Kálmáns "Faschingsfee", inszeniert von Josef E. Köpplinger

Josef E. Köpplinger hat Emmerich Kálmáns vergessene Operette „Die Faschingsfee“ in der Alten Kongresshalle wiederbelebt
| Robert Braunmüller
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Nadine Zeintl in der "Faschingsfee"
Briane 9 Nadine Zeintl in der "Faschingsfee"
Szenen aus der "Faschingsfee" in der Inszenierung und Bearbeitung von Josef E. Köpplinger.
Marie-Laure Briane 9 Szenen aus der "Faschingsfee" in der Inszenierung und Bearbeitung von Josef E. Köpplinger.
Szenen aus der "Faschingsfee" in der Inszenierung und Bearbeitung von Josef E. Köpplinger.
Marie-Laure Briane 9 Szenen aus der "Faschingsfee" in der Inszenierung und Bearbeitung von Josef E. Köpplinger.
Szenen aus der "Faschingsfee" in der Inszenierung und Bearbeitung von Josef E. Köpplinger.
Marie-Laure Briane 9 Szenen aus der "Faschingsfee" in der Inszenierung und Bearbeitung von Josef E. Köpplinger.
Szenen aus der "Faschingsfee" in der Inszenierung und Bearbeitung von Josef E. Köpplinger.
Marie-Laure Briane 9 Szenen aus der "Faschingsfee" in der Inszenierung und Bearbeitung von Josef E. Köpplinger.
Szenen aus der "Faschingsfee" in der Inszenierung und Bearbeitung von Josef E. Köpplinger.
Marie-Laure Briane 9 Szenen aus der "Faschingsfee" in der Inszenierung und Bearbeitung von Josef E. Köpplinger.
Szenen aus der "Faschingsfee" in der Inszenierung und Bearbeitung von Josef E. Köpplinger.
Marie-Laure Briane 9 Szenen aus der "Faschingsfee" in der Inszenierung und Bearbeitung von Josef E. Köpplinger.
Szenen aus der "Faschingsfee" in der Inszenierung und Bearbeitung von Josef E. Köpplinger.
Marie-Laure Briane 9 Szenen aus der "Faschingsfee" in der Inszenierung und Bearbeitung von Josef E. Köpplinger.
Szenen aus der "Faschingsfee" in der Inszenierung und Bearbeitung von Josef E. Köpplinger.
Marie-Laure Briane 9 Szenen aus der "Faschingsfee" in der Inszenierung und Bearbeitung von Josef E. Köpplinger.

Die Besetzung, so lautet eine alte Theaterregel, ist die halbe Inszenierung. Bei der „Faschingsfee“ in der Alten Kongresshalle auf der Schwanthaler Höhe bewahrheitet sie sich wieder einmal. Der Gärtnerplatz-Hausherr Josef E. Köpplinger schöpft aus dem Vollen und lässt die wunderbaren Veteranen Fritz Graas, Gisela Ehrensperger und Franz Wyzner als Chargen mitspielen. Mit Nadine Zeintl, Daniel Prohaska und Camille Schnoor in den Hauptrollen kann auch sonst nicht viel schief gehen.

Bei dieser vergessenen Operette von Emmerich Kálmán herrscht erhöhter Renovierungsbedarf. Das Textbuch von Alfred Maria Willner und Rudolf Österreicher erzählt das in demokratischen Zeiten stark abgeblätterte Operettenmärchen von der Liebe über Standesgrenzen. Köpplinger hat die „Faschingsfee“ generalsaniert und ein neues Fundament eingezogen: eine fast tragisch anmutende Altersliebe zwischen einem Fürsten (Erwin Windegger) und einer verwüstet dreinschauenden Wirtin (Dagmar Hellberg). Ein Happy End zwischen den beiden droht nicht, nur die Hoffnung darauf. Und gerade deshalb ist es richtig anrührend. Auch zwischen dem uralten Kellner (Franz Wyzner) und seiner Chefin (Gisela Ehrensperger) knistert es, allerdings bis zuletzt vergeblich.

