Pläne des Residenztheather: Versprochen ist versprochen

Intendant Andreas Beck und sein Team stellen das Programm des Residenztheaters der nächsten Saison vor.
| Michael Stadler
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Andreas Beck, der Intendant des Bayerischen Staatsschauspiels.
Andreas Beck, der Intendant des Bayerischen Staatsschauspiels. © dpa

München - Die Krise als Chance zu sehen, mag nicht jedem leichtfallen, aber im Bayerischen Staatsschauspiel übt man sich, zumindest bei der Spielzeitkonferenz im Marstall, in robustem Optimismus. So fragt sich der Schweizer Thom Luz, Resi-Hausregisseur und Spezialist für musikalisch-spleenige Inszenierungen, was die Pandemie denn alles für ihn getan habe. Und antwortet selbst, dass er dank Corona mehr Zeit hatte und weiterhin hat, um an seiner Inszenierung "Die Wolken, die Vögel, der Reichtum" herumzutüfteln.

 Schicksal des Aufschubs hat so manche Premiere ereilt

War die Premiere seiner Verquickung dreier Stücke von Aristophanes schon für den letzten Januar angesetzt, so wird sie wohl nun am 10. Oktober stattfinden. Das Schicksal des Aufschubs hat dabei so manche Premiere der letzten Spielzeit ereilt. Intendant Andreas Beck spricht von "Versprechen", die nun erst in der nächsten Saison eingelöst werden können. Gut zwanzig Premieren beinhaltet das Programm, aber ein großer Teil der Stücke ist schon durchgeprobt, so dass letztlich völlig neu drei Premieren im Residenztheater, zwei im Cuvilliéstheater und vier im Marstall auf dem Plan stehen.

Mit dem Gedanken, dass die Pandemie sämtliche dramaturgischen Spielzeit-Überlegungen über den Haufen geworfen hat, wollen Beck und sein Team sich natürlich nicht anfreunden. Stattdessen besteht der Intendant darauf, dass Alt- und Neugeplantes durchaus "künstlerisch" verquickt wurde, so dass sich trotz allem ein kompaktes Programm ergibt, durch das sich gewisse rote Fäden ziehen lassen.

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So kann man vieles unter den breiten Begriffen "Erinnerung" oder "Vermächtnis" zusammenfassen. Der australische Regisseur Simon Stone beschäftigt sich beispielsweise mit den Stücken und Figuren, die Ödön von Horváth hinterlassen hat, und transportiert sie unter dem Titel "Unsere Zeit" in die zeitgeistige Gegenwart eines Tankstellen-Shops (Premiere am 19. September). Nach dieser Saisoneröffnung nimmt sich Antonio Latella mit "Cyrano de Bergerac" (Premiere: 24. September im Marstall) ebenfalls einen älteren, klassischen Stoff vor und zwar "in einer Bearbeitung für zwei Einsamkeiten", was doch nicht ganz so lustig klingt wie Latellas bewusst spaßige Inszenierung der "Drei Musketiere". Zwei Tage später, am 26. September, bringt Stephan Kimmig mit "Die Träume der Abwesenden" eine Trilogie der niederländischen Schriftstellerin Judith Herzberg auf die Bühne, die in ihren Büchern unter anderem Erfahrungsberichte von Holocaust-Überlebenden verarbeitet hat.

Damit fällt der Startschuss für eine Reihe von Regiearbeiten, die sich mit dem Nationalsozialismus und dem Rechtsruck in unserer Gesellschaft befassen: von "Es waren ihrer Sechs" nach dem Roman von Alfred Neumann, inszeniert von Michal Borczuch (Premiere am 8. Oktober), über eine zweite, "Revisited"-Variante von Christine Umpfenbachers Doku-Projekt "Urteile" (Premiere am 21. Oktober) bis hin zur physischen Premiere von "Marienplatz" (Premiere am 27. November, alle drei im Marstall).

"Wir gehen volles Risiko"

Auffällig viele Trilogien kommen auf die Bühne, "Die Kopenhagen-Trilogie" der dänischen Schriftstellerin Tove Ditlevsen etwa (Premiere: 25. März 2022) oder die Kareno-Trilogie von Knut Hamsun, die Stephan Kimmig unter dem Titel des zweiten Stücks, "Spiel des Lebens", schon längst mit dem Ensemble einstudiert hat (Premiere: 8. April 2022). Ein Highlight verspricht Beck auch mit der deutschsprachigen Erstaufführung von "Das Vermächtnis", eines Stücks, das es vom Londoner "Young Vic" bis zum Broadway geschafft hat. US-Dramatiker Matthew Lopez erzählt darin von einer schwulen Community in New York, die zwei Jahrzehnte nach Ausbruch der Aids-Pandemie sich mit diesem "Vermächtnis" auseinandersetzen muss.

Komplementär dazu wird zum Saisonabschluss mit "Engel in Amerika" ein in Basel bereits mit Erfolg gezeigtes Stück über dieselbige Pandemie gespielt. Hoffentlich.

"Wir gehen volles Risiko", verkündet die stellvertretende Intendantin und Kommunikationschefin Ingrid Trobitz und spricht von einer geplanten Belegung von 500 Plätzen im Residenztheater, 200 im Cuvilliéstheater und 70 bis 100 im Marstall. So der Wunsch jedenfalls Richtung KVR. Ab November soll es die üblichen Abonnements wieder geben, plus ein Premieren-Abo für Studentinnen und Studenten, das acht Premieren à acht Euro umfasst. Hinsichtlich möglicherweise anstehender Etatkürzungen weiß Andreas Beck von nichts und will davon sicherlich auch nichts wissen.

Insgesamt klingt alles noch ein bisschen nach Träumerei, aber vielleicht sind ja bis Herbst die meisten durchgeimpft, die vierte Welle bleibt aus und der Optimismus, der gerade wie ein frischer Wind durchs Bayerische Staatsschauspiel weht, erweist sich im Rückblick, angesichts der eingetretenen Realität, als vollkommen angebracht.


Das ganze Programm findet sich unter www. residenztheater.de

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