Mathilde Westend mit Lesung im Westpark: Röslein rot, dornige Leidenschaft

Theresa Hanich und Julia Loibl lesen den Roman "Elizabeth und ihr deutscher Garten" im Westpark.
| Mathias Hejny
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Ein Denkmal für Elizabeth von Arnim im polnischen Buk.
Ein Denkmal für Elizabeth von Arnim im polnischen Buk. © imago images/Bednarek Dariusz

München - Mit 15 Quadratmetern ist Mathilde Westend das kleinste Theater Münchens und nicht kompatibel mit den Abstandsregeln, die noch immer wegen der Corona-Pandemie gelten. 

"Hörbuchspaziergang" in der Weite des Westparks

Deshalb gehen Theresa Hanich und Julia Loibl nicht nur, wie auch andere Kulturveranstalter, ins Freie, sondern suchen die Weite des Westparks. Dort findet sich der richtige Schauplatz für einen "Hörbuchspaziergang" mit dem Roman "Elizabeth und ihr deutscher Garten".

Elizabeth hätte der Rosengarten und mit dem angrenzenden, leicht verwildert und üppig wachsenden Gartenareal gefallen. Auf einem pommerschen Gut entdeckt sie ihre Leidenschaft für die Rosenzucht und erlernt autodidaktisch das Gärtnern. Im wilhelminischen Deutschland ist eine Adelige, die eigenhändig den Spaten anfasst, um im Erdreich zu wühlen, unvorstellbar. Dem Gatten, den sie in ihren tagebuchartigen Aufzeichnungen nur "der Zornmütige" nennt, fragt sie nach entsprechenden Vorhaltungen, ob er nicht stolz sei auf eine so originelle Ehefrau.

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Er aber findet sie "exzentrisch", und eines Tages fragt sie sich, "ob ein Mann überhaupt das Richtige für ein Mädchen ist". Elizabeth ist ein Alter ego der Schriftstellerin Elizabeth von Arnim. Geboren wurde sie 1866 in Australien, starb 1941 in den USA, war in Großbritannien aufgewachsen und hatte den preußischen Grafen Henning August von Arnim-Schlagenthin geheiratet. 1898 veröffentlichte sie ihren Debütroman "Elisabeth und ihr Garten", in den ihre Erfahrungen aus dem Leben auf einem alten Rittergut in Pommern einflossen.

Mit den Töchtern wird über das Weibliche in der Mode diskutiert

Beim Spaziergang im Park mit MP3-Player und Kopfhörern entfaltet sich ein ostdeutsches Gesellschaftspanorama des 19. Jahrhunderts, das oft überraschend heutig anmutet. Mit den Töchtern wird über das Weibliche in der Mode diskutiert, die Frage nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit von Frau und Mann war damals schon ein Thema, und fassungslos sieht die Gutsherrin, wie Frauen nicht nur ausgebeutet, sondern sogar unmittelbar nach einer Niederkunft wieder auf die Äcker geschickt werden.

Diese Beobachtungen und der Jahreslauf von der ersten Rosenblüte bis zu einem spektakulären Picknick an der zugefrorenen Ostsee, aber auch das "Entzücken" über die von ihr geschaffene Pracht an Farben und Formen ihrer Pflanzen sind mit sanfter Ironie erzählt, die Hanich und Loibl bei ihrer 90-minütigen Audiofassung kongenial zum Klingen bringen.


Westpark, Treffpunkt nahe des Biergartens Rosengarten, Samstag bis Dienstag, 7. bis 9., 15. bis 17. Oktober, Zeiten und Karten unter mathilde-westend.de

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