Kritik

Torsten Sträter im Circus Krone: Die unterhaltsamste Themaverfehlung

Warum sich das neue Programm des Kabarettisten im Circus Krone als unterhaltsamste Themaverfehlung seit langem erweist.
Anne Fritsch |
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Torsten Sträter live im  Circus Krone.
Torsten Sträter live im Circus Krone. © Jens Niering (Jens Niering)

Was haben eine Erkältung, Zyklopen, das Oktoberfest und das Outlet in Metzingen gemeinsam? Sie alle kommen im neuen Kabarettprogramm von Torsten Sträter vor, und das bereits in den ersten zwei Minuten. Dieses Programm ist keine Show, auch wenn Sträter diese Bezeichnung deutlich attraktiver findet, aber eine Show braucht definitiv Federboas, die hat er nicht, also bleibt es beim Programm. Dieses heißt "Die Zyklopen von Saint-Tropez" und feierte jetzt im Circus Krone seine München-Premiere.

Schon in der ersten Viertelstunde kommt die Ahnung hoch, dass es hier wohl um alles gehen wird und am Rande möglicherweise auch um Zyklopen. Denn was genau die einäugigen Riesen aus der griechischen Mythologie nach Südfrankreich verschlagen hat (und ob das überhaupt so ist), wird eher nicht oder zumindest anders beantwortet als erwartet.

Soviel sei verraten: Onkel Erwin hat damit zu tun. Sträter jedenfalls ist ein Meister im Abschweifen. Wobei? Um abschweifen zu können, müsste es ja so etwas wie ein Thema geben. Das gibt es nicht. Es gibt hunderte.

Ein Meister sinnbefreiter Dialoge

Torsten Sträter steht mit seinem Mikro ganz in Schwarz gekleidet auf der Bühne und redet im wahrsten Sinne des Wortes über Gott und die Welt, vor allem die Welt im Ruhrgebiet. Es geht an diesem Abend über alles, was ihm interessant erscheint, und das ist viel. Er mäandert wie ein ungezähmter Bach durch die Gegend, streift all die Merkwürdigkeiten menschlichen Lebens und verirrt sich ganz bewusst in den Untiefen der deutschen Sprache.

Man hört ihm gerne dabei zu, ist er doch ein Meister der sinnbefreiten Dialoge und des Ausweichens von Anliegen, ob mit seiner Agentin oder der Schuhverkäuferin, die ihn fragt, ob er ein Schuhspanner sei (oder brauche?). Egal. Torsten Sträter lässt keine Doppeldeutigkeit aus. Er sagt einen Satz, macht eine Pause, sagt ihn noch einmal und hinterfragt ihn. Zum Beispiel diesen: "Er fror bitterlich." Fror Bitterlich? Klingt das nicht wie ein Ermittler in einem Schwedenkrimi?

Sträter ist so etwas wie ein Archäologe für Merkwürdigkeiten. Er stellt sie in den Raum, mal kommentiert er sie, dann wieder lässt er sie für sich wirken. Warum ist ausgerechnet St. Blasius der Schutzheilige für Halskrankheiten? Sollte einem beim Gedanken an einen KI-gestützten Mähroboter nicht der Angstschweiß ausbrechen? Intelligent, mobil und mit scharfen Klingen auf dem eigenen Grundstück unterwegs? Warum sollte man Gott "einen guten Mann sein lassen"? Damit er einmal nicht der Soziopath ist?

Man hört ihm gerne zu

Sträters Programm ist so etwas wie eine Ausstellung der Absonderlichkeiten und bemerkenswerten Begegnungen, ob mit der Oma oder dem Bofrost-Mann. Ganz am Ende erklärt er dann doch, was eine Kneipenschlägerei im Ruhrgebiet, an der Onkel Erwin maßgeblich beteiligt war, mit jenen Zyklopen zu tun hat.

Was das nun war, fragt man sich beim Verlassen des Circus Krone. Wohl die längste, aber auch unterhaltsamste Themaverfehlung seit langem. Denn um was auch immer es nun ging an diesem Abend: Torsten Sträter ist einer, dem man gerne zuhört.

Wieder am 28. und 29. April und am 9. und 10. Mai im Circus Krone, Karten bei Münchenticket

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