Kritik

Tanzmusical "Flashdance": Unverstellte Natürlichkeit

Das Tanzmusical "Flashdance" im Deutschen Theater frei nach dem Film von 1983 mit Jennifer Beals.
| Vesna Mlakar
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Gute Laune im Rückblick auf die 1980er-Jahre: Das Ensemble des Musicals "Flashdance" im Deutschen Theater.
Gute Laune im Rückblick auf die 1980er-Jahre: Das Ensemble des Musicals "Flashdance" im Deutschen Theater. © Susanne Brill/Deutsches Theater

München - Sie ist jung, gerade heraus und hat einen großen Traum. Alex Owens - so der Rollenname - liebt das Tanzen. Ihr Geld verdient die taffe Vorstädterin ganz uneitel in einer Pittsburgher Stahlfabrik mit Schweißen: für die 1980er Jahre also in einem reinen Männerjob.

Reichlich Hollywood-Idealismus

Als Single kommt sie so über die Runden. Ihre Leidenschaft, durch Bewegung innerlich abzuheben, kann sie vorerst nur als Unterhaltungsgirl in einer Bar ausleben. Eine typische Filmstory, die mit viel Hollywood-Idealismus gespickt auch ein wenig auf jedermanns Sehnsucht nach individueller, selbstantrainierter Besonderheit abzielt.

Ein vorprogrammiertes Happy End

Alex' Vorhaben, an der Shipley Tanzakademie und damit in die Welt des Profiballetts aufgenommen zu werden, scheint in unerreichbarer Ferne. Bis sie mit Firmenboss Nick Hurley - neben einer alten Ex-Ballerina - einen Unterstützer findet, der sie gerade wegen ihrer Eigenwilligkeit wahrhaft liebt. Das Happy End ist simpel von Anfang an vorprogrammiert.

Mit "Flashdance" wurde Jennifer Beals über Nacht zum Star

Mit dem Blockbuster "Flashdance" wurde die attraktive Jennifer Beals 1983 über Nacht zum Star - trotz passagenweise gedoubelter Tanzszenen. Heute dagegen fällt ihre leicht melancholische Spielweise aus unserer schnelllebigen Zeit. Genauso verhält es sich mit den brav in die Liebesschmonzette hineingeschnittenen Streetdance- und sportiven Striprevue-Nummern.

"Flashdance" im Deutschen Theater.
"Flashdance" im Deutschen Theater. © Deutsches Theater

Aus heutiger Sicht putzig anzusehen: das von schrillen Aerobic-Outfits geprägte Workout einer Mädels-Clique, die dynamisch und sexy an Fitnessgeräten Kalorien verbrennt. Der deutsche Trailer versprach anno dazumal einen "Film, der fetzt". In Erinnerung geblieben sind allerdings meist weniger szenische Einzelheiten.

"What a feeling": Mitreißender Soundtrack

Geflashed hatte das Publikum schließlich vor allem der mitreißende Soundtrack und Giorgio Moroders mehrfach ausgezeichneter Titelsong "What a feeling". Perfekte Musik für ein jazziges Vortanzsolo, das nach einer Bruchlandung auf dem Po beim zweiten Durchlauf die biedere Jury doch noch vom Talentpotenzial der ungewöhnlichen Kandidatin überzeugt.

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Junge Schauspieler rocken das Deutsche Theater

Für die Bühne adaptiert wurde "Flashdance" 2008. Und das, wie bei Kultstreifen so oft, als schmissiges Musical. Dessen deutschsprachige Fassung, in der lediglich die bekannten Hits ("Maniac", "What A Feeling", "Gloria, I Love Rock'n'Roll", "Manhunt") im englischen Original gesungen werden, sollte schon letztes Jahr mit einer Riege "unverbrauchter" junger Darsteller das Deutsche Theater rocken. Anderswo müssen Fans noch länger auf dieses Live-Erlebnis warten.

"Flashdance" im Deutschen Theater.
"Flashdance" im Deutschen Theater. © Deutsches Theater

In München dagegen präsentiert die nach langer Zwangsunterbrechung bestens aufgelegte 16-köpfige Crew nach einem Premieren-Restart vor bloß 375 Zuschauern im 1.500 Plätze fassenden Saal die zweieinhalbstündige Show noch bis 23. Januar. Der Besuch entpuppt sich als erfrischende Abwechslung.

"Flashdance"-Hauptdarstellerin Veronika Hammer: Unverstellte Natürlichkeit

Nicht etwa, weil Veronika Hammer in der Hauptrolle den choreografischen Ideen von Kerstin Ried Flügel verleiht. Dazu sind deren kurze Anleihen beim Original - erwähnt seien Alex Verrenkungen auf einem Stuhl, die abrupt unter einem Strahl Wasser von oben enden - viel zu kurz. Zudem zeichnen Hammer als Interpretin, wenn sie sich beim rasanten kollektiven Stepp-Seilhüpfen und vielen weiteren Showbizz-Momenten in Bomberjacken oder knappen Trikots tapfer schlägt, andere Qualitäten aus - dank unverstellter Natürlichkeit.

Containerschick und emotionale Sympathie

Letztendlich überzeugend: die Geradlinigkeit bei der Identifikation mit dem Figurenarsenal, das in einem mobilen Einheitsset agiert. In mit Graffitis und Plakaten heruntergekommen wirkendem Containerschick. Die sich entwickelnde emotionale Sympathie für ihre Rollen - damit begeistern Veronika Hammer und mit ihr das gesamte Ensemble zusehends.

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Die Schauspieler von "Flashdance" in München

Nick Hurley - im Film geschiedener Chef, nun bedingungslos verknallter Sohn des Firmeninhabers mit einer Ader für mehr soziale Gerechtigkeit - wird hingebungsvoll von Nicky Wuchinger gespielt. Bei den Gruppenchoreografien mitmachen - hier verklammert sich Tanz und Gesang am wirkungsvollsten - darf er erst zum Schluss.

Susanna Panzer ereilt als körperlich stark verbrauchte ehemalige Balletttänzerin und entsprechend klischeehaft puschende Kraft noch zuvor der Tod. Konstantin Busak (Jimmy) und Tiziana Turano (Gloria) profitieren vom Glück, dass die Musical-Macher ihre Beziehung weiter aufgebaut haben: geprägt von Selbstfindungsprozessen und eines parallel verlaufenden Kampfs zweier konkurrierender Clubs.

Lachen und Mitwippen

In der Kategorie Bösewicht kann der Erfurter Enrico Treuse stimmlich herausragend mächtig auftrumpfen. Zum Lachen und Mitwippen gebracht zu werden, funktioniert in "Flashdance - Das Musical" niederschwellig und hürdenfrei. Mehr herausholen aus der Show ließe sich - vor allem tänzerisch - jedoch allemal.


Noch bis 23. Januar (außer Montags) im Deutschen Theater. Infos und Karten unter 089/55234444 sowie www.deutsches-theater.de

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