„Thais“ von Jules Massenet mit Marina Rebeka und Plácido Domingo

Salzburger Festspiele: Marina Rebeka und Plácido Domingo in einer konzertanten Aufführung der Oper „Thais“ von Jules Massenet mit dem Münchner Rundfunkorchester
| Michael Bastian Weiß
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Die Künstler beim Applaus nach dem Ende der Aufführung.
Marco Borelli 3 Die Künstler beim Applaus nach dem Ende der Aufführung.
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Salzburger Festspiele: Marina Rebeka und Plácido Domingo in einer konzertanten Aufführung der Oper „Thaïs“ von Jules Massenet mit dem Münchner Rundfunkorchester

SALZBURG - Es ist ein einziges Lachen, in welchem sich die ganze Widersprüchlichkeit der Titelfigur entlädt. Marina Rebeka ist es gegeben, ihr Rollenporträt in wenigen Sekunden zu pointieren: Das kapriziöse Gackern gehört noch der venusgläubigen Kurtisane Thaïs, doch die Stimme bricht und kippt in ein herzzerreißendes Schluchzen, das die gleichzeitig wirkende Verzweiflung dieser jungen Frau offenbart.

Dass die Leere und die Zweifel am rein sinnlichen Leben in dieser von ihrem Komponisten Jules Massenet so menschlich angelegten Rolle schon vor der Bekehrung vorhanden sind, teilt sich im faszinierenden Gesang Rebekas von Anfang an mit. Sie ist beileibe keine sanfte, gefügige Gespielin, sondern eine modern anmutende selbstbestimmte Frau, die sich mit Metall im Sopran, sehniger Linienführung und energischer Diktion nimmt, was sie will.

Doch die lettische Sängerin, die für die erkrankte Sonya Yoncheva einsprang, hat auch eine andere Seite. Noch auf melodischen Höhepunkten kann sie die Stimme absolut kontrolliert in das Piano zurückführen, ihre Leidensbereitschaft überwindet die Obsessivität nicht etwa, sondern kehrt sie nach innen. Selbstzerstörerisch, so lässt uns Marina Rebeka miterleben, ist sowohl die erotische als auch die religiöse Maßlosigkeit. Ein aufrührendes Rollenporträt.

Sinnenfeindlichkeit und Begierde

Die Qualität des Librettos von Jules Massenets Oper „Thaïs“ liegt nicht zuletzt in der Exaktheit begründet, mit welcher sich Thaïs‘ Gegenspieler Athanaël gegenphasig zur Titelfigur entwickelt: von der Sinnenfeindlichkeit hin zur hemmungslosen Begierde.

Laut Text soll dieser Mönch ein junger Mann sein. Doch die Oper hat ihre eigenen Gesetze. So gewinnt Plácido Domingo als würdig gealterter Eremit größte Plausibilität in dieser Rolle, gerade, weil er nicht etwa mit seinen Kräften haushält, sondern immer alles gibt; und das ist immer noch begeisternd viel.

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Natürlicherweise hat das Organ ein starkes Vibrato ausgebildet, doch die Tiefe ist noch schwerer und dunkler geworden – schließlich ist der Athanaël für Bariton geschrieben! – und die Spitzentöne ertönen mühelos und gleichzeitig elektrisierend.
Weil der Franzose Benjamin Bernheim als Nicias mit seinem schlanken, hell strahlenden, biegsamen Tenor einen vor Lebensfreude und -kraft schier überbordenden Nicias entwirft, ergeben sich in diesem Ensemble effektvolle Kontraste.

Plácido Domingo studiert immer noch eifrig neue Rollen ein, vorzugsweise solche für Bariton. Er könnte sich aber langfristig noch stärker dem Dirigieren zuwenden, Bernheim hingegen wird man in Zukunft wohl in allen großen Tenorpartien erleben. Dieses tenorale Zwei-Generationen-Projekt macht diese konzertante Aufführung von „Thaïs“ einzigartig.

Fein ziseliert

Jules Massenets Oper gewinnt ihre Einheit aus der überlegen auskomponierten Einsicht, dass Ekstase und Askese ineinander verschlungen sind. Da er am Pult des abermals in Salzburg gastierenden Münchner Rundfunkorchesters die heilige Andacht der Zönobitenmönche theatralisch spannungsvoll durchwirkt, die diesseitigen Liebesfeste aber von hysterischer Grelle fernhält, erweist sich Patrick Fournillier als kongenialer Interpret dieses Stückes: Er versteht es, unterstützt vom hervorragenden Philharmonia Chor Wien, die krassen Gegensätze subtil ineinander aufgehen zu lassen und dies auch ansprechend zu vermitteln.

Da gerät in den Hintergrund, dass das Rundfunkorchester im Großen Festspielhaus nicht so brillant klingt wie jüngst unter Marco Armiliato in Puccinis „Manon Lescaut“ am selben Ort. Auch durchgehende Koordinationsprobleme in den einzelnen Gruppen können nicht vermieden werden. Ein Sonderlob aber gebührt dem Konzertmeister Felix Froschhammer, der das Violinsolo der populären „Méditation“ feinst ausziseliert und somit in der Schwebe hält zwischen melodischer Süße und genauester Artikulation. Das ist ganz im Geiste des Erfinders, was man für alle Beteiligten sagen kann.
 

 

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