So ist das Familienmusical "Cinderella" in der Regie von Josef E. Köpplinger

Da wiehert selbst das Pferd: Der Gärtnerplatz spielt Thomas Pigors Musical „Cinderella“ in der Reithalle
| Robert Braunmüller
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Das Pferd Horst, Tanja Petrasek (Cinderella), Lars Schmidt (Prinz) und Andreas Goebel als Haushofmeister in „Cinderella“.
Christian Zach Das Pferd Horst, Tanja Petrasek (Cinderella), Lars Schmidt (Prinz) und Andreas Goebel als Haushofmeister in „Cinderella“.

Zuerst springen die Sieben Zwerge im Gänsemarsch aus dem Märchenbuch-Bühnenbild. Wie es sich gehört, mit Zipfelmützen, Bärten und karierten Hemden. Kommen die in „Aschenputtel“ überhaupt vor? Egal! Noch ehe die Aufführung in der Reithalle richtig angefangen hat, ist schon klar, dass es ein Riesenspaß werden muss.

Die Zwerge begeben sich in den Orchestergraben der Reithalle: Es sind die Musiker des Gärtnerplatz-Orchesters. Dann erscheint der leicht affektierte Haushofmeister des Märchenkönigs (Andreas Goebel) und kündigt wie in der Comédie Française den Beginn der Aufführung mit dem dreimaligen Aufstoßen seines Stabes an.

Und es wird wirklich ein Riesenspaß! Womöglich auch deshalb, weil es sich um eine durch viel Erfahrung nachgereifte Aufführung handelt: Josef E. Köpplinger hat bereits vor über 20 Jahren die Uraufführung von Thomas Pigors Märchenmusical „Cinderella“ am Regensburger Theater inszeniert und das Stück danach auch in Klagenfurt herausgebracht.

Für die ganze Familie

Aber irgendwelche Stäubchen haben sich da nicht abgelagert. Oder sie wurden mit Bedacht weggeblasen: Der Kabarettist und Liedermacher Pigor erzählt das Märchen vom Aschenputtel mit viel parodistischem Witz. Der klein geratene Märchenkönig Karlheinz der Große (Stefan Bischoff) musste zwecks Verheiratung seiner Prinzessinen sein Reich bereits mehrfach teilen. Er regiert nur noch über einen Kleinstaat. Der Ball, auf dem Aschenputtel den Prinzen findet, ist so fad wie fast alle berühmten Bälle. Und Cinderellas Ballkleid glitzert auch nicht zauberhaft glamourös: Sie erscheint im Kostüm einer Bauchtänzerin, von dem sie im Märchen „Kalif Storch“ gelesen hat.

Das hat beträchtliche Vorzüge: Kleinere Kinder, die Wiederholungen mögen, kennen die Geschichte schon. Aber sie wird so nacherzählt, dass auch ihre bereits pubertierenden Geschwister, denen der Besuch eines Kinderstücks noch peinlicher sein dürfte als den Eltern, die Aufführung ohne Fremdschämen goutieren können. Und für Erwachsene gibt es allerlei Wortwitze und Kalauer wie eine gewisse Angela im lila Kostüm, die sich als Braut des Prinzen als „alternativlos“ bezeichnet.

Viel Theaterzauber

Pigors Musik schillert irgendwo zwischen der „Dreigroschenoper“ und „Ritter Rost“. Sie ist immun gegen die schlimmste aller Musical-Seuchen: die Sentimentalität. Kindertümlichkeit gibt’s auch keine. Und auf der Bühne von Karl Fehringer und Judith Leikauf entfaltet Köpplinger jenen liebevoll augenzwinkernden Theaterzauber, den er auch im „Weißen Rößl“ oder der „Zirkusprinzessin“ für Erwachsene bereithält.

Da gibt es eine Zauberkutsche mit Auto-Bremsgeräusch. Oder ein steppendes Pferd mit Steppdecke, das auch einmal Äpfel verliert. Oder ein vom Autor erfundenes und vom Regisseur mit viel Slapstick inszeniertes Chaos nach dem plötzlichen Verschwinden Cinderellas auf dem Ball.

Bei den Darstellern wurde auch nicht gespart: Die bösen Schwestern (Susanne Seimel, Katharina Lochmann) sind fürchterliche Schreckschrauben. Der im Angesicht des schwachen Königs gratismutige Oppositionsführer (Frank Berg) steht zu Hause unter dem Pantoffel von Cinderellas gemeiner Stiefmutter, die Robert Joseph Bartl mit aasigem Charme spielt. Anja Clementi und Yara Blümel spielen die beiden schwerhörigen Tauben und noch ein paar andere Rollen wie die Tangolehrerin aus der Volkshochschule und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Prinz (Lars Schmidt) und Cinderella (Tanja Petrasek) sind allerliebst, aber letztlich nicht wirklich die Hauptfiguren.

Es ist eine alte Weisheit: Nur wenn Kinderstücke mit mindestens dem gleichen Enthusiasmus wie Wagners „Ring des Nibelungen“ oder Bernd Alois Zimmermanns „Die Soldaten“ aufgeführt werden, dann funktionieren sie auch. Hier geschieht es! Man traut sich gar nicht, jung gebliebenen Erwachsenen zum Besuch zu raten – sie würden Kindern nur den Platz wegnehmen...

Reithalle, Heßstraße 132 (Tram 20/21, Haltestelle Hochschule München), fast täglich bis 8. Februar 2015, Karten und Infos unter Telefon 2185-1960

 

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