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Auch darüber, zu ebener Erde und im Stock hat der Regisseur das Stück neu aufgemauert. Daniel Prohaska gibt als Kunstmaler (wieder mal) den herzensreinen Bonvivant. Camille Schnoors Fürstin sucht in der Künstlerkneipe nach der wahren Liebe und findet sie nach den üblichen Missverständnissen.

Das Buffo-Paar kommt einem aus früheren Inszenierungen des Hausherrn bekannt vor. Aber es funktioniert halt: Nadine Zeintl verbirgt als Lori ihr weiches Herz hinter rotziger Eifersucht. Simon Schnorr macht aus dem Baron einen schönen Mann mit unerschöpflicher Geldbörse und fast ebenso unerschöpflicher Anpassungsfähigkeit.

Die Welt von Gestern

Das sind natürlich Klischees aus dem musikalischen Volkstheater. Aber versehen mit einem literarischen Blattgoldüberzug aus dem Repertoire von Arthur Schnitzler oder Franz Molnár. Einen Faschingsspaß hat der Regisseur mit dieser „Faschingsfee“ allerdings nicht bereitet: Die „Letzten Tage der Menschheit“ sind nicht fern. Köpplinger hat die im Münchner Fasching der guten alten Zeit spielende Geschichte ins Entstehungsjahr der Operette versetzt: Sie spielt vor genau 100 Jahren im sogenannten „Steckrübenwinter“ 1916/17, als am Viktualienmarkt Eichhörnchen und Dachs als Gulasch-Fleisch verkauft wurden.

Allzuviel Champagnerstimmung wird mit Ernst unterlaufen: Auf der verschneiten Straße vor dem Theaterrestaurant tanzen Soldaten in Feldgrau und Krankenschwestern aus dem Lazarett mit Luftballons. Sie starren vor der (überflüssigen) Pause ins Publikum und ziehen am Ende mit Nelken im Gewehrlauf an die Front. Und ein paar deutschnationale Antisemiten laufen auch herum. Das könnte aufgesetzt wirken. Wer aus Kálmáns süffig-opulenter Operettenmusik den Untergang des Abendlandes heraushören kann, den wird es nicht stören. Ob allerdings jede große Nummer auch noch zwangsvertanzt werden muss, steht auf einem anderen Blatt.

In vollen Zügen

Michael Brandstetter dirigiert das auf der Bühne hinter einem Schleier platzierte Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz mit gewohnter Kompetenz. Instrumentatorisch Feinheiten kommen ortsbedingt kaum herüber. Die Verstärkung ist dezent, aber leider werden alle Zischlaute der Dialoge so ins Übergroße aufgeblasen, dass man manchmal ohne technische Hilfe alles besser verstehen würde.

Kálmáns Operette enthält einige Hits aus der zweiten Reihe wie „Lieber Himmelvater, sei nicht bös“ und „Der alte Noah, der hat’s gewußt“. Aber die Musik zielt eher in die Richtung von Paul Abrahams überdrehten Spät-Operetten als auf die von Köpplinger inszenierte Trauer über den Verlust der Welt von Gestern. Langsame Nummern fehlen ganz, was auf die Dauer eine Spur eintönig wird. Und es ist eine Sünde, dass die vom Regisseur so liebevoll hervorgehobenen älteren Herrschaften fast musiklos bleiben – aber da hat Kálmán einfach nichts komponiert, weil davon im Original nichts steht.

Egal. Diese „Faschingsfee“ ist ein Musterbeispiel dafür, wie ein vergessenes Stück wiederbelebt werden muss: in vollen Zügen, ohne Halbherzigkeit. Und mit dem besten Operetten-Ensemble, das man kriegen kann. Köpplinger hat es.

Bis 28. Februar, nur noch einzelne Restkarten, Telefon 2185 1960

 

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