sicht ein als die der ersten Nachkriegsjahre, die vom Protest gegen Konventionen des Klangs geprägt war. Ich nutze Tonalität, Atonalität, Modalität und Avantgardismus gemeinsam. Ich komponiere mit Geschichte und möchte nicht die Geschichte neu schreiben. Außerdem suche ich eine Kommunikation, die von der Avantgarde nicht immer gesucht wurde. Meine Musik soll zu jeder anderen Musik passen - sei es Bach, Schönberg oder Henze.


Isarphilharmonie, 14. Januar, 20 Uhr und am 16. Januar 11 Uhr

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