Pläne der Kammerspiele: Kampfbereit gegen die Hinterzimmer

Was die Kammerspiele in der zweiten Saison der Intendantin Barbara Mundel planen.
| Mathias Hejny
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Die Intendantin Barbara Mundel bei der Vorstellung der kommenden Saison der Münchner Kammerspiele im Schauspielhaus.
Die Intendantin Barbara Mundel bei der Vorstellung der kommenden Saison der Münchner Kammerspiele im Schauspielhaus. © Sandra Singh

"Es wird ein heißer Herbst" kündigte Barbara Mundel bei der Präsentation der nächsten Spielzeit in den Kammerspielen an. Damit meinte die Intendantin nicht den Spielplan ihres Hauses, sondern die Pläne der Landeshauptstadt, nicht mehr vollständig für den Tarifausgleich aufzukommen.

"Alle müssen einen Beitrag leisten", hatte zuvor Anton Biebl im Hinblick auf die angespannte Kassenlage wegen der Corona-Krise und einem sich daraus ergebenden "strukturellen Defizit in Millionenhöhe" erklärt. Der Intendantin, die unter so schwierigen Bedingungen in der vorigen Saison ihr Amt angetreten habe und dennoch bereits "in der Stadt angekommen" sei, versprach der Kulturreferent gleichzeitig seine Unterstützung.

Kammerspiele-Intendantin Mundel: "Wir sind willens, zu kämpfen"

Aber an der vollständigen Übernahme der Kostensteigerung durch tarifliche Lohn- und Gehaltserhöhungen von der Kommune sei nicht zu rütteln, so Barbara Mundel. Die aktuell im Kulturausschuss geführte Debatte, die einen Eingriff in das Budget der Kammerspiele und einen "Paradigmenwechsel" der Politik bedeute, sei "in Hinterzimmern ausgekaspert" worden, ohne dass jemand mit ihr darüber gesprochen hätte.

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"Wir sind willens, zu kämpfen", erklärte die Theaterchefin. Wie dieser Kampf aussehen wird, ist abzuwarten. Zunächst steht das Programm für die Mitte September beginnende Spielzeit fest. Ein Krisenmodus für den Fall, dass die vierte Infektionswelle nicht so glimpflich verlaufen wird, wie gewünscht, ist nicht eingebaut.

Münchner Kammerspiele als "Haus der Uraufführungen"

Auch von dem, was landläufig als "Klassikerpflege" zum Businessmodell eines Stadttheaters gezählt wird, ist keine Spur. Lediglich Thomas Bernhard kommt in einer mit Texten des Regisseurs Falk Richter erweiterten Fassung von "Heldenplatz" (4. Dezember) vor.

"Wir sind ein Haus der Uraufführungen" machte Dramaturg Tobias Schuster klar. Den Anfang machen die "Effingers", eine von Jan Bosse inszenierte Bühnenadaption eines Romans von Gabriele Terpin, einer 1933 geflohenen, jüdischen Schriftstellerin aus München (18. September).

Während sie zu den vergessenen Autorinnen der Stadt gehört, ist Alexander Kluge ein geradezu populärer Münchner Intellektueller. Unter dem Titel "Wer immer hofft, stirbt singend" (12. März) inszeniert Jan-Christoph Gockel die "Reparatur einer Revue" nach Kluges Texten.

Kammerspiele legen Wert auf Internationalität

Nichts Geringeres als "Die Heilige Schrift" steht im Mai auf dem Spielplan. Falk Richter wird eine Installation errichten zu Tagebucheinträgen von Wolfram Lotz (gerade mit "Die Politiker" im Schauspielhaus zu sehen), die der Vernichtung durch den Autoren selbst entgangen sein sollen.

Wie schon in der zu Ende gehenden Spielzeit legen die Kammerspiele Wert auf Internationalität. Ensembles wie Paper Tiger aus China oder Autorinnen wie Sivan Ben Yishai aus Israel. Gleichfalls geht es mit den Forschungszentren "What Is The City?" raus aus dem Haus an der Maximilianstraße weit und tief in die Stadt.

Mit einem Projekt in Neuperlach soll das Theater dort hingehen, von wo viele nicht in die Theater gehen. Ab 22. Mai gibt es sogar Oper: Im neuen Volkstheater zeigen die Kammerspiele zusammen mit der Bayerischen Staatsoper "Koma" von Georg Friedrich Haas, getextet von Händl Klaus und unter der Regie von Romeo Castellucci.

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